Nach Solo-Cup: “Dachte, Zweite zu werden ist auch gut“

Viele “erste Male“ für Tour-Leaderin Haugset

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "Viele “erste Male“ für Tour-Leaderin Haugset"
Strahlt in Gelb: Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) | Foto: Cor Vos

03.08.2026  |  (rsn) - Nach ihrem heutigen Triumph bei der 3. Etappe der Tour de France Femmes wird Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) womöglich gar nicht so recht wissen, wo sie anfangen soll - bei ihren Aufzählungen, was sie in den letzten Monaten erstmals als Profi-Radsportlerin erlebt hat. Vor nicht einmal zwölf Monaten fuhr die Norwegerin noch auf Continental-Niveau bei Coop – Repsol, einem Team aus ihrer Heimat, bei dem sie 2022 anfing, in die Welt der Profi-Radsports hineinzuschnuppern.

Und nun das: In ihrem ersten Jahr als WorldTour Profi wurde nicht nur ad hoc der Traum von der Nominierung in den Tour-Kader der norwegischen Equipe wahr – Haugset war schon einmal für Coop bei der Frankreich-Rundfahrt dabei – sondern am heutigen 3. August nochmal viel mehr. ___STEADY_PAYWALL___ ”Hmm, ich habe jetzt das Gefühl ’Ja’ sagen zu müssen, aber eigentlich hatte ich nie so weit gedacht. Ich hätte nie geglaubt, dass das überhaupt möglich ist“, sagte sie im Zielinterview auf die Frage, ob heute ein Traum für sie in Erfüllung gegangen sei.

Badegruber: "Dass es für Gelb reicht, hätten wir nicht gedacht"

Näher dran war der Glaube an einen derartigen Coup bei Haugsets Sportlicher Leiterin Anna Badegruber, die nach Rennende zu RSN meinte: "Ich muss ehrlich sagen, dass wir offensiv in die Tour hineingegangen sind. Wir wollten um einen Etappensieg kämpfen und den auch erreichen. Dass es dann auch noch für das Gelbe Trikot reicht, hätten wir nicht gedacht." Innerhalb nur weniger Wochen ist Haugset der zweite Radprofi, der in Gelb das kleine nordeuropäische Land auf der größten Bühne des Weltradsports präsentiert – und als erste Norwegerin in der Tour-Historie eine Etappe gewinnt sowie auch das Rennen anführt. Uno-X-Kollege Torstein Traeen war zuvor bei der Männer-Tour schon für zwei Tage im Maillot Jaune gefahren.

Bei ihrer spektakulären Flucht habe die aktuelle Norwegische Meisterin zunächst gar nicht mit dem Gedanken gespielt, am Ende des Tages auch die Rundfahrt anführen zu können. “Ich habe an meine Teamkolleginnen gedacht und an all die Menschen, die mich zu Hause anfeuern, aber an Gelb nicht wirklich“, ließ sie die Öffentlichkeit an ihren Emotionen während der Hitzeschlacht teilhaben. “Aus dem Auto haben sie mich immer weiter gepusht. Ich musste einfach alles geben. Ich kann noch immer nicht glauben, dass Kopecky mich nicht geholt hat. Und das alles im Norwegischen Meistertrikot. Es ist fantastisch.“

Aus dem Auto kam auch das Kommando, die dann alles entscheidende Attacke zu platzieren, verriet Badegruber im Nachgang. “Sie hat das dann bravourös umgesetzt, und es war richtig gut geplant. Ich dachte mir dann schon, dass 88 Kilometer eine wirklich lange Strecke ist. Sie hat ein langes Solo hingelegt, ist aber auch im Zeitfahren eine richtig starke Fahrerin. Deshalb wussten wir, was sie draufhat“, so die ehemalige Conti-Fahrerin. Haugset selbst war sich zunächst nicht so sicher, dass der Plan der Teamleitung aufgehen würde.

“Als ich weggefahren bin, war der Vorsprung nicht so groß und ich war mir sicher, dass sie mich einholt. Ich habe darüber nachgedacht, einfach auf sie zu warten. Zweite zu werden ist auch gut! Aber die Unterstützung aus dem Auto war fantastisch“, lobte sie ihre Sportdirektorin, die sie durch die wohl härtesten Kilometer ihres Lebens lotste. Die Österreicherin gab die Blumen prompt zurück, als sie meinte: “Sigrid ist definitiv ein Dieselmotor, auch im Zeitfahren. Genau wie sie heute gezeigt hat, ist sie mental stark und kann richtig über ihr Limit gehen und das über lange Zeit. Es waren schwere Verhältnisse bei der Hitze und den Temperaturen. Sie ist eine richtige Kämpferin und starke Fahrerin.“

Erschöpft, aber glücklich: Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) im Ziel der 3. Etappe der Tour de France Femmes. | Foto: Cor Vos

Da Haugset als passable Zeitfahrerin gilt und mit einem Vorsprung von über zwei Minuten auf die Spezialistinnen in das morgige Einzelzeitfahren der Tour geht, scheint es nicht unwahrscheinlich, dass sie das Leadertrikot für einen weiteren Tag auf ihren Schultern trägt. “Wir nehmen die Gefühle und die Emotionen mit, gehen voll rein und möchten das Trikot natürlich verteidigen und dem Würde leisten. Wir genießen den Tag, lassen das alles mal sacken und dann geht es weiter“, so Badegruber abschließend.

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