“Anschuldigung, ich sei ´der Erfinder´, könnten stimmen“

Campenaerts äußert sich zum ´Pipi-Flaschen´-Verbot

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Campenaerts äußert sich zum ´Pipi-Flaschen´-Verbot"
Victor Campenaerts (Visma - Lease a Bike) | Foto: Cor Vos

22.05.2026  |  (rsn) – Von Radprofis weggeworfene Trinkflaschen sind bei Fans ein beliebtes Souvenir nach Radrennen – schon immer. Dass man sie nicht leertrinken sollte, wenn noch ein Rest darin ist, versteht sich von selbst. Wer teilt schon sein Glas mit Fremden? Doch zuletzt ist noch ein weiterer Grund hinzugekommen: Die Flaschen könnten Urin beinhalten!

Offenbar haben einige Radprofis zuletzt vermehrt in ihre leergetrunkenen Flaschen gepinkelt, anstatt am Straßenrand anzuhalten – wo es bei großen Fanaufkommen ohnehin oft schwer ist, einen geeigneten Platz zu finden. Denn in der Nähe von Zuschauern ist das Urinieren am Straßenrand per UCI-Reglement nicht erlaubt. Für einige erschien es daher, und aufgrund des geringeren Zeitverlusts, wohl sinnvoll, die leeren Flaschen zu benutzen.

Nun aber haben die Veranstalter des Giro d'Italia die Fahrer gebeten, das Urinieren in Trinkflaschen und anschließende Wegwerfen derselbigen, zu unterlassen. Victor Campenaerts (Visma - Lease a Bike) hat das in seinem täglichen Instagram-Vlog nun humoristisch aufgegriffen und dabei grinsend die Schuld auf sich genommen: "Die Anschuldigungen, ich sei der 'Erfinder' dieser Praxis, könnten vielleicht sogar wahr sein", sagte er. "Aber jetzt ist es verboten, also wird das nicht mehr passieren!"

Im Video, in dem auch Jonas Vingegaard und Sepp Kuss zu Wort kommen, schildert Campenaerts das gesamte Problem des Urinierens während eines Radrennens und seine Lösung mit der "Pipi-Flasche", die er angeblich zur Leerung und Reinigung immer zum Teamwagen gebracht habe.

Campenaerts erklärt: "Es war gut gemeint"

Aufgrund des öffentlichen Interesses, werde ich die 'Piss-Flasche' erklären", begann Campenaerts sein Video. "In den meisten Ländern ist das Urinieren in der Öffentlichkeit per Gesetz verboten. Außerdem stehen oft große Zuschauermengen entlang der Straßen. Also war meine Lösung: Ich pinkle in eine Flasche, so dass ich mich nicht im Vorgarten von irgendwem oder auf Zuschauer am Straßenrand erleichtere. Und dann habe ich die Flasche zum Teamwagen gebracht. Es war also gut gemeint", so der Belgier weiter.

"Leider haben wir keine zugewiesenen 'Pinkel-Zonen' (in Anlehnung an die Müll-Zonen zum Wegwerfen von Verpflegungsverpackung nach den Verpflegungszonen, Anm. d. Red.) oder portable Toiletten am Straßenrand, wie man das im Triathlon sieht. In Rennen über fünf, sechs oder sogar sieben Stunden wird das manchmal zu einer Herausforderung für uns. Aber, wie auch immer: Die UCI hat jetzt das Urinieren in Trinkflaschen verboten, also wird man mich das nie wieder tun sehen."

Witzige Aufbereitung, tatsächlich aber ernsthaftes Thema

Dass Radprofis in Gruppen am Straßenrand stoppen, um gemeinsam 'Wasser zu lassen', hat im Radsport Tradition. In hektischeren Rennphasen wird teilweise auch direkt vom Rad gepinkelt. Beides sollen sie, so das UCI-Reglement seit jeher, nur dort tun, wo keine Zuschauer stehen. Mit wachsenden Zuschauerzahlen am Straßenrand und steigendem Grundtempo des Pelotons, wird das Urinieren während der Radrennen aber immer schwieriger.

Bei der Tour de France im vergangenen Jahr kam es nach der 11. Etappe zu Unstimmigkeiten, weil einige Fahrer attackierten, kurz nachdem andere – darunter Tadej Pogacar im Gelben Trikot – zum Pinkeln angehalten hatten. Das Zeitfenster für den "richtigen Zeitpunkt" für diese Stopps, wird im modernen Radsport mit mehr Vollgas-Anteilen, immer kleiner. Eine Lösung dafür, wie Campenaerts anspricht, gibt es nicht. Eine neue Möglichkeit, Geldstrafen zu verteilen, wie jetzt mit dem Pipi-Flaschen-Verbot, nehmen die Verantwortlichen aber wohl gerne mit.

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