Kopecky mit vergeblicher Aufholjagd

Haugset triumphiert bei Tour mit 88-Kilometer-Solo

Von Jan Zesewitz und Marc Zeiringer

Foto zu dem Text "Haugset triumphiert bei Tour mit 88-Kilometer-Solo"
Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) lieferte einen begeisternden Kampf und gewann die 3. Etappe der Tour de France Femmes | Foto: Cor Vos

03.08.2026  |  (rsn) - Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) hat bei auf der 3. Etappe der Tour de France Femmes (2.WWT) Geschichte geschrieben. Ihr gelang das längste erfolgreiche Solo der Rundfahrt, sie setzte sich auf dem 156 Kilometer langen Teilstück zwischen Genf und Poligny nach einer Alleinfahrt über 88 Kilometer durch. Ihre Mitausreißerin Lotte Kopecky (SD Worx - Pro Time) jagte ihr lange hinterher, holte die Norwegische Meisterin aber nicht mehr ein.

Haugset übernimmt mit diesem Coup auch das Gelbe Trikot von Lorena Wiebes (SD Worx - Pro Time), die am Col de la Faucille (1. Kategorie), der gleich zu Beginn der Etappe anstand, abgehängt wurde. Die niederländische Sprinterin wird beim Zeitfahren am Dienstag das Gelbe gegen das Grüne Trikot tauschen.

Haugsets größter Sieg war bis dahin der Gewinn der Norwegischen Meisterschaften. Im Ziel-Interview wurde sie daher gefragt, ob jetzt ein Traum für sie wahr würde? "Ich habe jetzt das Gefühl ’Ja’ sagen zu müssen, aber eigentlich hatte ich nie so weit gedacht. Ich hätte nie geglaubt, dass das überhaupt möglich ist. Hier jetzt zu stehen ist einfach unwirklich."

Kopecky hatte im Ziel schließlich 1:24 Minuten Rückstand. Ein Verfolgerfeld mit den Favoritinnen auf das Gesamtklassement erreichte das Ziel mit 2:49 Minuten Rückstand. Marianne Vos (Visma - Lease a Bike) führte diese Gruppe als Drittplatzierte der Etappe ins Ziel.

“Als ich weggefahren bin, war der Vorsprung nicht so groß und ich war mir sicher, dass sie mich einholt", sagte Haugset über das lange Duell mit der ehemaligen Weltmeisterin. "Ich habe darüber nachgedacht, einfach auf sie zu warten. Zweite zu werden ist auch gut! Aber die Unterstützung aus dem Auto war fantastisch. Sie haben mich immer weiter gepusht. Ich habe an meine Teamkolleginnen gedacht und an all die Menschen, die mich zu Hause anfeuern. Ich musste einfach alles geben. Ich kann noch immer nicht glauben, dass sie mich nicht geholt hat."

In der Gesamtwertung hat die Norwegerin nun 2:02 Minuten Vorsprung auf Kim Le Court-Pienaar (AG Insurance - Soudal). Demi Vollering liegt 2:06 Minuten hinter der neuen Spitzenreiterin. Mit diesem Vorsprung hat Haugset gute Chancen, das Gelbe Trikot auch beim 21 Kilometer langen Zeitfahren um Dijon zu verteidigen. In Grün wird Wiebes an den Start gehen, das Gepunktete Trikot übernahm Pieterse und in Weiß bleibt Paula Blasi (UAE - L'Imad), zeitgleich vor Antonia Niedermaier (Canyon - SRAM).

So lief die 3. Etappe der Tour de France Femmes

Nach dem Start in Genf überquerte das Feld nach vier Kilometern die Grenze und nahm wenig später auch mit dem Col de la Faucille (1. Kat.) den bislang schwersten Berg dieser Rundfahrt in Angriff. Auf den 11,4 Kilometern bergauf blieb das Peloton überraschenderweise kompakt, obwohl einige Sprinterinnen, darunter auch Wiebes, Elisa Balsamo (Lidl – Trek) sowie die Führende in der Bergwertung, Oceane Mahe (Ma Petite Entreprise), zurückfielen. Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) gewann die zehn Punkte an der Kuppe vor Nikola Noskova (Cofidis) und Liane Lippert (Movistar).

Nach einer kurzen Abfahrt stand mit der Cote de Lajoux (3. Kat.) bereits die nächste Bergwertung auf dem Programm. Bis zur Abnahme wuchs der Vorsprung des Pelotons auf die Wiebes-Gruppe auf 1:45 Minuten an. Pieterse gewann erneut vor Noskova, womit sie virtuell mit einem Punkt Vorsprung die Führung in der Bergwertung übernahm.

Im darauffolgenden Plateau setzte Lucinda Brand (Lidl – Trek) die erste nennenswerte Attacke des Tages und war damit die initiierende Kraft für die Bildung einer Spitzengruppe. Zehn weitere Fahrerinnen, darunter unter anderem zwei Deutsche mit Lippert und Rosa Klöser (Canyon – SRAM) sowie Kopecky, Nienke Vinke (beide SD Worx – Protime), gesellten sich hinzu. Die Gruppe konnte auf den nächsten 30 Kilometern allerdings die Lücke nicht entscheidend anwachsen lassen, weshalb zehn der elf Fahrerinnen vor dem Start der dritten Bergwertung vom Peloton wieder gestellt wurden. Nur Haugset konnte sich noch vor dem Feld behaupten.

Das Streckenprofil der 3. Etappe der Tour de France Femmes | Foto: Veranstalter

Die Norwegerin gewann auch die Bergwertung am Col de la Savine und sammelte damit fünf Zähler. Pieterse zeigte erneut ihren Anspruch auf das Gepunktete Trikot, erhöhte ihr Punktekonto mit Platz zwei auf 18 Zähler und sicherte damit die Führung der Bergwertung so weit ab, dass sie im Ziel das Trikot tragen durfte.

72 Kilometer vor dem Ziel, als der Vorsprung der Norwegerin auf über eine Minute aufging, entschloss sich Kopecky erneut anzugreifen und schaffte es, sich vom Peloton zu lösen. Auf dem Weg zur Sprintwertung in Champagnole 56 Kilometer vor dem Ziel ging der Vorsprung zum Peloton auf über 4:30 Minuten auf, doch die Belgierin blieb stets eine Minute hinter Haugset zurück. Die Norwegerin holte sich 25 Punkte und hielt auf den nächsten Kilometern den Abstand weiterhin konstant, zwischenzeitlich betrug der bereits fünf Minuten und Kopecky biss sich an ihr die Zähne aus.

Kopecky jagt Haugset

Am letzten kategorisierten Anstieg des Tages zur Cote de Chaux-Champagny machten die Klassementfahrerinnen ernst. Le Court setzte eine Attacke und nahm so gut wie alle Anwärterinnen auf das Gelbe Trikot mit. Nur Anna Van der Breggen (SD Worx – Protime) fand sich nicht in einer neunköpfigen Verfolgerinnengruppe wieder. Nach der Bergwertung am Bonussprint war es auch die Frau aus Mauritius, die sich hinter Haugset und Kopecky noch zwei Bonussekunden sicherte. Zu diesem Zeitpunkt lagen Vollering, Reusser, Longo Borghini und Co. aber noch 2:15 Minuten hinter der Spitze, womit der Zug um den Tagessieg abgefahren war.

Nach dem Berg lief dahinter einiges wieder zusammen. Zunächst waren es wieder 25 Fahrerinnen und dann konnte auch die Gruppe um Van der Breggen wieder hinkommen. Damit verfolgte ein Peloton von rund 70 Fahrerinnen die Spitzenreiterinnen, die zehn Kilometer vor dem Schluss sich eine Art Zeitfahrduell lieferten. Bis auf zehn Sekunden hatte es Kopecky an Haugset herangeschafft.

Auf den letzten fünf Kilometern baute die Norwegerin den Vorsprung allerdings wieder auf über 30 Sekunden aus und fuhr damit ungefährdet dem Etappensieg entgegen. Obwohl im Peloton dahinter nochmals eine Attacke von Le Court folgte, war der Abstand kurz vor dem Ziel mit fast drei Minuten deutlich zu groß, um das Gelbe Trikot zu holen. Das gewann ebenfalls die Norwegerin, die im Ziel 1:24 Minuten Vorsprung auf Kopecky hatte. Der Sprint um Platz drei ging an Vos.

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