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16.05.2026 | (rsn) - Die Materialoptimierung für das Profipeloton folgt einem Grundprinzip der Physik: der Suche nach dem geringsten Widerstand. Ziemlich viel, oder eben wenig, ist bei den Reifen zu holen. Trotz aller technischen Veränderungen der letzten Jahre im Bereich Schaltung und Aerodynamik sind die Reifen vielleicht die wichtigste Entwicklung.
Früher, sprich vor etwa erst zehn Jahren, fuhr der Großteil des Feldes noch auf 23 mm breiten und 8 Bar harten Reifen. Heute sind viele Fahrer nur noch mit der Hälfte des Drucks und deutlich voluminöser unterwegs. Teil der Entwicklung war natürlich auch der Umstieg von Tubular- auf Tubeless-Reifen. Unabhängig von Druck und Volumen rollen moderne Reifen aber generell schneller und sparen bis zu zweistellige Wattzahlen.
Um jedoch wirklich alles herauszukitzeln, sind manche Teams, wie etwa UAE - Emirates - XRG, auf Zeitfahrreifen unterwegs.. Geraint Thomas, Sportdirektor bei Netcompany – Ineos und Luke Rowe, Sportlicher Leiter bei Decathlon - CMA CGA, wiesen in ihrem Podcast Watts Occuring richtigerweise darauf hin, dass UAE - Emirates - XRG auch auf der von Stürzen geprägte 2.Giro-Etappe die TT-Reifen nutzte. Nachdem dort zuerst ein UAE Fahrer zu Boden gegangen war, zog Rowe daraus den Schluss, dass die Reifenwahl zum Sturz geführt haben könnte. Ganz so einfach ist es aber nicht.
Grundsätzlich gibt Continental bei allen Reifen die gleiche, für den Grip verantwortliche Gummimischung Black Chilli an. Im "Wet Grip Test" der Plattform Bicycle Rolling Resistance kommt besagter GP 5000 TT TR auf eine Punktzahl von 66. Der schnellste Reifen des Herstellers der Archetype, kommt dabei auf 70 Punkte, während der normale Straßenreifen S TR in 30 mm Breite bei 67 Punkten liegt. Die Unterschiede sind also nicht signifikant.
Den Sturz allein auf die Reifen zurückzuführen, ist mit diesen Daten schwer zu belegen. Schlüssiger ist dabei Max Walscheids Erklärung, der auch in den Crash verwickelt war und in seinem Podcast Radio RTW das Szenario recht genau schilderte. Marc Soler fing in der nassen, sehr schmierigen Kurve an zu treten. Dabei rutschte ihm das Hinterrad weg und es kam zum Sturz. Demnach wäre also nicht die falsche Gummimischung, sondern, zumindest in Walscheids Darstellung, klar ein Fahrfehler des Spaniers die Ursache für den Sturz gewesen sein.
Was dabei hingegen wirklich auffiel, war das nach dem Sturz an die Leitplane gelehnte Scott Foil . Beim Rad eines NSN-Cycling-Fahrers hatte sich im Sturz der Reifen von der hakenlosen ZIPP-Felge gelöst.
Ein Vorfall, der zur aktuellen Diskussion über die Sicherheit von Hookless-Felgen passt. Da hier die mechanischen Felgenhörner fehlen, hält der Reifen nur durch Passgenauigkeit und Luftdruck. Bei harten Schlägen oder Stürzen im flachen Winkel kann er schlagartig von der Felge springen, was schwerwiegende Folgen haben kann. Zumindest in diesem Fall dürfte das aber nicht der Grund des Sturzes gewesen sein, ebenso wenig wie die Zeitfahrreifen von Marc Soler.