RSNplusSchweizerin auf der Suche nach Grund für ihren Einbruch

Reusser spricht über ihr Tour-Drama: “Das ist jetzt das Rätsel“

Von Felix Mattis

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Marlen Reusser (Movistar) gingen am Schlusswochenende der Tour die Kräfte aus. | Foto: Cor Vos

10.08.2026  |  (rsn) – Marlen Reusser steht vor einem Rätsel. Wie die Schweizerin am Tag nach dem Ende der Tour de France Femmes (2.WWT) in einer schwyzerdütschen Online-Medienrunde erklärte, seien sie und auch die Experten im Movistar-Team noch nicht dahinter gestiegen, weshalb sie am Schluss-Wochenende der Frankreich-Rundfahrt auf den Etappen 8 und 9 in Nizza nicht mehr ihr volles Leistungsvermögen abrufen konnte und den Traum vom Podestplatz begraben musste.

"Ich habe die letzten zwei Tage aus irgendeinem Grund, und das ist jetzt das große Rätsel, nicht mehr so gut treten können", sagte die 34-Jährige, die für das Gespräch, an dem auch radsport-news.com teilnahm, einen Zwischenstopp auf ihrem Heimweg von Nizza nach Andorra einlegte und sich von einer südfranzösischen Tankstelle meldete.

"Irgendwie habe ich die Kraft nicht mehr richtig aufs Pedal gebracht. Aber wo das herkommt, wieso das so ist – das ist schwer zu sagen. Die Coaches und auch das Ärzteteam sind überfragt und das ist jetzt das Rätsel, dem wir auf den Grund gehen müssen", so Reusser, die klassische Fehler wie Dehydrierung oder auch schlechte Ernährung ausschließen könne. ___STEADY_PAYWALL___

"Vielleicht ist es komplexer, als wir denken. Wir müssen auf jeden Fall nach dem Grund suchen, aber es ist auch nicht so einfach, eine Tour de France zu simulieren um dann zu schauen, was warum passiert", führte sie weiter aus und dachte auch im Mediengespräch weiter nach:

"Vielleicht ist das auch mein Schwachpunkt?"

"Die Wattwerte, die ich gefahren bin, sind normalerweise sicher nicht der Punkt, an dem ich an der Grenze bin. Aber auf der anderen Siete: Was ist schon normalerweise? Es waren Tag acht und Tag neun bei der Tour de France. Vielleicht ist das auch mein Schwachpunkt? I don't know!"

Am Mont Ventoux auf Etappe 7 musste Reusser ihr Gelbes Trikot abgeben. | Foto: Cor Vos

Reusser erklärte, dass ihre Erholungswerte auch in Ordnung gewesen seien und sie abseits vom Rad keine besonderen Schwäche-Erscheinungen gehabt habe. "Natürlich habe ich morgens nicht gesagt: Boah, noch nie so gut gefühlt! Natürlich war ich nicht mehr ganz erholt, aber ich denke das war im Rahmen", meinte sie und sagte mit Bezug auf die Nacht nach der großen Enttäuschung von Nizza: "Es war keine grandiose Nacht, aber ich denke das ist auch klar am Ende der Tour. Mir geht es an sich gut – c'est la vie!"

Sie sei in jedem Fall extrem enttäuscht, erklärte die Zeitfahr-Weltmeisterin, die sich an den ersten Tour-Tagen souverän unter den Besten hielt, dann auf Etappe 4 das Einzelzeitfahren von Dijon gewann und dort das Gelbe Trikot übernahm, das sie anschließend bis zur Bergankunft am Mont Ventoux auf Etappe 7 trug. Dort musste sie es an Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) weiterreichen, schien aber immer noch alle Chancen auf den Tour-Sieg und den Podestplatz quasi sicher zu haben – bei mehr als zwei Minuten Vorsprung auf die Gesamtvierte Elisa Longo Borghini (UAE Team L'Imad).

"Der Sturz ist eigentlich 'Peanuts' im Vergleich zur Enttäuschung"

Schon auf Etappe 8 am Samstag hatte Reusser dann aber nicht mit den drei Besten – Demi Vollering, Niewiadoma und Longo Borghini – im Finale mithalten können und eine gute halbe Minute verloren. Am Sonntag dann kam der totale Einbruch: Schon bei der zweiten von vier Col d'Eze-Passagen musste sie 67 Kilometer vor dem Ziel abreißen lassen.

Marlen Reusser leidet am Col d'Eze auf der Tour-Schlussetappe. | Foto: Cor Vos

Bei der anschließenden Jagd, um wieder nach vorne zu kommen, kam Reusser in der Abfahrt dann auch noch zu Fall – und als sie dort auf dem Asphalt saß, wurde ihr klar: Das war's endgültig mit dem Podium. "Ich wurde aber schon vorher abgehängt. Der Sturz ist also nicht der Grund, warum ich das Tour-Podium verloren habe", wollte Reusser keine Ausrede suchen. Nicht Pech sondern schlicht die eigene Leistung kosteten den Podestplatz – und entsprechend sei nun auch die Gefühlslage: "Ich habe natürlich Schürfwunden und bin auch am Thorax etwas geprellt. Aber, schaut: Der Sturz ist eigentlich 'Peanuts' im Vergleich zu der Enttäuschung, das Tour-Podium verloren zu haben!"

Nachdem sie einige Zeit auf dem Asphalt in der Abfahrt vom Col d'Eze-Abfahrt gesessen hatte, fuhr Reusser die Schlussetappe gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen in einer Art Prozession noch zu Ende, kam aber erst mit 24:35 Minuten Rückstand auf Siegerin Vollering an und rutschte in der Gesamtwertung vom Podestplatz noch bis auf Rang 14 ab – 10:43 Minuten hinter den Top 10 und 19:44 Minuten hinter den Top 5.

Top 10 kamen Reusser nach Sturz gar nicht in den Sinn

"Für mich war wirklich das Podium das, was zählt. Mir war dann klar, dass das weg ist und mir ist nicht mal in den Sinn gekommen, dass es noch für eine Top 10 reichen könnte. Das ist jetzt gerade das erste Mal, dass ich darüber nachdenke", erklärte sie auf Nachfrage von radsport-news.com die völlige Kapitulation. "In dem Moment habe ich da gar nicht drüber nachgedacht und das war mir völlig wurscht. Ich bin sogar erstaunt, dass ich immer noch 14. geworden bin!"

Nachdem Reusser beim Giro d'Italia 2025 im Rosa Trikot krank wurde und auf der vorletzten Etappe die Gesamtführung an Longo Borghini abgeben musste, damals aber immerhin noch Gesamtzweite wurde, war das Ende der Tour de France 2026 nun ein noch schwererer Tiefschlag – und das, obwohl das Rennen an sich, genau wie damals der Giro, zunächst wirklich stark war. Das konnte sie nun mit etwas Abstand 'am Tag danach' auch über die Tour bereits sagen – vor allem mit Blick auf ihre Vorgeschichte, die Wirbelfraktur bei der Flandern-Rundfahrt Anfang April.

Marlen Reusser nach der Übernahme des Gelben Trikots im Zeitfahren von Dijon. | Foto: Cor Vos "Grundsätzlich ist die Tour de France wirklich gut gewesen für mich. Schon wenn man es ungeachtet dessen anschaut, wo ich hergekommen bin vorher, war es wirklich gut: Ich bin absolut um den Sieg mitgefahren. Wenn man dann noch schaut, wo die anderen herkommen und wo ich herkomme und wie die letzten Monate waren, dann darf ich wirklich sehr stolz sein", befand die 34-Jährige. "Aber es ist halt immer das zentral im Kopf, was als letztes passiert ist – und das war eben diese Enttäuschung!"

Nach der Rückkehr nach Andorra und etwas Erholung stehen für Reusser in den nächsten Tagen Windkanaltests an – und dann beginnt bereits die Vorbereitung auf das nächste Highlight: die Weltmeisterschaften Ende September im kanadischen Montréal.

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