Eulalio verteidigt Rosa vor Vingegaard

Ganna rast zum siebten Giro-Zeitfahrsieg, Walscheid Sechster

Von Marc zeiringer und Matthias Seng

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Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) hat das einzige Zeitfahren des 109. Giro d’Italia für sich entschieden. | Foto: Cor Vos

19.05.2026  |  (rsn) – Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) hat mit einer überragenden Leistung das einzige Zeitfahren des 109. Giro d’Italia (2.UWT) für sich entschieden. Der 29-jährige Italiener gab auf der 10. Etappe über flache 42 Kilometer von Viareggio nach Massa mit einem Stundenmittel von 54,9 Kilometern der Konkurrenz das Nachsehen und setzte sich in der Zeit von 45:53 Minuten mit 1:54 Minuten Vorsprung auf seinen niederländischen Teamkollegen durch.

Dritter wurde mit 1:59 Minuten Rückstand der Franzose Rémi Cavagna (Groupama – FDJ) vor dem Niederländer Sjoerd Bax (Pinarello – Q36.5 / +2:04) und dem Kanadier Derek Gee-West (Lidl – Trek / +2:17). Der früh gestartete Max Walscheid (Lidl – Trek / +2:17) landete nach einem starken Auftritt auf dem sechsten Platz und war damit bester deutscher Fahrer.

“So ein langes Zeitfahren mag ich sehr. Ich freue mich endlich ein Zeitfahren bekommen zu haben, das mir liegt – ohne Berg", kommentierte der 29-jährige Ganna seinen achten Giro-Tagessieg, sieben davon im Zeitfahren errungen. 

Der zweimalige Zeitfahrweltmeister freute sich auch über die Vorstellung seines Teamkollegen Arensman, der – wenn auch mit deutlichem Rückstand auf Ganna – der beste der Gesamtwertungsfavoriten war. “Wir haben diesen Winter einenf antastischen Job gemacht, auch mit den Klassementfahrern wie Thymen. Er wird heute Zweiter. Es war ein toller Teamjob und ein schöner Sieg für uns. Wir hoffen, dass heute Nacht ein wenig genießen zu können. Dann konzentrieren wir uns aber wieder auf die letzten 14 Tage“, kündigte Ganna an. 

Dabei hat er selber nun auch einen weiteren Sieg im Visier. “Ich bin wegen dieses großen Zieles (Zeitfahren, d.Red.) bisher konservativ gefahren. Jetzt werde ich versuchen, einen weiteren Etappensieg in einem Massenstartrennen zu erzielen. Warum also nicht am Freitag (bei seinem Heimspiel, d.Red.)? Aber am besten für mich ist natürlich eine Etappe mit weniger als 4.000 Höhenmetern“, fügte er an.

Vingegaard ist trotz “fürchterlichem Zeitfahren“ zufrieden

Zu den Verlierern des Tages gehörte Jonas Vingegaard (Visma - Lease a Bike), der genau drei Minuten hinter Ganna nur auf dem 13. Platz landete und der damit auch das Rosa Trikot verpasste. “Ich denke ich kann sehr zufrieden sehr. Es war ein fürchterliches, ein ganz fürchterliches Zeitfahren. 40 Kilometer flach; 20 von ihnen ohne jegliche Kurve. Ich denke, jeder der heute voll gefahren ist, wird morgen oder sogar schon jetzt Muskelkater im Gesäßmuskel haben. Das ist zumindest, was ich habe“, kommentierte Vingegaard gegenüber Eurosport das Ergebnis, das er gleich in das größere Ganze einordnete. 

“Der Giro verläuft bisher nach Plan. Ich habe schon zwei Etappensiege. Ich bin sehr glücklich. Ich hätte das Rosa Trikot jetzt natürlich gern gehabt, aber ich hoffe auf die nächsten Tage. Wir befinden uns in einer guten Position“, betonte er.

So behauptete Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) überraschend sein Rosa Trikot vor Vingegaard, der als Gesamtzweiter 27 Sekunden Rückstand auf den Portugiesen hat. Arensman (+1:57) rückte vom sechsten Platz auf Rang drei vor und verdrängte den Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM / +2:24) auf den vierten Platz. Der Kletterspezialist kam auf dem flachen Parcours erwartungsgemäß nicht zurecht und belegte Etappenplatz 33.

Gall und Red-Bull-Doppelspitze büßen Boden sein

Auf den nächsten Positionen der Gesamtwertung folgen die beiden Australier Ben O’Connor (Jayco – AlUla / +2:48) und Jai Hindley (Red Bull – Bora – hansgrohe / +3:06). Für dessen Team endete der Tag ernüchternd, denn auch Co-Kapitän Giulio Pellizzari (+3:18) war nur wenige Sekunden schneller als Hindley (+3:31), der im Klassement zwei Positionen einbüßte, wogegen der 22-jährige Italiener Platz neun (+3:36) behauptete. Auf Rang acht rückte Lidl-Trek-Kapitän Derek Gee-West (+3:34) vor.

Keine Veränderungen gab es in den Sonderwertungen. Der Franzose Paul Magnier (Soudal – Quick) bleibt an der Spitze der Punktewertung, Vingegaard trägt auch morgen das Blaue Trikot des besten Kletterers, Eulalio ist weiter im Besitz des Weißen Trikots des besten Nachwuchsfahrers, Visma – Lease a Bike ist auch nach dem Zeitfahren bestes Team dieses Giro.

So lief die 10. Etappe des Giro d’Italia:

Noch 167 Profis nahmen nach dem zweiten Ruhetag das einzige Einzelzeitfahren dieses Giro in Angriff, bei dem auch fast komplett flacher Strecke 42 Kilometer zu bewältigen waren. Zwischenzeiten wurden nach 17, 28,7 und 38,3 Kilometern genommen.

Der als vierter Fahrer gestartete Walscheid setzte mit 48:10 Minuten eine erste beste Marke, die rund eine halbe Stunde später von Bax um 13 Sekunden unterboten wurde. Auch danach dauerte es eine halbe Stunde bis zum nächsten Führungswechsel, als Top-Favorit Ganna an allen drei Zwischenmesspunkten Bestzeit erzielte und auf dem Weg zum Ziel mehrere vor ihm gestartete Konkurrenten einholte.

Das erreicht er nach einer Fahrzeit von 45:53 Minuten, womit er 2:04 Minuten schneller als Bax war. Cavagna schob sich zwischenzeitlich auf Rang zwei, 1:59 Minuten hinter Ganna.

Das Streckenprofil der 10. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter

Der auf Platz 14 der Gesamtwertung liegende Gee-West (Lidl – Trek) zeigte ein gutes Zeitfahren und verbesserte sich im Laufe der 42 Kilometer stetig. Am Ende fehlten auf Ganna lediglich 2:16 Minuten. Damit war er eine Sekunde schneller als Walscheid. Mittlerweile waren bereits alle Klassementfahrer auf der Strecke. Vor allem Connor und Arensman sorgten mit starken Zwischenzeiten für Aufmerksamkeit. Wie erwartet konnte aber der Gesamtdritte Gall hier nicht mithalten und büßte viel Zeit ein. Am Ende waren es 4:22 Minuten auf Ganna und auch 1:22 Minuten gegenüber Vingegaard. Gegenüber Eulalio macht der Osttiroler 35 Sekunden gut, was im Tagesklassement Platz 33 bedeutete.

Arensman dagegen kristallisierte sich als stärkster Klassementfahrer in diesem Zeitfahren heraus. Als der Niederländer mit nur 1:54 Rückstand die Ziellinie als Tageszweiter überquerte, verdrängte er O’Connor, der kurz zuvor sein Rennen mit 2:42 Minuten Rückstand beendet hatte, aus den Top Ten des Tages. Der Australier hatte im letzten Streckenteil mehr Zeit als andere verloren. Die Zwischenzeiten der anderen Klassementfahrer deuteten im schon darauf hin, dass am Ende ein Doppelsieg für Netcompany - Ineos stehen würde.

Am Ende fehlen Vingegaard 27 Sekunden zum Rosa Trikot

Vingegaard erwischte nicht seinen besten Tag auf dem Rad und lag an der zweiten Zwischenzeit bereits 45 Sekunden hinter Arensman und im Ziel sogar 1:06 Minuten sowie genau drei Minuten hinter Ganna. Auch das Rosa Trikot verpasste der Giro-Top-Favorit, da Eulalio weniger Zeit einbüßte als erwartet.

Als Hindley und Gall die Ziellinie überquerten, konnte sich Arensman noch mehr freuen, denn er überholte die beiden in der Gesamtwertung und schob sich damit auf die dritte Position. Vingegaard hingegen, im Ziel nur auf Platz 13 geführt, blieb auf Gesamtrang zwei, am Ende fehlten 27 Sekunden auf Eulalio, der damit zumindest einen weiteren Tag im Rosa Trikot bleibt.

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