2028 nur zwei Wochen zwischen Giro und Tour?

Giro kritisiert “eigenmächtige“ Kalender-Entscheidung der Tour

Von Felix Mattis

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Die Trofeo Senza Fine, der Pokal für den Giro-Gesamtsieger. | Foto: Cor Vos

23.05.2026  |  (rsn) – Nachdem die ASO im Rahmen der Bekanntgabe von Reims als Startort für die Tour de France 2028 auch ganz nebenbei erstmals offiziell verkündet hat, dass die Frankreich-Rundfahrt im Olympia-Sommer in zwei Jahren bereits am 24. Juni starten soll, hat Paolo Bellino in seiner Rolle als Geschäftsführer von Giro d'Italia-Veranstalter RCS Sport nun deutliche Kritik an seinen Kollegen aus Frankreich geübt.

"Ich finde es unangemessen, dass die Tour ihr Startdatum bekanntgibt, ohne das mit dem internationalen Kalender der UCI abzustimmen", sagte Bellino dem englischsprachigen Radsport-Portal Domestique am Rande des Giros und betonte, dass das eine eigenmächtige Aktion der ASO ohne vorherige Absprache mit den anderen Rennveranstaltern oder dem Weltverband gewesen sei – zumal der UCI-Rennkalender für 2028 noch überhaupt nicht abgesegnet ist.

Bellino erklärte auch, dass RCS noch immer bei der UCI versuche, den Giro künftig eine Woche nach hinten zu verlegen – letzteres nicht speziell für das Olympia-Jahr 2028, sondern grundsätzlich. "Wir wollen ab 2027 eine Woche später starten. Das haben wir bei der UCI beantragt und ich bin sehr zuversichtlich, weil sie seit Jahren sagen, dass das Okay ist. Also hoffen wir, dass wir es nächstes Jahr dann auch wirklich tun können", so Bellino.

Der WorldTour-Kalender für die jeweils kommende Saison wird stets Ende Juni des Vorjahres bestätigt – für 2027 also in wenigen Wochen, für 2028 eigentlich erst Ende Juni 2027. Doch der Kalender 2028 ist besonders kritisch, weil die Olympischen Spiele von Los Angeles bereits am 14. Juli beginnen – die Straßenrad-Events der Männer sind für den 19. und 23. Juli geplant - und mit dem gewöhnlichen Tour de France-Termin überlappen würden. Das will die ASO natürlich verhindern und deshalb vorrücken. Gleichzeitig aber bedeutet ein Vorziehen der Tour, dass wiederum die Rennen davor leiden – eine Kettenreaktion.

Bellino betonte: "Wir können auch ganz sicher nicht in den April rücken mit unserem Start." Die Italien-Rundfahrt hat bei ihren Alpen-Etappen so schon oft genug mit Schnee zu kämpfen. Da würde jede Woche früher die Probleme noch verschärfen, jede Woche später könnte hingegen helfen – deshalb auch das Ansinnen des Giros, grundsätzlich eine Woche nach hinten zu rücken. Sollte das aber passieren und die Tour 2028 vorrücken, lägen im Olympiajahr nur noch zwei Wochen zwischen Giro und Tour. Das würde einerseits möglicherweise die Giro-Startliste schwächen, vor allem aber auch der Tour de Suisse und anderen Juni-Rennen weh tun.

Bellino: "Kein Kalender, der sich nur um die Tour de France dreht"

"Angesichts der Olympischen Spiele müssen wir uns auf einen gemeinsamen internationalen Rennkalender einigen – und nicht auf einen, der sich lediglich um die Tour de France dreht", appellierte Bellino und kritisierte die ASO:

"Eine derartige Ankündigung zu machen, ohne diese zuvor auf internationaler Ebene abgestimmt zu haben, ist schon etwas ungewöhnlich. Wir wissen bereits seit geraumer Zeit, wann genau die Olympischen Spiele stattfinden – aber wir möchten eben auch den Giro eine Woche nach hinten verschieben. Und dann lägen nur noch zwei Wochen zwischen Giro und Tour."

Dass sich das Startdatum der Tour de France und damit auch der Abstand zwischen Giro und Tour verändert, passiert immer wieder. 2026 sind es, wie meist, fünf Wochen. Doch beispielsweise 2021 waren es nur vier, weil die Tour aufgrund der Olympischen Spiele von Tokio eine Woche vorrückte. 2018 dagegen waren es sechs Wochen, weil die Tour wegen der Fußball-Weltmeisterschaft eine Woche nach hinten rückte. Zwei Wochen, wie es für 2028 droht, gab es jedoch zuletzt 1966, als der Giro am 9. Juni endete und die Tour am 22. Juni begann.

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