Niedermaier erobert bei Tour Weißes Trikot

Vollering krönt bärenstarke Vorstellung, Reusser verteidigt Gelb

Von Matthias Seng

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Demi Vollering (FDJ United – Suez) hat die 5. Tour-Etappe gewonnen. | Foto: Cor Vos

05.08.2026  |  (rsn) - Marlen Reusser (Movistar) hat auf der 5. Etappe der Tour de France Femmes in einem packenden Finale ihr Gelbes Trikot verteidigt, musste sich aber nach 140 Kilometer von Macon nach Belleville-en-Beaujolais im Sprint eines Spitzentrios ihrer großen Konkurrentin Demi Vollering (FDJ United – Suez) geschlagen geben.

Dritte wurde die Polin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM – We Femmes), die aus der letzten Kurve heraus attackiert hatte und auf dem besten Weg zum Tagessieg war, ehe Vollering und Reusser noch kurz vor dem Ziel an ihr vorbeijagten.

Mit 45 Sekunden Rückstand sicherte sich Niewiadomas Landsfrau Dominika Wlodarczyk (UAE - L’Imad) den vierten Platz vor der Kanadierin Isabella Holmgren (Lidl – Trek) und der Rosenheimerin Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM - We Femmes), die als Tagessechste das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin übernahm.

1:12 Minuten hinter Vollering folgte ein niederländisches Trio aus Nienke Vinke (SD Worx – Protime), Femke de Vries(Visma – Lease a Bike) und Thalita de Jong (Human Powered Health). Die Neuseeländerin Niamh Fisher-Black (Lidl – Trek / +1:15) komplettierte die Top Ten.

Vollering: Richtig cooles Rennen"

“Es war einfach ein richtig cooles Rennen. Das ganze Team, also wirklich jede einzelne Fahrerin, hatte einen Anteil daran. Das genieße ich am meisten. Wenn jede harte Arbeit verrichtet, ist es noch spezieller und schöner. Weil man es wirklich alles zusammen schafft“, sagte Vollering im Flash-Interview und gab ehrlich zu: “Ich dachte, ich komme nicht wieder ran. Aber irgendwie habe ich es dann geschafft. Darüber bin ich sehr happy.“

Dabei betonte sie, von Niewiadomas Attacke nicht überrascht worden zu sein, sondern wie auch Reusser gewartet zu haben - bis es dann allerdings fast zu spät war.“ Ich wusste, dass Kasia früh losfahren würde. Das macht sie immer so. Ich wusste auch, dass Marlen zocken würde. Ich habe ihr Spiel ein bisschen gespielt, um sie zum Arbeiten zu zwingen. Aber das hat sie nicht gemacht. Dann dachte ich mir, wenn ich gar nichts mache, dann gewinnt Kasia. Deswegen musste ich es einfach versuchen. Vielleicht hätte mich Marlen noch überholt. Aber ich habe es einfach versucht. Ich habe alles gegeben. Es war ein richtig langer Sprint. Ich habe aber auch jeden einzelnen Meter dieser Zielgerade gebraucht.“

Im Gesamtklassement liegt die 34-jährige Reusser zwölf Sekunden vor Vollering, Niewiadoma machte drei Positione gut und ist neue Dritter, allerdings mit einem Rückstand von bereits 1:17 Minuten. Auf Rang vier folgt ihre Teamkollegin Niedermaier (+2:40) vor Wlodarczyk (+2:54) und deren nomineller Leaderin Elisa Longo Borghini (+2:58), die genau wie Vuelta-Siegerin Paula Blasi, dritte UAE-Top-Fahrerin, am letzten Berg den Anschluss an die Spitzengruppe verloren hatte.

Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) büßte wie schon im Zeitfahren deutlich mehr als zwei Minuten ein und hat im Klassement nun genau fünf Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot.

Puck Pieterse (Alpecin – Premier Tech) gewann sechs der acht Bergwertungen des Tages und baute ihre Führung im Kampf um das Gepunktete Trikot aus. In der Nachwuchswertung liegt Niedermaier jetzt 25 Sekunden vor Holmgren. “Kasia ist gut in Form. Sie sieht superstark aus und hat Selbstvertrauen. Wir sind all-in für ihre Chancen, aber es ist auch immer schön, mehrere Optionen zu haben“, sagte die Giro-Gesamtzweite zu Eurosport. Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) bleibt an der Spitze der Punktewertung.

So lief die 5. Etappe der Tour de France Femmes:

Zur Halbzeit der Frankreich-Rundfahrt wartete die bisher schwerste Etappe dieser Tour: acht Bergwertungen und 2.850 Höhenmeter mussten die noch 136 Starterinnen bewältigen. Bei Temperaturen von erneut über 30 Grad traten die Heidelbergerin Hannah Ludwig (Cofidis) und die Niederländerin Teuntje Beekhuis (Uno-X Mobility) nicht mehr an. Schon auf dem ersten Kilometer landete Ludwigs Teamkollegin Ema Comte auf dem Asphalt. Die Französin konnte das Rennen aber ohne sichtbare Blessuren fortsetzen.

Im fast zehn Kilometer langen Anstieg zur Cote de Cenves (2.Kat.), dem frühen ersten Bergpreis des Tages, blieben Attacken aus, ehe Pieterse sich an der Wertung aus dem bereits geschrumpften Feld die fünf maximal möglichen Punkte sicherte. In der Abfahrt löste sich Fisher-Black nach rund 15 gefahrenen Kilometern, doch vor der zweiten Bergwertung wurde die Neuseeländerin gestellt, ehe kurz darauf Niedermaiers Teamkollegin Chiara Consonni bei einem heftigen Sturz zu Boden ging, nach kurzer Behandlung aber wieder auf ihr Rad steigen konnte.

Pieterse konnte auch die beiden folgenden Bergpreise der jeweils 4. Kategorie für sich verbuchen. Danach machte sich Carlotta Cipressi (Human Powered Health) bei ständigem Auf und Ab durch das Département Rhones-Alpes davon, um sich den ersten Zwischensprint zu holen. 15 Sekunden hinter der Italienerin sicherte sich Wiebes aus dem Feld heraus den zweiten Platz und damit weitere 20 Punkte im Kampf um das Grüne Trikot. Das Streckenprofil der 5. Etappe der Tour de France Femmes | Foto: Veranstalter

Am Col de Fontmartin (3. Kat.), an dem Wiebes neben weiteren Fahrerinnen abgehängt wurde, war wieder Pieterse die Erste. Kurz löste sich eine knapp 20-köpfige Spitzengruppe, in der mit Franziska Koch (FDJ United – Suez), Niedermaier und Liane Lippert (Movistar) auch drei deutsche Fahrerinnen dabei waren. Zur Spitze, die sich schnell einen Vorsprung von mehr als einer Minute herausfahren konnte, gehörten auch Pieterse sowie weitere starke Fahrerinnen wie Weltmeisterin Magdeleine Vallieres, Noemi Rüegg (beide EF Education – Oatly), de Vries, Wlodarczyk und das Lidl-Trek-Trio Fisher-Black, Riejanne Markus und Amanda Spratt.

Obwohl mit Koch und Juliette Berthet zwei Teamkolleginnen vorne dabei waren, ließ Vollering im Feld die ihr dort verbliebenen Helferinnen arbeiten, die den Rückstand auf rund eineinhalb Minuten hielten. Am Col de Gerbet, dem zweiten Anstieg der 2. Kategorie, holte sich Pieterse knapp 70 Kilometer vor dem Ziel auch den fünften Bergpreis des Tages.

Als kurz darauf der Vorsprung der Spitze aufgrund der Tempoarbeit auf fast zwei Minuten anwuchs, war Tour-Debütantin Niedermaier sogar im virtuellen Gelben Trikot unterwegs. Pieterse überquerte an der Côte de Pruzilly (4. Kat.) an erster Stelle die Linie, wo der aus eine längere Passage über welliges Terrain folgte.

Niedermaier virtuell im Gelben Trikot

Im Feld beteiligte sich nun auch Movistar an der Nachführarbeit, während vorne auch Visma – Lease a Bike und UAE – L’Imad mit für Tempo sorgten. Im vorletzten, bis zu 16 Prozent steilen Anstieg des Tages fuhr FDJ mit einer massiven Tempoverschärfung durch Evita Muzic das Feld auseinander, wobei unter anderem die Gesamtdritte Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly), Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) und Ferrand-Prévot den Anschluss verloren.

Kurz darauf übernahm Vollering von ihrer Teamkollegin Celia Gery und dünnte die Gruppe der Favoritinnen weiter aus. Der Europameisterin folgen konnten nur noch Reusser, Niewiadoma, Holmgren und Longo Borghini folgen, ehe auch die Italienerin zurückfiel. Vollering erhielt nach der Bergwertung Unterstützung von Koch, die sich aus der deutlich kleiner gewordenen Spitzengruppe hatte zurückfallen lassen.

Die Deutsche Meisterin jagte nun ihre ehemaligen Begleiterinnen an der Spitze, wo sich auch noch Niedermaier hielt. Rund 22 Kilometer vor dem Ziel fanden die beiden Gruppen dann wieder zusammen. Mit rund 40 Sekunden Rückstand folgte eine Gruppe mit dem UAE-Trio Blasi, Longo Borghini und Maeva Squiban sowie Kim Le Court (AG Insurance – Soudal).

Reusser auf der letzten Rille über die letzte Bergwertung

Kurz vor dem drei Kilometer langen und rund 7,5 Prozent steilen Mont Brouilly, dem letzten Anstieg des Tages, holte sich Reusser den Bonussprint sechs Sekunden vor Vollering (4) und Wlodarczyk (2), ehe Vollerings Helferin Berthet für Tempo sorgte. Knapp zwei Kilometer vor dem Gipfel trat Vollering an und dünnte die Spitzengruppe auf schließlich nur noch sieben Fahrerinnen aus.

Im bis zu elf Prozent steilen obersten Teil blieben nach weiteren Attacken der Niederländerin und von Niewiadoma nur noch drei übrig: Mit letzter Kraft rettete sich Reusser zehn Kilometer vor dem Ziel mit über den Gipfel, wogegen Niedermaier kurz zuvor wie auch Wlodarczyk und Holmgren den Anschluss eingebüßt hatten.

Niewiadoma macht alles richtig und wird doch nur Dritte

Auf den letzten Kilometern arbeitete das Spitzentrio zusammen, wobei sich auch die eher sprintschwache Niewiadoma an der Tempoarbeit beteiligte. Die Polin führte die Gruppe dann auch auf den Schlusskilometer, ehe sie sich clever an dritte Stelle zurückfallen ließ – denn aus der letzten Kurve heraus zog Niewiadoma dann an ihren überraschten Konkurrentinnen vorbei.

Die blickten sich an, ehe Vollering dann als erste reagierte und mit großem Gang kurz vor der Ziellinie noch an der Tour-Siegerin von 2024 zu ihrem ersten Etappensieg der diesjährigen Ausgabe vorbeijagte. Niewiadoma musste auch noch Reusser passieren lassen, die damit ihr Gelbes Trikot verteidigte.

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