Alles probiert, aber ehrlich besiegt

Niewiadoma beißt sich an Vollering die Zähne aus: “Motiviert mich!“

Von Christoph Matt

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Katarzyna Niewiadoma-Phinney (Canyon - SRAM) versucht vergeblich, Demi Vollering (FDJ United - Suez) am Col d´Eze abzuschütteln. | Foto: Cor Vos

09.08.2026  |  (rsn) - Ohne unfaire Manöver, fragwürdiges Taktieren oder andere Zwischenfälle wurde Katarzyna Niewiadoma-Phinney (Canyon - SRAM) auf der letzten Etappe der Tour de France Femmes (2. WWT) eindeutig auf den zweiten Platz verwiesen. Die Etappensiegerin am Mont Ventoux konnte auf dem letzten Teilstück in Nizza ihren Rückstand von acht Sekunden nicht mehr in einen Vorsprung verwandeln, sondern fiel noch weiter hinter Demi Vollering (FDJ United – Suez) zurück.

Zu stark präsentierte sich die nun zweimalige Tour-Siegerin auf dem finalen Rundkurs. Nachdem Niewiadoma im letzten Anstieg attackierte und nur Vollering ihr folgen konnte, hatte sie auf die anschließende Tempoverschärfung der Niederländerin kurz vor der Kuppe des Col d'Eze keine Antwort mehr und verlor im Ziel 1:18 Minuten.

"Eine Kontrahentin wie Demi zu haben, motiviert mich, immer stärker zu werden. Ich weiß, die Tour ist gerade zu Ende gegangen, aber ich würde gerne meinen Coach anrufen und sagen, welche Dinge wir ändern oder daran arbeiten müssen", resümierte die lachende Niewiadoma im Ziel.

Die Stimmung nach der vorletzten Etappe, auf der die Polin das erst am Freitag am Mont Ventoux errungene Gelbe Trikot postwendend wieder abgeben musste, war noch deutlich schlechter. Direkt nach dem Ziel warf sie FDJ United - Suez und besonders Vollerings junger Helferin Célia Gery eine unfaire Fahrweise vor. Gery soll sie am Fuß der letzten Steigung von Etappe 8 während der Attacke von Vollering absichtlich blockiert haben, indem sie sich hinter Vollering in einer Linkskurve nach außen tragen ließ und Niewiadoma so in Richtung Bordstein drängte.

"Man hat Demis Stärke gesehen"

Von diesen Anschuldigungen war 24 Stunden später nichts mehr zu hören, auch wenn man sich beim deutschen Team vor der Etappe auf keinen Fall schon mit dem zweiten Platz begnügt hatte.

“Wir haben gesagt, wir müssen versuchen, Demi auf der letzten Runde und im steilen Abschnitt unter Druck zu setzen und dann attackieren. Ich denke, vorher hat Zoe Bäckstedt einen unglaublichen Job gemacht, da alles zu zerlegen. Dann waren wir zahlenmäßig eigentlich gut vertreten. Aber wir konnten es nicht umsetzen. Man hat natürlich Demis Stärken gesehen, als es dann flacher und leichter wurde und in die Abfahrt ging. Da war sie dann nicht mehr aufzuhalten", erklärte Canyon-Sportchef Rolf Aldag im Interview mit der ARD.

Voller Teameinsatz für Gelb

Canyon-SRAM zeigte auf der 9. Etappe eine herausragende Mannschaftsleistung. Trotz eines vorherigen Sturzes forcierte Bäckstedt bei der zweiten von vier Col d’Eze-Passagen knapp 70 Kilometer vor Schluss bereits das Tempo, sicherte sich kampflos die Bergwertung und dünnte das Peloton drastisch aus. Als Bäckstedt ausscherte, übernahm Antonia Niedermaier (Canyon - SRAM) die Tempoarbeit. Neben dem Einsatz für ihre Kapitänin hatte die Deutsche jedoch ebenso eigene Ambitionen, die sich in ihrem Fall voll erfüllten.

Nachdem Niewiadoma attackierte, hielt sich Niedermaier in der Gruppe der Verfolgerinnen, zu denen schließlich ihre Kapitänin wieder zurückfiel, und sicherte sich souverän das Weiße Trikot der Nachwuchswertung vor Paula Blasi (UAE -L’IMAD), sowie den vierten Gesamtrang. “Es war eine supertolle Tour und ich freue mich, dass es so ein super Ergebnis geworden ist. Leider ist es für Kasia nicht Gelb geworden, wir sind aber trotzdem superstolz auf sie", sagte die 23-jährige Deutsche der ARD.

Auch ohne das Gelbe Trikot kann die Mannschaft mit dem Sieg in der Nachwuchswertung, dem zweiten und vierten Gesamtrang sowie einem Etappensieg durchaus zufrieden sein." Wir hatten eine tolle Rundfahrt", befand Teamchef Ronny Lauke. Nach dem Ärgernis vom Vortag zeigte sich Niewiadoma als faire Verliererin, die anerkennen konnte, wenn sie auf der Straße sportlich geschlagen wird.

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