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09.08.2026 | (rsn) – Aus dem Dreikampf um das Gelbe Trikot der Tour de France Femmes 2026 wurde auf der abschließenden 9. Etappe schnell ein Zweikampf. Marlen Reusser (Movistar) verlor bereits am zweiten Anstieg des Tages, gut 67 Kilometer vor dem Ziel, den Anschluss zur Gruppe der Favoritinnen. Zu allem Überfluss stürzte die Schweizerin nur kurze Zeit später in der Abfahrt vom Col d'Eze hinunter nach Nizza.
Die 34-Jährige blieb, schwer enttäuscht, lange auf der Straße sitzen und fuhr später gemeinsam mit all ihren Movistar-Helferinnen ins Ziel – mehr als 24 Minuten nach Tour-Siegerin Demi Vollering (FDJ United – Suez). Im Gesamtklassement rutschte Reusser vom dritten auf den 14. Rang ab.
"Wir haben alles gegeben. Im Endeffekt haben wir alles verloren", konnte Liane Lippert ihre Enttäuschung bei der ARD nicht verbergen. "Wir haben uns echt alle zurückgenommen für das Gesamtklassement. Somit ist eigentlich alles verloren. Das ist schade. Aber ich bin stolz auf unser Team."
Vor einigen Tagen sah die Welt beim spanischen Team noch ganz anders aus. Reusser hatte das Gelbe Trikot beim Einzelzeitfahren auf der 4. Etappe in Dijon erobert und trug es bis zur Bergankunft auf dem Mont Ventoux am Freitag.
In den Schlussabschnitt rund um Nizza war Reusser immer noch mit Außenseiterchancen auf den Gesamtsieg gestartet: Mit einem Rückstand von 1:12 Minuten hätte die Schweizerin wahrscheinlich darauf hoffen müssen, von den Taktikspielchen ihrer Konkurrentinnen Vollering und Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) zu profitieren. Doch unmöglich schien das Unterfangen Tour-Sieg nicht.
Movistar hatte extra Nachwuchstalent Paula Ostiz früh in die Offensive geschickt. Die Spanierin sollte wohl als Relaisstation agieren, um eine frühe Attacke ihrer Kapitänin zu unterstützen. Doch Reusser kam noch nicht einmal in die Position, um anzugreifen. Als das Feld zum zweiten Mal zum Col d’Eze hinauffuhr, schlug Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM) für ihre Kapitänin Niewiadoma ein brutales Tempo an und ließ das Feld schrumpfen. Plötzlich konnte auch Reusser dem Tempo der Britin nicht mehr folgen und verlor kurz vor der Bergwertung, etwa 67 Kilometer vor dem Ziel, den Kontakt.
Etwa sieben Kilometer später stürzte die 34-Jährige in der technisch anspruchsvollen Abfahrt in einer Rechtskurve. TV-Aufnahmen davon gab es keine, aber Movistars Sportlicher Leiter erklärte gegenüber Eurosport:
"Es war kein Highspeed-Sturz. Sie ist die Kurve etwas eigenartig angefahren und ist dann wohl wegen diesen Schwellen in der Mitte der Straße gestürzt. In diesem Moment war sie hauptsächlich enttäuscht, weil ihr das Podium entglitten ist. Am Boden hat sie endgültig realisiert, dass es weg ist. Das war der Hauptgrund, warum sie länger da saß. Sie war einfach traurig und enttäuscht. Dieses Gefühl wird auch noch etwas länger bestehen als die Wunden des Sturzes", so der 30-jährige Niederländer.
Als Reusser schließlich wieder aufs Rad stieg hatte sie bereits einen Rückstand von mehr als vier Minuten. Sie fuhr die Tour de France, umringt von ihren wartenden Teamkolleginnen, noch zu Ende. Das Rennfahren an sich aber hatte sie wohl abgehakt. Mit dem großen Traum von Gelb und dem Podium als Ziel in die Tour und auch noch in die Schlussetappe gestartet, waren die hinteren Top-10-Platzierungen offensichtlich nicht mehr das, wofür es sich unter Schmerzen noch zu kämpfen lohnte.
"Heute haben wir viel verloren, aber das geht nur, wenn man vorher etwas erreicht hat", ordnete Dekker ein. "Es war eine lange Reise, hierherzukommen. Wir hatten drei Tage in Gelb, einen Etappensieg und viele großartige Erinnerungen - und heute eine schlechtere."
Der Niederländer betonte auch, wie stolz er auf sein ganzes Team sei, das auch am Ende noch voll hinter der Kapitänin stand. "Wir sind als Team gestartet und haben es auch als Team zu Ende gebracht. Am Ende hatten wir alle bei ihr, um sie mental zu unterstützen und sie ins Ziel zu bringen. Die Fahrerinnen sind natürlich genauso enttäuscht, wie sie ist."
Nach dem Aus aufgrund einer Lebensmittelvergiftung schon auf Etappe 1 im vergangenen Jahr reiste Reusser in diesem Jahr mit dem Tour-Podium als großem Ziel zum Grand Départ in Lausanne. Der Start in der Schweiz, das Zeitfahren von Dijon, diese Tour schien wie gemacht für sie. Und tatsächlich lief bis zum Mont Ventoux am Freitag auch alles nach Plan für die 34-Jährige. Taktik-Scharmützel mit Vollering kosteten sie dann das Gelbe Trikot. Tagsdrauf folgte ein weiterer, kleiner Zeitverlust auf der ersten Nizza-Etappe – und nun am Sonntag endeten alle Träume am Col d'Eze.