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05.08.2026 | (rsn) – Ausgepolsterte BHs als Aerodynamik-Hilfsmittel im Einzelzeitfahren? Das ist tatsächlich ein Thema im aktuellen Frauen-Radsport. Nachdem das niederländische Radsport-Portal Wielerflits am Montag in einem Artikel über die möglichen Vorteile durch einen größeren Brustumfang auf dem Zeitfahrrad dargelegt und auch darauf hingewiesen hatte, dass einige Fahrerinnen deshalb Polster unter dem Trikot tragen, reagierte die UCI-Jury.
Vor dem Kampf gegen die Uhr bei der Tour de France Femmes 2026 (2.WWT) wolle man das Einhalten des Artikels 1.3.032 im UCI-Reglement besonders kontrollieren, kündigte man im Communique am Vorabend an. Die Frage war: Wie?
radsport-news.com hat sich im Startbereich in Gevrey-Chambertin vor dem Zeitfahren von Dijon am Dienstagmittag umgeschaut. Tatsächlich stand dort eine Kommissärin des französischen Nationalverbandes am Eingang des Zeltes, in dem die Jury vor jedem Zeitfahren die Fahrräder auf ihre regeltreue checkt, und schaute sich die Kleidung der Fahrerinnen an. ___STEADY_PAYWALL___
Wer mit Eisweste ankam, wurde gebeten, diese zu öffnen, und die Offizielle stellte Fragen – etwa ob etwas unter dem Zeitfahranzug getragen werde und wenn ja, was. Für den Zweifelsfall stand neben dem Bike-Check-Zelt noch ein weiteres, abgehängtes Zelt bereit, in dem auch hätte genauer nachgeschaut werden können. Dazu kam es, zumindest solange RSN vor Ort war, aber nicht.
Die Niederländerin Loes Adegeest von Lidl - Trek, die zu diesem Zeitpunkt noch einen Eisbeutel unter dem Trikot trug, den sie vor dem Start aber herausnahm, wurde etwa nach diesem gefragt und darauf hingewiesen, dass der noch entfernt werden müsse. Andere Fahrerinnen, bei denen die Kommissärin auf den ersten Blick offenbar keine unnormalen Abdrücke oder Formen unter dem Trikot erkannte, konnten auch unbehelligt weiterziehen.
"Ich wurde nicht kontrolliert", erzählte etwa Franziska Koch (FDJ United – Suez) radsport-news.com nach dem Rennen und auch Liane Lippert (Movistar) erging es genauso. "Vielleicht bei den Favoritinnen, aber ich glaube bei mir war auffällig, dass ich keine komischen Proportionen hatte", lachte die Friedrichshafenerin und wusste nicht so recht, wie sie das Thema einschätzen sollte.
Koch zeigte Verständnis für die Kontrollen: "Ich habe gehört, dass da jemand steht, der ein bisschen guckt, was wir alles im BH sozusagen drin haben. Bei den Männern sieht man deutlich, wenn sie etwas reinstecken (ins Trikot), bei uns vielleicht nicht. Aber es sind natürlich dieselben Regeln für alle und deswegen finde ich es Okay, wenn man da kontrolliert", sagte sie und bestätigte auf Nachfrage von RSN auch, dass die Problematik tatsächlich besteht: "Jaja, das ist ein Ding."
Die Deutsche Zeitfahrmeisterin belegte im Rennen den 20. Platz (+ 1:27 Minuten), obwohl sie nach eigener Aussage nicht Vollgas gefahren war. Ihr Team hatte entschieden, dass sie Kräfte sparen sollte, um in den nächsten Tagen Kapitänin Demi Vollering besser helfen zu können. Für Reusser-Teamkollegin Lippert galt dasselbe, sie kam auf Platz 115 (+ 4:02).
Im Jury-Communique nach dem Zeitfahren stand nichts darüber, dass bei einer Fahrerin ein Betrugsversuch aufgeflogen wäre. Nach der Ankündigung vom Vorabend wäre es aber wohl auch grob fahrlässig gewesen, tatsächlich mit Kissen im Trikot an den Start zu rollen.
Dass das in der Vergangenheit aber tatsächlich geschehen ist, legen Fotos von vergangenen Rennen nahe. Innerhalb der Szene kursieren auch die Namen einiger Fahrerinnen, die von diesem Trick in den letzten Jahren Gebrauch gemacht haben sollen – ohne Beweise aber sind die natürlich nicht öffentlich zu machen.