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31.07.2026 | (rsn) – Über neun Etappen von Lausanne nach Nizza: Am Samstag beginnt die 5. Tour de France Femmes (2.WWT) in der Schweiz und am Start steht alles, was im internationalen Frauenradsport Rang und Namen hat. Von den Top 20 der Weltrangliste fehlen nur die Achte Karlijn Swinkels (UAE – L‘IMAD) und die schwangere 17., Elise Chabbey (FDJ United – Suez).
Von den bisherigen vier Siegerinnen sind deren Teamkollegin Demi Vollering, Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon – SRAM – We Femmes) und Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) dabei, lediglich die 2023 zurückgetretene Annemiek van Vleuten steht nicht am Start. Das Trio bildet dieses Mal den innersten Kreis der Top-Favoritinnen, der erweitert wird durch Vuelta-Gewinnerin Paola Blasi (UAE – L‘IMAD).
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Vorjahressiegerin, die letztes Jahr eine überragende Performance ablieferte und die mit Abstand beste Kletterin war. In dieser Saison konnte Ferrand-Prévot ähnliches noch nicht vorweisen, doch in Panik gerät die 34-jährige Französin deswegen nicht. ”Auch wenn ich in diesem Jahr kein Rennen gewonnen habe, lief die Saison sehr gut. Ich bin nicht der Typ Fahrerin, der die ganze Saison über performen will, sondern konzentriere mich lieber auf ein großes Ziel”, meinte sie gelassen.
Die Nummer 1 in diesem Jahr ist erneut Vollering, die die Tour 2022 zu ihren Gunsten entscheiden konnte. Im Juni überragte die Niederländerin die Konkurrenz beim Giro d’Italia (2.WWT) mit zwei Tages- und dem Gesamterfolg. Mit der Deutschen Meisterin Franziska Koch, der französischen Titelträgerin Celia Gery, der Vuelta-Fünften Juliette Berthet und der Tour-Vierten von 2024, Evita Muzic, hat die nominell stärkste Fahrerin im Feld auch das auf dem Papier beste Team an ihrer Seite.
Verstecken muss sich aber auch die Helferinnenriege von Niewiadoma-Phinney nicht. Die Polin war 2024 in einem denkwürdigen Krimi in der Endabrechnung der Tour de France Femmes vier Sekunden schneller als Vollering. Nun hat sie mit Antonia Niedermaier, die den Giro als Zweite beendete, eine Athletin neben sich, die selbst Ansprüche auf das Podium und mehr haben kann. Die hält es aber ähnlich wie der Highlander: “Ich bin kein Fan von dem Wort Doppelspitze, denn am Ende kann nur eine vorne stehen”, sagte die Tour-Debütantin in Lausanne gegenüber RSN.
Hinter der Form von Blasi steht ein kleines Fragezeichen. Nach ihren überraschenden Triumphen beim Amstel Gold Race (1.WWT) und der Vuelta a Espana Femenina (2.WWT) gewann die Spanierin zwar noch zwei Rundfahrten und vier Etappen, doch bei ihrem letzten Auftritt, der Spanischen Meisterschaft, belegte sie im Zeitfahren Platz vier, im Straßenrennen schied sie aus.
Seitdem ist aber wieder ein Monat vergangen und so kann man davon ausgehen, dass die 23-Jährige sollte wieder in starker Verfassung sein. Sollte es mit Blasi nicht klappen, könnte Elisa Longo Borghini in die Bresche springen. Die routinierte Italienerin bewies bei den nationalen Meisterschaften gute Form und holte dort zum vierten Mal in Serie und zum siebten Mal insgesamt den Titel.
Auch hinter den vier Top-Favoritinnen finden sich einige Fahrerinnen, die alles andere als chancenlos ins Rennen gehen. Marlen Reusser (Movistar), die sich bei der Flandern-Rundfahrt einen Wirbelbruch zuzog, kam bei ihrem Comeback zwar nicht über Rang 13 beim Giro hinaus, dafür entschied sie zwei Wochen später die Tour de Suisse (2.WWT) und zwei der fünf Etappen für sich. Letztes Jahr wurde die Schweizerin sowohl bei der Vuelta als auch beim Giro Zweite – und nichts spricht dagegen, dass Reusser wieder an diese Ergebnisse wird anknüpfen können.
Auch Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) hat diese Saison eindrucksvoll bewiesen, dass mit ihr wieder gerechnet werden muss. Nach drei Jahren Rennpause kehrte sie 2025 mit mittelmäßigen Resultaten zurück, doch 2026 fordert die Niederländerin die Weltelite wieder heraus. Bei der Vuelta verlor van der Breggen am Angliru das Führungstrikot und wurde schließlich Zweite, beim Giro führte sie das Rennen ebenfalls auf der Schlussetappe an, wo die 36-Jährige allerdings noch auf Rang drei abrutschte. Gerade ihr überragender Zeitfahrsieg beim Giro eröffnet Möglichkeiten für das 21 Kilometer lange Zeitfahren nach Dijon am vierten Tag der Tour de France Femmes.
Das dürfte Isabella Holmgren (Lidl – Trek) gar nicht schmecken. Die Gesamtsiebte und beste Nachwuchsfahrerin des Giro freut sich vermutlich eher auf die Ventoux-Etappe. Mit ihren 21 Jahren ist sie aber nicht nur mehr die Kletterin der Zukunft, sondern schon eine der Gegenwart im Frauen-Peloton.
Obwohl sie schon neun Jahre älter ist, möchte auch Kim Le Cort (AG Insurance – Soudal) in diese Regionen vorstoßen. “Kim hat im Training sehr gute Werte gezeigt. Sie ist frischer als der Rest. Ein Etappensieg wäre sehr schön für das Team. Wenn dann auch noch ein Platz in den Top 5 in der Gesamtwertung dazu kommt, wäre die Tour super erfolgreich“, meinte ihre Sportliche Leiterin Jolien D’Hoore gegenüber Sporza.
“Letztes Jahr war ein Traum“, sagte Le Court in Lausanne zu RSN im Rückblick auf die Tour 2025, bei der sie eine Etappe gewann und erst auf der vorletzten Etappe am Col de la Madeleine das Gelbe Trikot abgeben musste. “Wir haben diesmal auch wieder höchste Ambtionen, wir wollen eine Etappe gewinnen und so weit wie möglich oben auf dem Podium landen“, so die 30-Jährige, die sich bei der Flandern-Rundfahrt im April das Handgelenk brach, nach einer zweimonatigen Pause sich dann aber mit Rang vier bei der Schweiz-Rundfahrt stark zurückmeldete.