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16.05.2026 | (rsn) – Red Bull – Bora hansgrohe hat diese Saison Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) öfters schon den Weg zum Sieg geebnet, ohne selbst einen ernsthaften Versuch zu starten, den Dänen zu schlagen.Erinnert sei an an den Parforceritt der Bullen auf der 4. Etappe von Paris-Nizza (2.UWT). Aber auch die 3. Etappe der Katalonien-Rundfahrt (2.UWT), als Remco Evenepoel mit Vingegaard am Hinterrad aufs Ziel zufuhr, bevor er kurz davor stürzte.
Oder das Teilstück drei Tage danach, als der Belgier das Favoritenquintett mit seinem Teamkollegen Florian Lipowitz und dem Visma-Kapitän im Flachen auf beeindruckende Weise zum Schlussanstieg führte, um den in der Abfahrt abgehängten Felix Gall (Decathlon – CMA CGA) die Chance auf den Anschluss zu verwehren. Das Ergebnis war jedes Mal klar: Am Ende würde ein anderer hauptsächlich von der Red-Bull-Arbeit profitieren: Vingegaard. ___STEADY_PAYWALL___
Auch im Schlussanstieg zum Blockhaus auf der 7. Etappe des Giro d’Italia erschienen die Raublinger plötzlich an der Spitze des Feldes und schraubten durch Ben Zwiehoff und Giovanni Aleotti das Tempo in die Höhe. Dahinter wartete Visma – Lease a Bike, das den gleichen Plan hatte, dank der Konkurrenz aber noch Kräfte sparen konnte. Doch während die Red-Bull-Fahrer im Verlauf der Saison beim ersten Angriff des zweifachen Toursiegers abgehängt wurden, gab sich Giulio Pellizzari nicht so schnell geschlagen.
Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) versuchte auf der 7. Giro-Etappe als einziger der Attacke von Jonas Vingegaard zu folgen. | Foto: Cor Vos
Der Italiener blieb als einziger an Vingegaard dran – und bezahlte knapp zwei Kilometer später den Preis dafür. “Ich wusste, dass Vingegaard einen starken Angriff in den Beinen hat. Ich probierte ihm zu folgen, aber ich habe überzogen und dann war es für mich gelaufen“, blickte der Italiener gegenüber CyclingPro.net auf die Szene zurück. Letztendlich wurde er von Gall überflügelt und verlor er mit seinem Teamkollegen Jai Hindley und dessen Landsmann Ben O’Connor (Jayco – AlUla) etwas mehr als eine Minute auf Vingegaard.
“Ich bereue ein bisschen, dass ich alles weggeworfen habe, um Vingegaard zu folgen“, übte Pellizzari sich in Selbstkritik. Doch als Zuschauer muss man dankbar sein, dass ein Fahrer sich der Überlegenheit Vingegaards nicht direkt ergeben hat. Gerade als junger Athlet, Pellizzari ist 22 Jahre alt, darf man seine persönlichen Grenzen ausloten und dabei auch mal gegen eine Wand fahren, statt im Moment des Angriffs den Kopf runter zu nehmen, um den Wattmesser genau im Auge zu behalten.
Pellizzari war nach dem Rennen, das er auf Rang vier beendete, einigermaßen niedergeschlagen. “Tja. Wir müssen weiterfahren. Ich habe es eigentlich schon ein wenig kommen sehen“, meinte er. Kommen sehen haben es alle – von den Fahrern über die Medien bis zu den Zuschauern. Wirklich gewehrt - die Anstrengungen Galls und der anderen sollen nicht abgewertet werden, denn taktisch das wohl die bessere Wahl - hat sich nur einer.
Und wenn eine Mannschaft schon Helfer einsetzt, sollte am Ende auch wenigstens einer der Kapitäne probieren, etwas daraus zu machen. Wirklich verloren hat der Youngster außerdem nicht, denn der Sieg schien unter normalen Umständen fast unmöglich und das realistischerweise angestrebte Giro-Podium ist weiterhin in Reichweite.