Teamkollege Eulalio baut Gesamtführung aus

Nach Zeitfahr-Enttäuschung schlägt Segaert auf 12. Giro-Etappe zu

Von Marc Zeiringer und Matthias Seng

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Alec Segaert (Bahrain Victorious) hat die 12. Etappe des 109. Giro d’Italia gewonnen. | Foto: Cor Vos

21.05.2026  |  (rsn) – Alec Segaert (Bahrain Victorious) hat die 12. Etappe des 109. Giro d’Italia (2.UWT) gewonnen. Der 23-jährige Belgier setzte sich über 175 Kilometer von Imperia nach Novi Ligure nach einer Attacke eingangs der letzten drei Kilometer als Solist durch und feierte den bisher größten Erfolg seiner Laufbahn.

Drei Sekunden hinter Segaert entschied sein Landsmann Toon Aerts (Lotto Intermarché) den Sprint des um die meisten Sprinter reduzierten Feldes vor dem Argentinier Thomas Silva (XDS – Astana) für sich. Vierter wurde der Brite Ethan Vernon (NSN), Rang fünf belegte der Belgier Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step). Florian Stork (Tudor) kam als bester deutscher Fahrer zeitgleich auf dem 17. Platz ins Ziel.

“Es ist fantastisch! Es ist mein erster Giro. Ich bin in den Nachwuchskategorien oft in Italien gefahren. Jetzt gewinne ich hier auf dem größten Podium – und der Giro läuft sowieso schon super für unser Team wegen des Maglia Rosa von Afonso (Eulalio)“, kommentierte ein strahlender Segaert im Ziel-Interview seinen ersten Sieg bei einer Grand Tour.

“Gewinnen ist das Beste, was es gibt. Nach der Zeitfahr-Enttäuschung war das die richtige Art und Weise zurückzuschlagen“, sagte er mit Blick auf die 10. Etappe, auf der er beim Sieg von Filippo Ganna (Netcompany – Ineos) lediglich den 16. Platz belegt hatte. Umso besser machte es der ehemalige U23-Zeitfahreuropameister in Novi Ligure, wo er mit seiner Attacke in einer Rechtskurve alle Konkurrenten überraschte. “Ich wusste, dass das eine gute Stelle im Parcours ist“, sagte Segaert, der seinen bis dahin ersten Saisonsieg beim GP de Denain (1.Pro) auf ähnliche Art und Weise geholt hatte.

“Ich zittere, so besonders ist das heute. Wir wussten, dass es eine Chance für ihn geben wird. Es ist aber immer ein schmaler Grat, ob man es schafft oder nicht. Er hatte eine Chance, um zu attackieren in der Kurve drei Kilometer vor dem Ende, als das Feld etwas in die Länge gezogen war. Er hat es gemacht und es fantastisch umgesetzt. Dazu gibt es noch sechs Bonussekunden für Afonso (Eulalio). Wir können heute sehr zufrieden sein“, befand Segaerts Bruder und Coach Loic gegenüber Eurosport.

Der 24-jährige Eulalio behauptete nicht nur das Rosa Trikot des Gesamtführenden, sondern baute seinen Vorsprung auf den Dänen Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) auf 33 Sekunden aus, nachdem er den Bonussprint gewonnen hatte. 

Dritter bleibt der Niederländer Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) vor dem der Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) und dem Australier Ben O’Connor (Jayco – AlUla).  “Ich denke, dass wir ums Rosa Trikot kämpfen, gibt uns extra Motivation. Heute ist es perfekt gelaufen", sagte Eulalio gegenüber CyclingPro.Net.

Der Franzose Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) wurde zwar unterwegs abgehängt, verteidigte aber seine Führung in der Punktewertung. Vingegaard behauptete das Blaue Bergtrikot, Eulalio bleibt weiterhin auch im Besitz des Weißen Trikots des besten Nachwuchsfahrers. Red Bull - Bora - hansgrohe bleibt bestes Team dieser 109. Italien-Rundfahrt.

So lief die 12. Etappe des Giro d’Italia:

Nach rund 15 Kilometern lösten sich Jonas Geens (Alpecin – Premier Tech), Manuele Tarozzi (Bardiani – CSF – 7 Saber), Jardi van der Lee (EF Education – EasyPost), Juan Pedro Lopez (Movistar) und Mattia Bais (Polti – VisitMalta) aus dem Feld und bekamen rund zwei Minuten Vorsprung zugestanden.

Auf den nächsten 50 flachen Kilometern passierte nicht viel, das Rennen glich eher einer gemütlichen Sonntagsausfahrt, ehe dann einige Mannschaften 100 Kilometer vor dem Ende das Tempo erhöhten. Aus den Turbulenzen ging eine neue, diesmal sechsköpfige Spitzengruppe hervor, in der auch die bisherigen Ausreißer van der Lee, Tarozzi und Geens dabei waren. Dazu kamen die “Neuzugänge“ Jonas Rutsch (Lotto – Intermarché), Johan Jacobs (Alpecin – Premier Tech) und Fredrik Dversnes Lavik (Uno-X Mobility).

Mit einem Vorsprung von zwei Minuten fuhr die Spitzengruppe in den ersten Anstieg des Tages hinein. Am Colle Giovo (3. Kat.). schraubte Movistar das Tempo hoch, um die Gegner von Sprintkapitän Orluis Aular anzuhängen. Der Plan ging zunächst perfekt auf. Unter anderem Magnier, Jonathan Milan (Lidl – Trek), Tobias Lund (Decathlon – CMA CGM), Dylan Groenewegen (Unibet – Rose Rockets) und auch Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) wurden abgehängt. An der Bergwertung, die van der Lee als letzter übriggebliebener Fahrer der Spitzengruppe gewann, waren als Nebeneffekt der Tempoverschärfung die Ausreißer gestellt.

Das Streckenprofil der 12. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter

In der folgenden Abfahrt kamen Milan und Magnier wieder an das Peloton heran, doch am Weg zum Bric Berton (3. Kat) fiel zunächst Magnier und einen Kilometer vor dem Gipfel auch Milan wieder zurück. Als der Movistar-Zug, mittlerweile unterstützt von NSN, die Bergwertung erreichte, lagen die beiden Top-Sprinter eine Minute hinter dem Hauptfeld.

Auf den folgenden zehn hügeligen Kilometern und der anschließenden Abfahrt schloss sich auch EF Education – EasyPost der Tempoarbeit an. Der Vorsprung auf die Verfolgergruppe um Milan, Magnier und weitere Sprinter wie Casper Van Uden (Picnic – PostNL) wuchs so bis 30 Kilometer vor dem Ziel auf 1:20 Minuten an.

Danach ging dann aber die Schere auf und 20 Kilometer vor dem Ende war klar, dass die beiden Topsprinter nicht mehr um den Kampf um den Etappensieg würden eingreifen können. Am Bonussprint 14 Kilometer vor dem Ziel holte sich Eulalio sechs Bonussekunden vor O’Connor ab. Vingegaard dagegen beteiligte sich nicht am Sprint.

Segaerts clevere Attacke macht den Unterschied

7,5 Kilometer vor Schluss ritt Giulio Ciccone (Lidl – Trek) an einer letzten kurzen Rampe eine späte Attacke, der nur Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) folgen konnte. Die beiden wurden allerdings nach zwei Kilometern wieder gestellt. Das Feld war durch diese Tempoverschärfung weit in die Länge gezogen und die meisten der schnellen Männer befanden sich auf den hinteren Positionen.

Nun spannte sich Visma – Lease a Bike vor die Spitzengruppe, aus der heraus dann drei Kilometer vor dem Ziel wie aus dem Nichts Segaert in einer Rechtskurve außen an Victor Campenaerts vorbeijagte und schnell eine Lücke riss. Vingegaards Mannschaft sah keine Not, diese schnell zu schließen. Als andere Teams schließlich die Verantwortung übernahmen, war es zu spät: Segaert rettete einen kleinen Vorsprung ins Ziel, den Verfolgern blieb nur noch der Kampf um Platz zwei, den Aerts vor Silva für sich entschied.

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