“Das war nicht mein Plan in diesem Zeitfahren“

Eulalios Fahrt auf der Rosa Wolke geht weiter

Von Matthias Seng

Foto zu dem Text "Eulalios Fahrt auf der Rosa Wolke geht weiter"
Auch nach dem Giro-Zeitfahren noch in Rosa: Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) | Foto: Cor Vos

20.05.2026  |  (rsn) - Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) hat die 11. Etappe des 109. Giro d’Italia am Mittag im Rosa Trikot in Angriff genommen. Nicht viele hätten dem Portugiesen zugetraut, dass er auch nach dem gestrigen Zeitfahren noch die Gesamtwertung anführen würde. Doch Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) erwischte auf den 42 Kilometern von Viareggio nach Massa nicht seinen besten Tag und konnte auf dem brettebenen Rollerkurs seine Fähigkeiten nicht ausspielen.

Dieses topografisch anspruchslose Terrain lag dem 24-jährige Eulalio zwar ebenfalls nicht, wie die fast fünf Minuten Rückstand auf Etappensieger Filippo Ganna  (Netcompany – Ineos) verdeutlichten. Doch als er im Finale aus dem Begleitfahrzeug heraus die Nachricht erhielt, dass es zwischen ihm und den Dänen eng zugehen würde, holte der Mann im Rosa Trikot bis zur Ziellinie alles aus sich heraus.

“Im Finale haben sie mir dann etwas von 30 Sekunden (Rückstand auf Vingegaard, d. Red.) gesagt und ich habe begonnen, es zu glauben. Ich bin All-in gegangen, wie auch schon die 40 Kilometer zuvor“, erzählte Eulalio im Eurosport-Interview, nachdem er einen Vorsprung von immerhin 27 Sekunden gegenüber Vingegaard ins Ziel gerettet hatte. “Das war nicht mein Plan in diesem Zeitfahren“, wirkte er danach überrascht von dem, was er gerade geleistet hatte. “Ich mag Radfahren auch nach so einem harten Tag immer noch sehr (lacht). Ich leide, leide und leide, aber am Ende komme ich ins Ziel und behalte das Rosa Trikot. Das ist unglaublich“, kommentierte er die Verteidigung des Maglia Rosa.

Während Eulalio erst auf den letzten Kilometern daran glaubte, war man im Bahrain-Begleitfahrzeug schon früher im Rennen etwas optimistischer. “Wir hatten erwartet, dass wir heute 2:20 Minuten auf Jonas verlieren. Aber schon nach der ersten Zwischenzeit (nach 17 Kilometern, d. Red.) haben wir gemerkt, dass der Verlust kleiner ist. Und dann ist bei uns im Auto die Hoffnung gewachsen.“, erklärte der Sportliche Leiter Aart Vierhouten gegenüber Eurosport.

Am Ende waren es statt der erwarteten 2:20 nur 1:56 Minuten, die sein Kapitän langsamer war als der zweimalige Tour-de-France-Gewinner. So wird Eulalio das Rosa Trikot mindestens noch einen weiteren Tag tragen dürfen – und so geht auch Bahrain Victorious die ganze Angelegenheit weiter an, wie Vierhouten betonte: “Wir leben von Etappe zu Etappe und befinden uns dabei auf einer Rosa Wolke“, sagte der Belgier, der aber andeutete, dass sein Team durchaus auch langfristiger plane.

 “Wir hatten schon gesagt, dass diese Woche zwei ganz wichtige Tage kommen werden. Heute war der eine, Samstag kommt der nächste. Die anderen Tage kann er mit dem Team in seiner Nähe ein wenig Energie sparen", sagte er.

Gut möglich, also dass die Reise des Afonso Eulalio im Rosa Trikot noch bis zum Wochenende anhält. An den nächsten Tagen nämlich geht es über eher mittelschweres Terrain, so dass es der Konkurrenz schwer fallen dürfte, den Gesamtführenden abzuschütteln. Erst auf der 14. Etappe zur Bergankunft in Pila wird dann die Stunde der Wahrheit schlagen. Bis dahin aber gilt, was Eulalio im gestrigen Ziel sagte: “Ich werde in den nächsten Tagen versuchen weiterzukämpfen für das Trikot.“

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