RSNplus“Werden sie hoffentlich zur Tour-Siegerin machen“

Heute Weiß, bald Gelb? Canyons Zukunft heißt Niedermaier

Von Felix Mattis

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Antonia Niedermaier (Canyon - SRAM) strahlt im Weißen Trikot der besten Nachwuchsfahrerin bei der Tour de France Femmes 2026. | Foto: Cor Vos

09.08.2026  |  (rsn) – Ruhig und abgeklärt, aber mit ihrem typischen, sympathischen Lächeln im Gesicht: So stand Antonia Niedermaier in Nizza nach der Schlussetappe der Tour de France Femmes (2.WWT) am ARD-Mikrofon – als Gewinnerin des Weißen Trikots der besten Nachwuchsfahrerin, und als Gesamtvierte dieser Frankreich-Rundfahrt. Beides errungen, obwohl die 23-Jährige vom Leipziger Team Canyon - SRAM die ganze Woche primär für ihre polnische Kapitänin Katarzyna Niewiadoma gearbeitet hatte.

Niedermaier fuhr auch am Sonntag wieder Tempo im Feld, bevor Niewiadoma beim letzten Aufstieg auf den Col d'Eze ihren letzten Angriff aufs Gelbe Trikot von Demi Vollering startete. Und trotzdem schaffte es die Bayerin anschließend, sich in der ersten Verfolgerinnengruppe um das UAE-Duo Elisa Longo Borghini und Paula Blasi zu halten, um schließlich mit ihnen gemeinsam das Ziel zu erreichen und durch das Drama um Marlen Reusser (Movistar) noch auf Gesamtrang vier aufzurücken.

"Ich glaube, es dauert immer noch ein bisschen, bis man das realisiert", lachte sie, von ARD-Reporterin Stephanie Müller-Spirra auf ihr "historisches" Abschneiden angesprochen. "Historisch", ein schöner Sportreporter-Begriff, weil so wenig greifbar. Konkret: Niedermaier gewann als erste Deutsche das Weiße Trikot bei der im Jahr 2022 wiedereingeführten, 'neuen' Frauen-Tour, und kam auch als erste Deutsche in die Top 5. Das gelang zuletzt, bei der 1993 eingestellten 'alten' Tour de France féminin im Jahr 1987, Ute Enzenauer, die damals im Alter von 22 Jahren hinter Jeannie Longo und Maria Canins Gesamtdritte wurde und in Paris auf dem Podium stand. ___STEADY_PAYWALL___

Aldag: "Irgendwann wird sie hoffentlich die Farbe tauschen"

Doch Historie hin oder her, in Sachen Niedermaier zählt nicht gestern, sondern morgen. Wie das Weiße Trikot symbolisiert, steht die gebürtige Rosenheimerin für die Zukunft im deutschen Frauen-Radsport – und auch die Zukunft bei ihrem Team Canyon – SRAM. Da Niewiadoma dort vor dem Abschied steht und Niedermaier noch bis 2028 unter Vertrag ist, wird sie ihre zweite Tour im Jahr 2027 dann wohl als Kapitänin bestreiten.

Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) führt die Favoritinnengruppe auf der Schlussetappe der Tour den Col d'Eze hinauf. | Foto: Cor Vos

"Sie ist noch bis 2028 bei uns. Darüber bin ich sehr glücklich. Was danach passiert, weiß ich nicht. Aber zumindest haben wir jetzt erstmal zwei Jahre, in denen wir mit ihr gut arbeiten können. Sie ist happy, wir sind happy mit ihr. Wir werden sie weiter entwickeln und hoffentlich zur nächsten Tour-Siegerin machen. Das ist unser Ziel", benannte Canyon-Teamchef Ronny Lauke ganz klar, wo die Reise hingehen soll.

"Antonia ist jetzt mit 23 Jahren Zweite beim Giro geworden, jetzt hier Vierte und hat das Weiße Trikot geholt. Ich glaube, die Perspektive könnte mit ihr nicht besser sein. Sie hat das Potenzial. Sie hat noch Reserven. Sie kann noch viel lernen und reifen. Da wollen wir sie begleiten und ihr helfen", so der 49-Jährige, und auch Sportchef Rolf Aldag meinte: "Irgendwann wird sie hoffentlich die Farbe tauschen: von Weiß zu Gelb."

Beeindruckende Erfolge in jungen Jahren

Als riesiges Talent gilt Niedermaier schon seit sie im Straßen-Radsport aufgeschlagen ist. Die ehemalige Skibergsteigerin wurde 2021 bereits WM-Dritte der Juniorinnen im Einzelzeitfahren, bekam 2022 einen Vertrag im Canyon – SRAM Generation-Team, der Devo-Mannschaft von Canyon – SRAM, und gewann dort prompt die Ardèche-Rundfahrt (2.1).

Niedermaier als Etappensiegerin beim Giro 2023 in Ceres. | Foto: Cor Vos

2023 fuhr sie mit dem Giro d'Italia ihr erstes WorldTour-Rennen und gewann prompt eine schwere Bergetappe in Ceres, nur um tagsdrauf durch einen von Urska Zigart verursachten Sturz auszuscheiden. Trotzdem wurde sie anschließend U23-Weltmeisterin und holte U23-EM-Silber jeweils auf dem Zeitfahrrad. 2024 dann bestritt Niedermaier Vuelta (Gesamt-11.) sowie Giro (Gesamt-6.) und beeindruckte bei der WM in Zürich: Vierte im Elite-Zeitfahren und damit erneut U23-Weltmeisterin, U23-Bronze im Straßenrennen und als Motor des Frauen-Trios in der Mixed Staffel nur um 0,9 Sekunden am ersten Elite-Titel vorbei.

Und es ging immer so weiter: 2025 wurde Niedermaier Giro-Fünfte sowie jeweils Sechste im Einzelzeitfahren sowie dem Straßenrennen der Elite bei den Weltmeisterschaften von Ruanda – und 2026 nun ist sie tatsächlich Giro-Zweite sowie Tour-Vierte und beste Nachwuchsfahrerin der Frankreich-Rundfahrt. Kein Wunder, dass man bei ihrem Arbeitgeber schon von der Zukunft träumt – zumal auch Niewiadoma während dieser Tour immer wieder betonte, wie weit es ihre Edelhelferin künftig bringen kann, nein definitiv wird.

Niedermaier: "Freue mich aufs Daheimsein am meisten"

Niedermaier selbst aber blieb sich treu: zurückhaltend, freundlich und demütig, wie sie eben ist. "Ich freue mich tatsächlich auf das Daheimsein am meisten. Am See liegen, mit Frida (ihrer Hündin, Anm. d. Red.) und mit Jakob (ihrem Freund, Anm. d. Red.) einfach die Zeit genießen. Und ein bisschen Ruhe", sagte sie der ARD mit Blick auf die nähere Zukunft und gab zu, dass die vergangenen Tage doch auch für sie ganz schön fordernd waren:

Riesiger Jubel gemeinsam mit Kasia Niewiadoma (rechts) über deren Sieg auf dem Mont Ventoux. | Foto: Cor Vos

"Ich würde sagen, eine Kombination aus der Länge, der Hitze und der Härte der Rennen. Das war auf jeden Fall eine sehr herausfordernde Tour! Ich muss sagen, beim Giro, den ich in den vergangenen Jahren öfter gefahren bin, hatte ich das noch nie so, dass es jeden Tag so hart war", so Niedermaier, die aber dann auch anfügte: "Aber es war auch irgendwie schön."

Es schön zu finden, wenn es hart war – das ist eben das, was man braucht, wenn man eines Tages auf dem Tour-Podium stehen will.

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