RSNplusZweiter bei den Deutschen Meisterschaften

Jasch: “Jetzt kann ich langsam zeigen, was in mir steckt“

Von Joachim Logisch aus Bad Liebenstein

Foto zu dem Text "Jasch: “Jetzt kann ich langsam zeigen, was in mir steckt“"
Das DM-Podium von Bad Liebenstein, v.l.: Lennart Jasch (Tudor), Felix Engelhardt (Jayco - AlUla), Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos

29.06.2026  |  (rsn) - Wie schwer war der von den Männern sieben Mal zu bewältigende Rundkurs der Deutschen Meisterschaften in Bad Liebenstein wirklich? Immerhn kamen so rund 4000 Höhenmeter zusammen. Nach den Entscheidungen dürfte feststehen: Er war, abgesehen von der Hitze, nicht wirklich extrem.

Bergspezialistin Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM), die bei den Frauen Platz fünf belegt hatte,. war er "zu flach“. Andere wie Lennart Kämna (Lidl – Trek), der ein beeindruckende Solo hinlegte und am Ende Achter wurde, hatte vor dem Start gegenüber RSN geurteilt: "Wir haben heute eine relativ offene Ausgangsposition, würde ich sagen. Ich glaube, es ist eine relativ ausgeglichene Strecke. Also wirklich ausgeglichen. Natürlich schön für Bergfahrer, aber weil der Berg nicht so steil ist, gibt es doch minimale Windschatteneffekte. Daher denke ich, dass mehrere Fahrer eine Chance haben werden.“ ___STEADY_PAYWALL___

Seine Einschätzung zum möglichen Windschatten bestätigte Lennart Jasch (Tudor), der im Männerrennen nur von Felix Engelhardt (Jayco – AlUla) geschlagen wurde und so Silber gewann: "Wenn man - ich habe nicht auf die Geschwindigkeit geschaut - mit wahrscheinlich 30 km/h den Berg hochfährt, dann hilft der Windschatten halt brutal viel. Ich habe gesehen, wie k.o.. Paul Fietzke (Red Bull – Bora – hansgrohe, d. Red.) war, als er dann vorne das Tempo gemacht hat.. Ich weiß, was für ein starker Fahrer er ist, er war letztes Jahr mein Teamkollege. Ich nuckel da hinten mit 300 Watt rum. Da merkt man natürlich, wie viel der Windschatten ausmacht. Dann ist es natürlich logisch, dass man relativ schwer abgehängt werden kann, wenn man im Windschatten fährt und die Beine dazu hat", sagte der Tudor-Profi später auf der Pressekonferenz.

Im Sprintfinale der DM von Bad Liebenstein belegte Lennart Jasch (Tudor, re.) den zweiten Platz. | Foto: Christian Heilwagen

Dementsprechend konnte sich kein Solist (siehe Kämna) wirklich lösen und die fünf stärksten Fahrer erreichten nach 191,6 Kilometern die Zielgerade, wo sich Jasch ebenso wie Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe / 3.), Nils Politt (UAE – Emirates – XRG / 4.) und Titelverteidiger Georg Zimmermann (Lotto – Intermarche / 5.)) von Engelhardt überraschen ließen.

"Ich wollte als Dritter um die letzte Kurve fahren, das hat auch ganz gut funktioniert. Aber dann kamen Nils (Politt) und Felix (Engelhardt) mit deutlich mehr Geschwindigkeit von hinten. Und dann war ich erst mal ein bisschen eingebaut. Dann habe ich versucht, noch vorbeizufahren, aber dann war halt die Zielgerade 100 Meter zu kurz“, erzählte Jasch in der Sieger-Pressekonferenz.

Das Mindset im Eisschnelllaufen gelernt 

Ob Erster oder Zweiter – der ehemalige Eisschnellläufer hat sich nicht nur in der deutschen Spitzenklasse etabliert. Wie er in der Pressekonferenz erläuterte, war ihm der Umstieg nicht schwergefallen: "Ich denke, dass das Eislaufen mich ganz gut darauf vorbereitet hat, was jetzt kommt. Ich war ja da auch schon Hochleistungssportler. Daher war ich das ganze Training gewohnt und habe auch da schon viel Mindset gelernt. Jetzt komme ich in den Radsport, der ist nochmal deutlich professioneller und auch einfach anders. Da gibt es viele Dinge, die man lernen muss. Aber ich denke, da habe ich ein sehr, sehr gutes Team von Beginn an um mich, die mir da sehr gut helfen konnten. Ich denke, jetzt kann ich langsam zeigen, was alles in mir steckt", sagte er selbstbewusst.

Auf dem Podium konnte sich der Neoprofi über die Silbermedaille freuen . | Foto: Christian Heilwagen

Beim Umstieg habe ihm geholfen, dass er "schon immer ein Riesen-Radsportfan war. "Dann guckt man natürlich die Rennen. Dann denkt man sich, Jacke auf dem Rad angucken ist schon cool. Dann probiert man das halt als 16-Jähriger im Training aus. Dann macht man das zwei-, dreimal, weil man es lustig findet. Dann komme ich vier, fünf Jahre später in den Sport. Dann hat man das natürlich schonmal gemacht. Das ist dann nicht komplett Neuland", so Jasch, der nach seinem Wechsel Ende 2025 von den Red Bull Rookies zum Tudor-Devo-Team durchstartete und bereits Anfang Juni 2026 in die Profitmannschaft aufstieg.

Dort hatte der 25-Jährige, der in Prien am Chiemsee geboren wurde, keinerlei Anpassungsprobleme und imponierte gleich bei seinem Profidebüt bei der Tour Auvergne-Rohne-Alpes (2.UWT), die er als bester deutscher Fahrer auf Rang 16 beendete. 

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine