--> -->

12.06.2026 | (rsn) – Derzeit herrscht eine wahre Giro-Inflation. Kurz nach dem der Männer und jenem der Frauen beginnt am Sonntag der Giro Next Gen (2.2U), die Italien-Rundfahrt für U23-Fahrer. Die Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies haben an die letztjährige Ausgabe beste Erinnerungen, denn Luke Tuckwell, der im Winter zu den Profis aufgestiegen ist und sich da hervorragend schlägt, übernahm die Kapitänsrolle und das Rosa Trikot, nachdem der nominelle Kapitän Lorenzo Finn auf der 5. Etappe am Berg den Zug verpasst hatte. Der Australier blieb bis zur Schlussetappe vorn, wurde da aber von Jakob Omrzel (Bahrain Victorious) noch abgefangen.
Dieses Jahr wollen die Raublinger die Rundfahrt auf dem höchsten Treppchen beenden. U23-Weltmeister Finn geht nach seinem furiosen Auftritt bei der Tour of the Alps (2.Pro), wo er als Devo-Fahrer im WorldTeam die erste Bergankunft als Sechster abschloss, als Topfavorit in sein Heimrennen.
An den hohen Ambitionen ändert auch der Sturz nichts, in dessen Folge er die Tour of the Alps bereits einen Tag nach seinem starken Auftritt mit einem gebrochenen Handgelenk verlassen musste. "Die Genesung ist sehr gut verlaufen – die Ärzte und das Team haben einen wirklich großartigen Job gemacht, um mich wieder aufs Rad zu bringen“, versicherte der Italiener in einer Pressemitteilung seiner Mannschaft.
Aussichtsreich ist auch Sprinter Davide Donati, der schon dreimal in der 2.1- oder 2.Pro-Kategorie siegreich war und auch Paris-Roubaix Espoirs (1.2) für sich entscheiden konnte. Mit im Aufgebot sind neben dem Franzosen Gustave Blanc und dem Niederländer Gijs Schoonvelde auch die beiden Deutschen Paul Fietzke und Max Bock. Der 21-jährige Bock wusste in dieser Saison als Neunter beim Giro di Sardegna (2.1) zu gefallen und zeigte schon 2025 als WM-Elfter und EM-Neunter, dass er nah am Profivertrag dran ist.
“Wir haben ein starkes Team und ein klares Ziel“, kündigte Finn selbstbewusst an. “Der Giro Next Gen ist eines der wichtigsten Etappenrennen im U23-Kalender, deshalb kommen wir natürlich mit Ambitionen hierher. Wir müssen aber auch zugeben, dass Lorenzos Vorbereitung wegen seines Sturzes nicht ideal war“, ergänzte Tim Meeusen, Director of Development bei Red Bull. Der Belgier sieht seinen Schützling nicht als Topfavorit, sondern als Podiumskandidat.
Größter Konkurrent des 19-Jährigen in einem starken Feld könnte Matisse Van Kerckhove (Visma – Lease a Bike Development) sein. Der Belgier hat im Winter einen Riesensprung gemacht und 2026 schon die Istrian Sprint Tour (2.2), den Flèche du Sud (2.1) und vor zwei Wochen die Alpes Isère Tour (2.2) gewonnen. Richtig hoch hinaus ging es dabei aber nie – und so ist der Flame im Hochgebirge noch ohne Leistungsnachweis.
Anders sieht es bei Mateo Ramirez (UAE – Emirates – Gen Z) aus. Der Avenir-Sechste des letzten Jahres hat allerdings erst einen Renntag auf dem Buckel. Auf der 1. Etappe der Tour of Sharjah (2.2) am 23. Januar stürzte er schwer und fiel danach aus. Der Kletterfloh aus Ecuador gibt in Italien also sein Comeback – und wird vom U23-Lüttich-Sieger Daan Dijkman, dem Französischen U23-Meister Ugo Fabries und dem Deutschen Moritz Mauss unterstützt.
Ebenfalls mannschaftlich sehr geschlossen tritt der Soudal-Nachwuchs an. An der Spitze des Aufgebots steht der Brasilianer Henrique Bravo, der letzte Woche die Oberösterreich-Rundfahrt (2.2) für sich entschieden hat und zuvor schon bei der Tour of Antalya (2.2) und einer Etappe der Tour of Rwanda (2.1) erfolgreich war. Wie bei Van Kerckhove stellt sich beim Südamerikaner aber die Frage, wie er sich im Hochgebirge schlagen wird? An seiner Seite startet der starke, aber unbeständige belgische Bergspezialist Viktor Soenens.
Dessen Landsmann Niels Driesen (Lotto – Groupe Wanty) kletterte jüngst – bei allerdings schwächerer Konkurrenz - zum Gesamtsieg bei der Ronde de l’Isard (2.2U). Seine Mannschaft ist mit den Belgiern Kamiel Eeman, Milan Donie, Duarte Marivoet sowie dem dieses Jahr wiedergenesenen Niederländer Wouter Toussaint nominell in der Breite von allen Teams am stärksten besetzt. Dagegen werden Fahrer wie Adam Rafferty (Hagens Berman – Jayco) und Jesper Stiansen (Tudor U23) über weite Teile auf sich allein gestellt sein. Jack Ward und Liam O‘Brien wiederum bilden für Lidl – Trek Future Racing ein starkes Kletterduo.
Italien kann derweil auch auf Matteo Scalco hoffen. Während die besten sieben Fahrer des letztjährigen Baby-Giro allesamt zu den Profis wechselten, ging der Vorjahresneunte den umgekehrten Weg: von Bardiani zu XDS – Astana Development, wo er sicherlich 2027 Profi werden wird. Mit seinem Gesamtsieg bei der Tour of Rhodes (2.2) und Rang elf bei der Tour of Türkiye (2.Pro) hat Scalco allein dieses Jahr schon genug Adelsbriefe gesammelt.