Auf 12. Giro-Etappe fehlten Lidl “die Horsepower“

Eisel: “Da lief heute einiges für uns in die falsche Richtung“

Von Kevin Kempf

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Jonathan Milan (Lidl - Trek) vor dem Start der 12. Giro-Etappe | Foto: Cor Vos

21.05.2026  |  (rsn) – Jonathan Milan (Lidl - Trek) ging als Top-Favorit in die Sprintetappen des Giro d’Italia 2026. Sechs Saisonsiege hat der Italiener bereits auf dem Konto, bei der Tour 2025 war er zweimal erfolgreich, beim Giro 2024 jubelte er sogar dreimal, im Jahr davor einmal. Bei seinen drei Grand-Tour-Einsätzen kam der 25-Jährige also immer mindestens einmal als Erster ins Ziel. Nur bei dieser 109. Italien-Rundfahrt will es noch nicht klappen.

“Wir haben es probiert“, meinte Bernhard Eisel, Sportlicher Leiter bei Lidl - Trek, im Ziel der 12. Etappe gegenüber Eurosport. “Wir wussten, dass Movistar etwas probieren und auch NSN mit einsteigen wird. Das dann irgendwie alle fahren, war aber doch eine Überraschung“, resümierte der Österreicher. Sein Schützling verlor im schweren Vorfinale den Anschluss an die Spitzengruppe. Mit 7:15 Minuten Rückstand rollte er schließlich als 83. über den Zielstrich in Novi Ligure.

“(Matteo) Sobrero hat mir enorm geholfen und wir haben versucht, mit (Paul) Magnier zusammenzuarbeiten“, erklärte Milan selbst am Eurosport-Mikrofon. Der Bahn-Olympiasieger von Paris wirkte dabei niedergeschlagen. “Wir haben alles gegeben, um zurückzukommen. Wir waren in der Abfahrt ziemlich schnell und kamen bis auf 50 Sekunden ran. Dann ging es aber nicht mehr“, sagte Milan.

Auch Soudal lieferte zu wenig PS

Im Kampf gegen das von meist von Movistar angeführten Peloton konnte der Lidl-Star allerdings - mit Ausnahme von Sobrero - auf auffallend wenig Hilfe zählen. “Man muss gestehen, dass ein oder zwei Mann bei Johnny hätten bleiben sollen oder müssen. Vielleicht hätte auch Quick-Step noch einen Mann zurückrufen müssen. Dann hätten wir eine Chance gehabt“, haderte Eisel. Der Anschluss an das Feld wäre sicherlich auch im Sinne des zweifachen Etappensiegers Paul Magnier und Soudal – Quick-Step gewesen, nicht nur des möglichen Tageserfolges wegen.

Denn im Gegensatz zu den Topsprintern war der dreifache Tagessieger Jhonatan Narvaez (UAE – Emirates – XRG) bei den besten Kletterern dabei. Um den Tagessieg konnte der Ecuadorianer er am Donnerstag zwar nicht sprinten, aber als Achter sicherte er sich wieder Punkte für die dazugehörige Wertung. “Jetzt wird es mit dem Ciclamino etwas eng (für Magnier, d.Red.). Narvaez liegt jetzt nur noch elf  Punkte zurück. Die Flachetappen zählen mehr, aber er sammelt jeden Tag Punkte“, analysierte Eisel.

Doch eigentlich war der Österreicher weniger mit Soudal und mehr mit seiner eigenen Mannschaft und dem beschäftigt, was nicht gut gelaufen war. “Ich glaube, da ist heute einiges für uns in die falsche Richtung gelaufen. Wir konnten es aber auch nicht ausbessern. Da haben uns einfach die Horsepower gefehlt. Jetzt müssen wir schauen, was die nächsten Tage bringen, heute abhaken und Johnny aufbauen“, blickte Eisel voraus. Für seinen Topsprinter sieht er in drei Tagen wieder eine Chance: “Mailand ist wieder etwas für Johnny", sagte er mit Blick auf die 15. Etappe.

Das heißt aber nicht, dass sich das deutsche Team bis Sonntag verstecken wird. “Auch die Überstellungsetappen sind etwas für uns, denn Derek fährt aufs Klassement und Giulio ist einer der Stärksten. Wir hoffen einfach, dass wir es umdrehen können und das Glück auf unserer Seite ist“, so Eisel. Auch für den zweiten italienischen Lidl-Star, Giulio Ciccone, ist der Giro bisher eine Enttäuschung.

Gee-West im Aufwind

Die Beine sind da, aber 31-Jährige bekommt nicht die Freiheiten, die er braucht. “Heute wie die anderen Tage: Wir sind gut dabei, aber es fehlt ein bisschen. 'Cicco' attackiert wieder am Ende. In dem Moment entscheidet sich Visma zu fahren. Dann geht Segaert und alle hören auf zu fahren. Die Momente passen nicht“, war Eisel unzufrieden, um dann gleich auch einen positiven Aspekt zu finden. “Bis jetzt läuft es für Derek Gee richtig gut. Er zeigt einen Aufwärtstrend und den wollen wir beibehalten, vor allem, wenn es jetzt in die Berge geht.“

Der Vorjahresvierte verpasste in Ungarn am zweiten Tag der Italien-Rundfahrt die 34-köpfige Spitzengruppe. Am Blockhaus geriet Gee-West früh in Schwierigkeiten, kämpfte sich aber beachtlich zurück und musste oben nur sieben Fahrer vor sich lassen. Am Corno alle Scale schlugen waren nur noch vier Konkurrenten vor ihm und beim Zeitfahren zwischen Viareggio nach Massa ließ der Kanadier die fünftbeste Zeit notieren. Von den Klassementfahrern war nur Thymen Arensman (Netcompany – Ineos) besser. So rangiert der 28-Jährige nach zwölf Renntagen auf dem achten Platz und das Podium ist in Reichweite.

Damit ist man bei Lidl - Trek zufrieden, trotzdem überwog so kurz nach dem Zieleinlauf die Enttäuschung. Und die muss abgeschüttelt werden, so dass mindestens einer der drei Kapitäne in den nächsten Tagen zuschlagen kann. “Die Jungs wissen es meistens selbst, wenn die Performance nicht den Erwartungen entsprach. Wir müssen sie jetzt wieder aufbauen, weitermachen und analysieren, was wir besser machen können“, sagte Eisel abschließend.

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