Sprintduell zum Auftakt der Tour de Suisse Women

De Vries holt sich mit erstem Profisieg das Gelbe Trikot

Von Matthias Seng

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Femke de Vries (Visma – Lease a Bike, re.) hat den Auftakt der Tour de Suisse Women gewonnen. | Foto: Cor Vos

17.06.2026  |  (rsn) – Femke de Vries (Visma – Lease a Bike) hat in Italien den Auftakt der von drei auf fünf Tage erweiterten Tour de Suisse Women (2.WWT) für sich entschieden und im Alter von 32 Jahren ihren ersten Sieg bei den Profis gefeiert. Die Niederländerin bezwang auf der 1. Etappe über 109 Kilometer rund um Sondrio im Sprintduell die Britin Lauren Dickson (FDJ United – Suez), mit der sie sich ungefähr 30 Kilometer vor dem Ziel abgesetzt hatte.

Dritte wurde mit 29 Sekunden Rückstand die Französin Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly / +0:29), die sich auf den letzten Metern noch aus der Gruppe der Favoritinnen gelöst hatte. Die führte mit 38 Sekunden Rückstand Kim Le Court (AG Insurance – Soudal) ins Ziel und sicherte sich Rang vier vor de Vries‘ kanadischer Teamkollegin Sarah van Dam und der Schweizerin Steffi Häberlin (SD Worx – ProTime).

Auf den weiteren Positionen folgten die zeitgleichen Elisa Longo Borghini (UAE – ADQ), Marlen Reusser (Movistar) und Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM). Beste deutsche Fahrerin war auf Platz 16 Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek / +1:19).

De Vries im finalen Sprint clever und stark

“Das ist mein erster UCI-Sieg, das ist was ganz Besonderes, ich bin unglaublich happy und kann es noch gar nicht glauben“, strahlte die Giro-Sechste de Vries im Ziel-Interview. Zwischenzeitlich machte sie sich aber durchaus Sorgen. “Vor dem letzten Anstieg hatte ich ziemliche Angst. Am Beginn spürte ich einen leichten Krampf. Ich habe sonst nie Krämpfe, aber diesmal ging es los. Dann habe ich einfach alles auf eine Karte gesetzt. Ich hörte, dass der Vorsprung schrumpfte, also dachte ich mir: Jetzt musst du alles geben“, erzählte de Vries, die schließlich auf der Zielgeraden ihre ganze Erfahrung ausspielte. “Ich habe Lauren nach vorn gezwungen, dann setzte sie zum Sprint an; ich bin dabei geduldig geblieben und bin wirklich stolz darauf, wie ich das gelöst habe.“

“Ich denke, ich habe meinen Sprint zu früh eröffnet, weil ich mir wegen der Rampe nicht sicher war und wollte das Momentum nutzen. Aber letztlich ist es gut“, sagte hingegen Dickson im Ziel-Interview zum Finale.

Im Gesamtklasement führt de Vries mit vier Sekunden Vorsprung auf Dickson, Kerbaol hat auf Rang drei bereits 35 Sekunden Rückstand, Titelverteidigerin Reusser liegt wie Le Court, van Dam, Häberlin, Longo Borghini und Niewiadoma 48 Sekunden hinter der ersten Trägerin des Gelben Trikots. Bauernfeind (+1:29) folgt auf dem 16. Platz. De Vries steht auch an der Spitze der Punkte- und der Bergwertung, Kerbaol ist beste Nachwuchsfahrerin.

So lief die 1. Etappe der Tour de Suisse Women:

Bei hochsommerlichen Temperaturen vereitelte das Feld in der ersten Rennhälfte, die über flaches Terrain führte, sämtliche Attacken. Bereits am ersten der drei kategorisierten Anstiege des Tages nach Buglio in Monte zeigten sich die Favoritinnen um Reusser in vorderster Reihe. An der 2,8 Kilometer langen und zehn Prozent steilen Steigung dünnte das Feld aus, wobei auch Franziska Koch (FDJ United – Suez) zurückfiel.

Die Deutsche Meisterin schaffte aber nicht nur wieder den Anschluss, sondern attackierte am Ende der Abfahrt – wenn auch erfolglos. Kurz darauf ging Karlijn Swinkels (UAE – ADQ) in die Offensive und sicherte sich den ersten Zwischensprint und damit drei Bonussekunden vor der Friedrichshafenerin Liane Lippert (Movistar), einen Kilometer später holte sich Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM) am zweiten ebenfalls drei Sekunden, auch diesmal sammelte Lippert zwei Sekunden ein.

Koch und Lippert waren in der sich aus dieser Situation heraus bildenden zwölfköpfigen Spitzengruppe dabei, die sich im darauf folgenden längsten Anstieg des Tages nach Triangia (2.Kat.) einen Vorsprung von rund eineinhalb Minuten auf das Feld herausfahren konnte.

Das Streckenprofil der 1. Etappe der Tour de Suisse Women | Foto: Veranstalter

Obwohl mit Lippert eine Mannschaftsgefährtin an der Spitze mitmischte, übernahm Movistar für Reusser im Feld die Tempoarbeit. In der Gruppe der Ausreißerinnen erhöhte Urska Zigart (AG Insurance – Soudal) den Druck und setzte sich knapp 30 Kilometer vor dem Ziel gemeinsam mit de Vries und Kochs britischer Teamkollegin Dickson ab.

Am Gipfel, wo sich de Vries den Bergpreis und damit zehn Punkte holte, betrug der Vorsprung des Trios auf die nächste Gruppe um Lippert und Swinkels rund 40 Sekunden, eine weitere Minute dahinter folgte die Gruppe um Reusser, in die mittlerweile Koch zurückgefallen war.

In der Abfahrt verlor Zigart den Anschluss an de Vries und Dickson, während das Feld zunächst die Lippert-Gruppe und dann auch Zigart einfing und die Jagd auf das Spitzenduo eröffnete. Dafür verantwortlich zeigten vor allem Movistar und UAE. An der einen Kilometer langen und gut zwölf Prozent steilen Rampe nach Bordighi (3. Kat.) holte sich vier Kilometer vor dem Ziel erneut de Vries die maximale Punktzahl, im Feld wurde Reusser durch eine Attacke von Niewiadoma distanziert. Die Polnische Meisterin löste sich kurz vor der Kuppe von den letzten ihren Begleiterinnen, die in der Abfahrt, angeführt von Reusser, aber wieder herankamen.

Vorn hatte Dickson sichtlich Mühe, dem Tempo von de Vries zu folgen. Am Schlusskilometer hatten die Ausreißerinnen 40 Sekunden Vorsprung, ehe sich de Vries im Sprintduell auf leicht ansteigender Zielgerade durchsetzte. Kerbaol, die sich kurz zuvor noch aus der Gruppe der Favoritinnen gelöst hatte, sicherte sich Rang drei und vier Bonussekunden. Wenige Sekunden dahinter entschied Le Court den Sprint der nächsten Verfolgerinnen für sich.

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