Vorschau auf die Tour de Suisse Women 2026

Ist Reusser schon bereit für die Titelverteidigung?

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "Ist Reusser schon bereit für die Titelverteidigung?"
Trägt im Zeitfahren der Tour de Suisse das Trikot der Weltmeisterin: Marlen Reusser (Movistar) | Foto: Cor Vos

16.06.2026  |  (rsn) – Mit einem Novum wartet die 7. Austragung der Tour de Suisse Women (2.WWT) auf. Erstmals in der noch kurzen Historie der Etappenfahrt durch Schweiz ist es terminlich deckungsgleich mit dem der Männer und führt ebenfalls über fünf Etappen. Und nicht nur das, auch Start- und Zielorte werden identisch sein. Einzig verbleibender Unterschied: Während die Männer in fünf Renntagen durch die Schweiz 633 Kilometer zurücklegen, beträgt die Distanz für die Frauen 460 Kilometer.

Beim weiteren Blick auf die Zahlen fällt auf, dass im Vergleich zum Vorjahr mit 16 gemeldeten Teams die Teilnehmerliste um zwei Aufgebote reduziert wurde. An der Qualität des Rennverlaufs dürfte das nichts ändern; ganz im Gegenteil, ließen 2025 noch drei der damals 15 WorldTeams die Rundfahrt als Vorbereitung auf die Tour de France Femmes aus, fehlt in diesem Jahr aus der obersten Liga lediglich Uno-X Mobility.

 

Einziger kleiner Wermutstropfen bleibt das Fehlen einiger großer Namen, die bei der Tour de France Femmes (2.WWT) das Podium anpeilen. So lassen sowohl Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike), Toursiegerin von 2025, als auch die Giro-Siegerin Demi Vollering (FDJ United – Suez) den Trip in die Schweiz aus. Auch Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) Vuelta-Zweite und Dritte beim Giro, sowie die Vuelta-Gewinnerin Paula Blasi (UAE – ADQ) sucht man vergeblich auf der Teilnehmerliste. 

Nach der kurzfristigen Rennabsage von Vollering steigen die Chancen von Vorjahressiegerin Marlen Reusser (Movistar) nach überstandener Rückenverletzung ihre Heimrundfahrt zum wiederholten Male gewinnen zu können. Entscheidend bei diesem Vorhaben werden die letzten beiden Etappen sein. Gelingt es der Zeitfahrweltmeisterin, auf dem flachen Zeitfahrkurs von Aarburg ihre Qualitäten gegenüber der Konkurrenz mit einem ausreichenden Zeitpolster auszuspielen, kann sie am anspruchsvollen Finaltag wie bei ihrem Gesamtsieg im Vorjahr einen möglichen Vorsprung ins Ziel retten.

Holt sich Reusser ihren dritten Heimsieg?

“Direkt schon zwei Monate nach meiner Rückenfraktur von Flandern wieder beim Giro starten zu können, war mega cool“, ließ die Schweizerin über ihr Management verlauten. “Meine Form ist noch nicht die allerbeste, aber schon sehr gut“, so die 34-Jährige, die bei der Italien-Rundfahrt erneut in einen Sturz verwickelt war. “Der hatte zwar keine direkten Auswirkungen auf meine Rückenverletzung, aber dafür Probleme im Bein provoziert. Ich fühle mich noch nicht wieder zu 100 Prozent wohl auf meinem Velo, weiß aber, dass ich mich gut anpassen kann. In diesem Jahr gehe ich aufgrund der letzten Monate sicherlich nicht als Top-Favoritin in die Rundfahrt, aber: 'You never know', fügte sie an. Für Reusser wäre ein abermaliger Rundfahrtsieg nach 2023 und 2025 der bereits dritte in ihrer Heimat.

Solch ein Erfolgserlebnis stünde auch der Polin Kasia Niewiadoma (Canyon - SRAM), die nach ihrem schweren Sturz bei Mailand-Sanremo (1.WWT) mit dem achten Platz bei der Vuelta Femenina (2.WWT) wieder ansteigende Form zeigte, nach jeweils drei zweiten Plätzen beim Omloop Nieuwsbald, der Strade Bianche und dem Amstel Gold Rave (alle 1.WWT) gut zu Gesicht. 

Als weitere Podiumskandidatinnen zu betrachten sind zudem die Giro-Vierte Elisa Longo Borghini (UAE - Team ADQ), Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) sowie Urska Zigart (AG Insurance – Soudal). 

Ob Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek), die als beste Deutsche im Vorjahr auf Rang 29 in Küssnacht einfuhr, nach Platz zehn bei der Itzulia Women (2.WWT) auch in der Schweiz in die Top-Ten vorrücken kann, bleibt abzuwarten. Neben der Eichstätterin sind mit Justyna Czapla (Canyon – SRAM), Franziska Koch (FDJ United – Suez) und Liane Lippert (Movistar) lediglich drei weitere deutsche Fahrerinnen am Start.

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