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09.08.2026 | (rsn) – Demi Vollering (FDJ United – Suez) hat als erste Fahrerin die Tour de France Femmes (2.UWT) zum zweiten Mal gewonnen. Die 29-jährige Niederländerin entschied die abschließende 9. Etappe der 5. Ausgabe der Frankreich-Rundfahrt der Frauen über 99,2 Kilometer rund um Nizza nach einer Attacke kurz vor der letzten Bergwertung als Solistin für sich und hielt damit souverän Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) auf Distanz.
Die Polin war nach perfekter Vorbereitung ihres Teams an der letzten Überquerung des Col d’Eze in die Offensive gegangen, hatte dabei aber Vollering nicht abschütteln können – im Gegenteil: Die Europameisterin wurde Niewiadoma kurz vor dem Gipfel mit einer mächtigen Tempoverschärfung los und sicherte sich ihren dritten Etappensieg bei dieser Tour mit 1:14 Minuten Vorsprung auf die Spanierin Paula Blasi (UAE – L’Imad).
Die auch bei der Tour imponierende Vuelta-Siegerin sicherte sich im Sprint der Verfolgerinnen den zweiten Platz vor Niewiadoma, Niamh Fisher-Black (Lidl – Trek), Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) und Isabella Holmgren (Lidl – Trek).
“Wissen Sie, es ist nicht nur der Traum, hier im Gelben Trikot zu gewinnen oder die zweite Tour de France zu gewinnen, sondern es ist der Traum, dieses Leben zu leben – hart zu arbeiten, zusammen mit Menschen, die so viel Leidenschaft haben. Ich glaube, das ist der eigentliche große Traum“, sagte Vollering, die damit wie auch ihre Gegnerin Niewiadoma jede bisherige Ausgabe der Tour auf dem Podium beenden konnte, im Flash-Interview nach ihrem zweiten Tour-Triumph nach 2023.
"Ich dachte heute daran, dass ich noch nie im Gelben Trikot gewonnen habe. Ich dachte an mein Team, ich dachte an (Teamkollegin) Célia Gery, die eine wirklich harte Nacht hatte. Ich dachte an all die Arbeit, die ich davor investiert habe. Ich dachte an all die Menschen, die hinter mir stehen und an Specialized mit denen ich an dem neuen Fahrrad gearbeitet habe. Sie haben dieses Rad genau für solche Sachen gebaut: um bergab die Schnellste zu sein, um bergauf die Schnellste zu sein. Es ist unglaublich, welche Menschen ich um mich herum habe“, geriet die aktuell beste Radsportlerin der Welt in Nizza ins Schwärmen.
“Eine Kontrahentin wie Demi zu haben, motiviert mich, immer stärker zu werden. Ich weiß, die Tour ist gerade zu Ende gegangen, aber ich würde gerne meinen Coach anrufen und sagen, welche Dinge wir ändern oder daran arbeiten müssen“, kommentierte die 31-jährige Niewiadoma gegenüber Eurosport ihre Niederlage gegen Vollering nicht nur mit Fassung, sondern sogar mit einem Lachen.
Ein sportliches Drama spielte sich um Marlen Reusser (Movistar) ab. Die Schweizerin, vor dem Start noch Gesamtdritte, wurde bereits an der zweiten Passage über den Col d’Eze abgehängt, stürzte in der Abfahrt und kam mit 24:35 Minuten Rückstand ins Ziel. In der Gesamtwertung fiel die Zeitfahrweltmeisterin noch auf den enttäuschenden 14. Platz zurück
Vollering entschied die 5. Tour de France Femmes letztlich deutlich mit 1:18 Minuten Vorsprung auf Niewiadoma zu ihren Gunsten. Die Italienerin Elisa Longo Borghini (UAE – L’Imad / +4:29) machte noch eine Position gut und komplettierte das Podium in Nizza vor Niedermaier, die als Gesamtvierte (+5:10) die Nachwuchswertung vor der Gesamtfünften Blasi (+6:13) gewann.
“Ich glaube, es dauert immer noch ein bisschen, bis man das realisiert. Aber es war eine supertolle Tour und ich freue mich auch, dass es so ein super Ergebnis geworden ist. Leider ist es für Kasia nicht Gelb geworden. Aber trotzdem sind wir superstolz auf sie“, sagte die 23-jährige Niedermaier der ARD und antwortete auf die Frage nach der Bedeutung des Weißen Trikots: “Ich hoffe, dass es eine Inspiration für alle jungen Mädchen, die Rad fahren. Ich hoffe, dass ich sie irgendwie begeistern kann und auf das Rad kriegen kann.“
Die Niederländerin Puck Pieterse (Fenix – Premier Tech) stand bereits vor der Etappe als Gewinnerin des gepunkteten Bergtrikots fest, ihre Landsfrau Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) verteidigte das Grüne Trikot und wurde damit als punktbeste Fahrerin ausgezeichnet. UAE – L’Imad entschied die Teamwertung für sich.
Ohne die Österreicherin Valentina Cavallar (SD Worx – Protime) und drei weitere Fahrerinnen aus kleineren Teams wurde die alles entscheidende Etappe der diesjährigen Tour de France Femmes von noch 122 Profis in Angriff genommen. Gleich nach dem Start ging es erstmals den 7,7 Kilometer langen Col d’Èze hinauf. Hier blieb das Feld bei Temperaturen erneut weit oberhalb der 30 Grad noch geschlossen, ehe sich Maeva Squiban (UAE - L`Imad) den ersten der vier Bergpreise zu holen.
Trotz eines Sturzes von Zoe Bäckstedt – die Britin konnte das Rennen fortsetzen – dünnte Canyon – SRAM in der Folge mit beständig hohem Tempo das Feld aus. Aus dem stahlen sich Malwina Mul (Cofidis) und Paula Ostiz (Movistar) davon und erreichten mit knappem Vorsprung den Zwischensprint, den sich die Polin vor der Spanierin sicherte. Mit den 17 Punkten für Rang drei machte Wiebes wenige Sekunden später das Grüne Trikot klar.
An der zweiten Passage über den Col d’Eze schraubte die kurz zuvor gestürzte Bäckstedt das Tempo so hoch, dass die Spitzengruppe am Gipfel aus nur noch rund einem Dutzend Fahrerinnen bestand – nicht mehr dabei war überraschend die Gesamtdritte Reusser, die bereits 67 Kilometer vor dem Ziel den Anschluss verlor und die Bergwertung, die sich Bäckstedt kampflos holte, 50 Sekunden hinter der Spitze passierte.
Das Streckenprofil der 9. Etappe der Tour de France Femmes | Foto: Veranstalter
Als die Britische Meisterin nach einem denkwürdigen Effort zu Beginn der Abfahrt ausscherte, übernahm Niedermaier, ehe Longo Borghini in die Offensive ging. Neben der Italienischen Meisterin und dem Canyon-SRAM-Duo Niewiadoma und Niedermaier sowie Vollering und deren Helferin Juliette Berthet waren noch Longo Borghinis Teamkolleginnen Blasi und Dominika Wlodarczyk, Holmgren und Fisher-Black (beide Lidl – Trek), Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly) und Femke de Vries (Visma – Lease a Bike) dabei.
In der Abfahrt stürzte Reusser, blieb lange auf dem Boden sitzen, um dann mehrere Minuten später, begleitet von mehreren Teamkolleginnen, das Rennen unter Tränen fortzusetzen. An der vorletzten Überquerung des Col’Eze ließen die Favoritinnen Holmgren ziehen. Die Kanadierin kam auf rund eine Minute weg, weil Vollerings Teamkollegin Berthet bei den Verfolgerinnen ein zwar gleichmäßiges, aber nicht extrem hohes Tempo einschlug.
Knapp zwei Kilometer vor dem Gipfel brach Blasi eine Attacke unvermittelt ab, nachdem sie ihre Teamkollegin Longo Borghini damit offenbar in Schwierigkeiten gebracht hatte. Prompt übernahm wieder Berthet und hielt den Abstand zu Holmgren zunächst konstant bei rund einer Minute, ehe sie ihn in der Abfahrt und dem folgenden Flachstück auf rund 30 Sekunden reduzierte.
Gleich am Fuß der auf sechs Kilometer verkürzten letzten Überquerung des Col d’Eze löste Niedermaier Berthet an der Spitze ab und schloss mit hohem Tempo die Lücke zur 21-jährigen Holmgren bereits vier Kilometer vor der letzten Bergwertung dieser Tour. Kurz darauf ging Niewiadoma an einer 14 Prozent steilen Passage in die Offensive.
Vollering folgte mühelos und übernahm kurz darauf an einer noch etwas steileren Stelle sogar die Führung, ohne ihre Konkurrentin allerdings abschütteln zu können. Rund 30 Sekunden hinter dem Spitzenduo bogen Niedermaier, Longo Borghini, Blasi, Holmgren und Fisher-Black dann wieder auf die “Originalstrecke“ ein, mit weiterem Abstand folgten Kerbaol, Wlodarczyk und de Vries.
700 Meter vor dem Gipfel zog Vollering ein weiteres Mal an – und diesmal hatte sie den Widerstand ihrer Gegnerin gebrochen. 20 Sekunden vor Niewiadoma nahm die Frau im Gelben Trikot die Abfahrt nach Nizza in Angriff. Die Polin wurde acht Kilometer vor dem Ziel dann noch von der ersten Gruppe der Verfolgerinnen eingeholt.
Die kamen auch auf den letzten flachen Kilometern nicht mehr an Vollering heran, die sich nach dem Giro d’Italia auch noch die letzten Grand Tour des Jahres sicherte. Schon 400 Meter vor dem Ziel konnte sie jubeln, um kurz hinter der Linie mit einem Freudenschrei ihr Fahrrad in die Luft zu stemmen.
Rund eine Minute später entschied die 23-jährige Blasi den Sprint der Verfolgerinnen vor der bis zum Schluss kämpfenden Niewiadoma, Fisher-Black und Niedermaier.
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