RSNplusEschborn-Frankfurt: Aus Fehler von 2023 gelernt

Mit Scooter startete Zimmermann in seinen Traumtag

Von Joachim Logisch aus Frankfurt

Foto zu dem Text "Mit Scooter startete Zimmermann in seinen Traumtag"
Das Podium des 63. Eschborn-Frankfurt, v.l.: Tom Pidcock, Georg Zimmermann, Ben Tulett | Foto: Cor Vos

01.05.2026  |  (rsn) - Der 1. Mai 2026 begann für Georg Zimmermann wie ein Traum und er endete für den Profi vom Team Lotto - Intermarché auf Wolke sieben. Wie nicht von dieser Welt strahlte er, selig lächelnd und immer wieder die Hände vors Gesicht nehmend, hinter dem Podium, als er auf seine Siegerehrung wartete. Zimmermann konnte es noch nicht wirklich fassen, dass er bei seinem Triumph beim 63. Eschborn-Frankfurt (1.UWT) den Top-Favoriten Tom Pidcock (Pinarello - Q36) auf den zweiten Platz verweisen konnte.

"Heute morgen wurde ich von meiner Lieblingsmusik geweckt, die von draußen kam. Unser Hotel lag direkt im Zielbereich des Jedermann-Rennens. Die spielten alles von Scooter rauf und runter“, verriet der 28-Jährige in der Sieger-Pressekonferenz. Und zählte gleich die Titel auf: "Riot, How Much Is the Fish, Big in a Benz .... Das war ein guter Start in den Tag.“ ___STEADY_PAYWALL___

Auch im Rennen lief es von Beginn an wie gewünscht. "Zuerst wollten wir Jonas (Rutsch) in der Spitzengruppe haben – dann war Jonas in der Spitzengruppe. Dann ging es darum, am neuen steilen Stich (in der Burgstraße) in Position zu sein, da hat das Team gute Arbeit gemacht“, schilderte Zimmermann den Beginn seines Arbeitstages "Jede Kleinigkeit, die wir im Bus besprochen hatten, ist genauso eingetreten. Und dann am letzten Mammolshainer, in der Zwölfer-Gruppe, zwei Leute drin zu haben – das war für uns eine sehr komfortable Situation.“

Georg Zimmermann (Lotto – Intermarché) bejubelt seinen Sieg bei Eschborn-Frankfurt. | Foto: Cor Vos

Allerdings wäre es bei der dritten und letzten Mammolshainer-Überquerung fast noch eng geworden. "Unten war ich gut positioniert, aber dann wurde ich gleich am Eingang attackiert, war in der Mitte des Feldes – eingebaut, obwohl ich eigentlich vorne war. Ich wurde von rechts und links überrumpelt, und auf einmal war ich im steilen Abschnitt, als wir rechts abgebogen sind, doch wieder ziemlich weit hinten. Nach dem Steilstück öffnete sich eine Lücke, wo ich selbst noch einmal zuspringen musste – das hat wirklich viel Kraft gekostet“, schilderte er die kritische Situation, die damit aber immer noch nicht bereinigt war.

"Über die Bergwertung, auf den letzten 200 Metern, war ich gerade noch so dabei. Oben an der Bergwertung waren dann Felix (Engelhardt), Florian (Stork) und ich ein, zwei Sekunden abgehängt. Florian und ich schauten uns an – Felix wäre der Einzige gewesen, der noch genug in den Beinen gehabt hätte, um die Lücke zuzuschließen. Aber dann wirft er die Kette runter. Da standen wir erstmal ein bisschen dumm da, weil ausgerechnet derjenige, der noch frisch war, keine Kette mehr hatte. Wir mussten uns neu organisieren, aber irgendwie haben wir das dann doch noch zugewuchtet", berichtete Zimmermann weiter.

Auch der Sportliche Leiter Fabian Wegmann freute sich im Ziel mit dem Deutschen Meister. | Foto: Cor Vos

Von da an begann er sich zu überlegen, wie er den so perfekt gestarteten Tag zu einem guten Ende bringen könnte. Zimmermann: "Eigentlich war das Finale eine Kopie von 2023. Damals war ich auch mit fünf, sechs, sieben, acht Leuten vorne und hatten ebenfalls wenig Vorsprung. Damals habe ich mich dafür entschieden, eineinhalb Kilometer vor Ziel bei der Baustelle nochmal loszufahren – dann hat Marc Hirschi die Lücke geschlossen, und ich hatte keine Kraft mehr im Sprint“, erinnerte er sich an seinen damaligen siebten Platz.

Diesen Fehler wollte er nicht noch einmal machen. "Heute war die Attacke auch halb dem geschuldet, dass das Feld von hinten näher kam und ich befürchtete, geschluckt zu werden. Aber ich habe mir gesagt: Wenn das Feld kommt, dann soll es so gewesen sein. Ich will jetzt wirklich einmal probieren, ein Weltklasse-Rennen zu gewinnen. Und wenn man so großartige Fahrer wie Tom Pidcock schlagen möchte, muss man vielleicht auch ein Funken Risiko eingehen, dass das Feld noch kommt. Von daher habe ich die letzten zwei, drei Kilometer keine großen Extratouren mehr unternommen", sagte Zimmermann, der sich deshalb ans  Ende der Fluchtgruppe setzte. 

Zimmermann mit der Siegertrophäe des 1. Mai-Klassikers | Foto: Cor Vos

Mehrmals zurückblickend konnte er sehen, wie die Verfolger auf dem Schlusskilometer immer näher kamen. Doch mit der Erfahrung von 2023 blieb er cool und abgezockt. "Ich habe mir den Plan zurechtgelegt, mit dem Rückenwind auf der Zielgeraden von hinten mit Schwung einen langen Sprint zu fahren. Und genau das habe ich gemacht."

Auch das funktionierte! Und als es um den Sieg ging, half ihm auch das Quäntchen Glück! "Als ich los sprintete, kam plötzlich einer rechts rüber. Wenn der Move eine Sekunde früher gestartet wäre, hätte ich vielleicht noch einmal den Anker auswerfen müssen, und der Sieg wäre nicht möglich gewesen“, erzählte er, wie er gerade noch so an Pello Bilbao (Bahrain Victorious) vorbeikam, der gerade ausscherte.

So war der Weg zum "größten und schönsten Erfolg“ seiner Karriere frei und Zimmermann konnte am Schluss zufrieden strahlend zusammenfassen: "Es ist besonders schön, wenn alles auf einmal passt – aber ich hatte mir das wirklich so vorgenommen. Deswegen ist es besonders großartig, wenn so etwas dann auch aufgeht.“

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