RSNplus“Wir werden uns hinter ihm bekämpfen“

Eulalio mit Stolz und Defätismus: Letzter Abend in Rosa?

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Eulalio mit Stolz und Defätismus: Letzter Abend in Rosa?"
Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) genießt seine vielleicht letzte Podiumszeremonie in Rosa. | Foto: Cor Vos

22.05.2026  |  (rsn) – Zum neunten Mal bekam Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) nach der 13. Etappe des Giro d’Italia in Verbania das Rosa Trikot angezogen. Damit ist er nicht Rekordhalter der Portugiesen, denn Joao Almeida (UAE – Emirates – XRG) war 2020 15 Tage der Gesamtführende. Und seinen Landsmann wird der Bahrain-Fahrer bei dieser Italien-Rundfahrt wohl auch nicht mehr einholen – da ist sich Eulalio selbst sicher.

Denn nach der 14. Etappe am Samstag im Aostatal werde Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) das Blaue Trikot des besten Kletterers gegen das in Rosa eintauschen wollen, meinte er nun am Lago Maggiore. Neben Stolz über seine Tage an der Spitze des Klassements hat sich beim Portugiesen längst auch auch Defätismus breit gemacht.

"Jonas ist Jonas. Er muss keine harte Attacke fahren. Der einzige Fahrer, der ihn besiegen kann, ist Pogacar. Und der ist nicht hier. Wir folgen einfach so lange wie möglich. Dann werden wir zurückfallen und uns hinter ihm bekämpfen", lautete sein Vorausblick auf den Samstag in der Mixed Zone von Verbania. Spannend klingt das nicht, aber es ist ehrlich – und genau das, was eigentlich jeder erwartet.

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Afonso Eulalio (rechts) geht davon aus, dass er das Rosa Trikot am Samstag im Aostatal an Jonas Vingegaard (links) weitergeben muss. | Foto: Cor Vos

Den 13. Renntag der Rundfahrt hatte der Kletterer im Klassement mit 33 Sekunden Vorsprung auf den Dänen in Angriff genommen. Und die hatte er verteidigt, denn die Favoriten taten sich im Finale der Etappe gegenseitig nicht weh. "Es war heute ein langer, aber deutlich ruhigerer Tag. Am Ende haben wir immer noch das Maglia Rosa, das ist das Wichtigste", resümierte der Iberer. "Ruhiger" war in diesem Fall aber nicht gleichbedeutend mit "leicht". "Es ist jetzt sehr heiß, um die 30 Grad", erzählte er.

Harte und heiße Etappe

Das wird auch ein wichtiger Faktor für die 133 Kilometer von Aosta nach Pila sein. Dort geht es vom Start weg direkt hinauf zum Saint-Barthélemy (1.Kat.) – es verspricht, eine kurze und äußerst intensive erste Alpenetappe zu werden. Und das bei nun sommerlichen Temperaturen nach der eher kühlen ersten Giro-Hälfte. "Wir müssen mit den Betreuern und den Verpflegern reden, was wir am besten machen sollen", befand Eulalio.

"Morgen ist ein richtig harter Tag. Wir starten mit einem richtig harten Anstieg und enden mit einem richtig harten Anstieg. Ich hoffe, dass ich gute Beine habe. Ich werde einfach kämpfen", versprach er. Nicht um den Sieg oder Rosa, wie er vorher bereits klarstellte, sondern um eine gute Position im Endklassement. Spätestens als Fünfter am Corno alle Scale hatte der 24-Jährige nämlich bewiesen, dass er im Stande ist, mit den Besten mit zu klettern – hinter Vingegaard.

Dänische “Drohungen“

Und was der in der Mixed Zone von sich gab, klang fast wie eine Drohung in Richtung Konkurrenz. "Ehrlich gesagt habe ich mich die ganze Zeit schon sehr auf die morgige Etappe gefreut. Schon seit ich den Giro-Parcours zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich, dass das eine der härtesten Etappen ist – nicht superlang, aber man kann da großen Schaden anrichten. Man muss sich die Tage aussuchen, und morgen ist einer dieser auserwählten Tage."

Wohin führt der Weg des Giro-Gesamtführenden auf den verbleibenden acht Etappen? Podium? Top 5? Top 10? Weiter hinten? Viel scheint möglich. | Foto: Cor Vos

Mit dieser Ansprache sollte Ausreißern der Angriffsmut direkt in die Schuhe gesackt sein, denn es dürfte klar sein, dass Visma am Samstag niemanden vor seinem Kapitän ins Ziel fahren lassen will. Und wenn es für die Zuschauer schlecht läuft, wird es erst dahinter spannend. Ob es für Eulalio ums Podium in Rom geht – auf den Vierten Felix Gall (Decathlon – CMA CGM) hat er 2:30 Minuten Vorsprung - oder um die Top Ten, wird nach der Ankunft in Pila deutlicher sein.

Der Elfte, Markel Beloki (EF Education – EasyPost), liegt zurzeit 4:20 Minuten hinter Eulalio – und wenn der unter den besten Zehn bleiben kann, ist das für den Profi im zweiten Berufsjahr zweifellos ein Erfolg, mit dem er vor dem Giro, den er eigentlich als Helfer für den auf Etappe 2 ausgeschiedenen Santiago Buitrago in Angriff genommen hatte, nicht gerechnet hat.

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