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18.05.2026 | (rsn) - Nein, ein richtiger Star ist Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) noch nicht, trotz des Rosa Trikots, das er seit der 5. Etappe trägt und das er auch am Anstieg zum Blockhaus und zur Bergankunft in Corno alle Scale tapfer verteidigte. Zur Pressekonferenz des portugiesischen Gesamtführenden am Ruhetag kam jedenfalls außer RSN nur noch die Gazzetta dello Sport. Viele Stühle im Außenbereich des Hotels Acapulco im Badeort Forte die Marmi blieben daher leer. Die geringe Aufmerksamkeit kann man aber auch darauf zurückführen, dass das Potential des jungen Mannes in der Branche noch nicht so recht erkannt ist.
Ein wenig Nachhilfe. Eulalio verblüffte bereits im letzten Jahr beim Giro d’Italia. Da holte er sich den Bergpreis am Mortirolo. "Ja, das war ein schöner Erfolg. Ich hätte damals aber auch gern die Etappe aus der Fluchtgruppe gewonnen", erinnerte er sich auf Nachfrage von RSN. Damals war er in einer Gruppe unter anderem mit Romain Bardet unterwegs. Am Ende holte sich Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) den Sieg, Bardet wurde als Bester der Fluchtgruppe Tageszweiter. Eulalio kam als der Zweitstärkste der Fluchtgruppe auf Rang 10. ___STEADY_PAYWALL___
Bei der Hitze- und Virusschlacht des WM-Straßenrennens in Ruanda wurde er 9., auch das war eine starke und sehr respektable Leistung. “Ich liebe es, wenn es schwer ist, wenn die Bedingungen hart sind, Hitze oder Kälte dazukommen. Ich leide zwar auch, aber ich mag es“, sagte er. Die 5. Etappe des Giro, bei der er das Maglia Rosa holte, fiel wegen der Regen- und Hagelschauer, der Kälte und der Stürze auf dem glatten Straße ebenfalls in die Kategorie superhart. Und damit wie gemacht für Eulalio. "Ich habe noch nicht die Erfahrung der anderen Fahrer. Die wissen, wie man effektiv fährt, wenn es nicht so hart ist. Aber wenn es hart ist, brauchst du einfach die Beine. Dein Körper muss funktionieren. Und deshalb mag ich das", fasste er seine Vorliebe für Entbehrungen zusammen.
Kälte, Nässe, Leiden: Afonso Eulalio eroberte auf der harten 5. Etappe das Rosa Trikot.
Begonnen hat er seine Karriere im Radsport übrigens auf dem Mountainbike. "Ich wohne etwas außerhalb der Stadt Figueira da Foz. Da gibt es viel gutes Gelände für Mountainbike. Ein paar Freunde machten das nach der Schule, und ich kam einfach mit. Irgendwann sagten sie, komm, lass uns Rennen fahren. Und so machten wir ein Rennen nach dem anderen", beschrieb er seine Anfänge. Die Straßenkarriere begann ähnlich simpel. "Es war das Jahr vor Covid. Ein paar Freunde sagten, dass ich auch mal das Straßenrad probieren sollte. Also machte ich das", sagte er. Und er machte es gut, holte Top-10-Platzierungen bei nationalen Rennen und wurde auch schon mal bester Jungprofi.
2024 trug er längere Zeit das Führungstrikot bei der Portugalrundfahrt, wurde auch zwei Mal Tageszweiter. Schnell nahm ihn Alex Carrera, der Agent von Tadej Pogacar, unter Vertrag. Und bei Bahrain Victorious, für die er seit der vergangenen Saison fährt, entfaltet sich sein Talent immer weiter. "Er kennt noch nicht einmal selbst seine Leistungsgrenzen, und wir wissen das auch nicht", sagte ein Mitarbeiter des Rennstalls RSN.
Was Eulalio weiß, ist, dass er außer Leiden auch die langen Berge ziemlich mag. Im Zeitfahren allerdings schätzte er sich selbst auf einer Skala von null bis zehn "bei etwa zwei bis drei" ein. Vor allem mit dem morgigen Zeitfahren der 10. Etappe verbindet er nicht viel Vorfreude: "Es gibt ja solche und solche Zeitfahren. Manche sind technisch anspruchsvoll, andere haben Berge. Das hier aber ist superflach, so gut wie keine Kurven, die ganze Zeit Vollgas – es ist die schlimmste Kombination für dünne Jungs wie mich."
Bei beiden Bergankünften des Giro überzeugte Eulalio im Maglia Rosa
Kampflos ergeben will er sich aber nicht. "Als ich zum Giro gekommen bin, kam ich ja als Helfer. Ich dachte, meine Tage werden in den Bergen kommen und das Zeitfahren wäre ein zweiter Ruhetag gewesen. Jetzt haben sich die Dinge aber ein wenig geändert und ich werde kämpfen, um das Trikot zu verteidigen", kündigte er an. Die Chancen, Vingegaard standzuhalten, schätzte er aber selbst als ziemlich gering ein.
Festsetzen in den vorderen Bereichen des Klassements will er sich aber doch. Und auf die Berge am Ende freut er sich weiter. Dass er auch in der dritten Woche gut performen kann, zeigte er letztes Jahr bei seinem Ritt zum Mortirolo. Den einen oder anderen Bergpreis will er sich holen. Ob ihn die Konkurrenz in diesem Jahr aber so gern in eine Fluchtgruppe kommen lässt, ist fraglich. In Kennerkreisen hat sich dann doch herumgesprochen, wozu dieser 24-jährige Ex-Mountainbiker fähig ist.
In Portugal ist er bereits ein kleiner Star. Der Präsident des Landes rief an, Eulalio nahm aber nicht ab, weil er die Nummer nicht kannte. "Ich bekam dann später eine Nachricht von ihm", erklärte er den Zusammenhang. Sein großes Radsportidol Rui Costa hat ihn bereits angerufen, was Eulalio freute. Costas WM-Sieg 2013 brachte ihn schließlich auch aufs Rad. Ein weiteres Idol des Giro-Gesamtführenden ist natürlich Cristiano Ronaldo. Wenn er weiter so fährt, gibt es sicher auch von dem irgendwann eine Nachricht.
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