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11.08.2026 | (rsn) – Der Vorfall zwischen Kasia Niewiadoma-Phinney (Canyon - SRAM) und Celia Gery (FDJ United – Suez) in Nizza am vorletzten Tag der Tour de France Femmes (2.WWT) sorgte international für viel Aufsehen. Die Polin, die in ihrer Karriere schon viele Niederlagen einstecken musste und das stets gefasst tat, beschuldigte die junge Französin ihrer Kapitän Demi Vollering in der letzten Kurve vor der entscheidenden Mauer den Weg freigeblockt zu haben. Und tatsächlich zeigten später aufgetauchte Aufnahmen, dass Gery in jener Kurve zunächst hinter Niewiadoma-Phinney war, um dann noch mal Gas zu geben, um vor die Canyon-Fahrerin zu kommen und diese letztendlich an den Streckenrand zu drängen.
Niewiadoma-Phinney konnte die entstandene Lücke auf Vollering noch einmal schließen, musste weiter oben im Anstieg dann aber doch reißen lassen, woraufhin sie einbrach und ihren Rückstand im Ziel nur durch die Hilfe von Elisa Longo Borghini (UAE - L’IMAD) auf 17 Sekunden beschränken konnte. Ihr Gelbes Trikot verlor sie an die Tagessiegerin, doch der ganze Vorfall spielte zumindest sportlich am nächsten Tag schon keine Rolle mehr, da Vollering die Abschlussetappe mit mehr als einer Minute Vorsprung für sich entschied und somit auch ihre zweite Tour de France gewann.
Doch damit war die Sache noch nicht ad acta gelegt. Im Gespräch mit Wielerflits hatte Stephen Delcourt, Teamchef von FDJ United – Suez, forderte vor der Schlussetappe eine Entschuldigung von Niewiadoma-Phinney. “Ich möchte Kasia nicht kritisieren. Sie ist ein echter Champion und eine besondere Frau. Und ich möchte kein Urteil fällen. Schließlich ist es nach acht Renntagen verständlich, dass sie emotional reagiert. Aber es wäre nur normal, wenn sie sich heute entschuldigen würde, nachdem sie sich das Video angesehen hat. Célia ist 20 Jahre alt“, so der Franzose.
Fast zeitgleich stellte sich Niewiadoma-Phinney der versammelten Presse und natürlich ging es auch dort um den Zwischenfall. Die Ventoux-Siegerin hatte die Aufnahmen inzwischen ebenfalls gesehen und ihre Meinung nicht geändert. “Ich war nach der Etappe sehr frustriert, aber im Rückblick lässt sich die Vergangenheit nicht mehr ändern“, bereute sie scheinbar ihre Reaktion. Was geschehen war, bewertete sie aber nicht anders: “Nein, ich war mitten im Rennen; ich weiß, wie es sich angefühlt hat. Ich fahre schon seit Jahren Rennen; ich weiß, was richtig ist und was nicht. Ich denke mir nichts aus. Ich habe meine Meinung geäußert, und daran hat sich nichts geändert.“
Nach der Schlussetappe rollte Niewiadoma-Phinney trotzdem in ein Wielerflits-Interview mit Lars Boom, dem Sportlichen Leiter von FDJ United – Suez. “Glückwunsch! Ich habe mit Demi gesprochen. Es tut mir leid, dass es jetzt so gelaufen ist“, sagte sie dem Niederländer. “So was würde ich nie machen und du weißt, dass wir nicht so sind“, meinte der mit Blick auf die Aktion von Gery. “Ich weiß, aber es hat anders ausgesehen, aber…ja…Glückwunsch“, beendete die Tour-Zweite das kurze Gespräch.
Damit scheint die Luft bereinigt, doch Vollering äußerte sich im Ziel-Interview ebenfalls noch. Sie bezog sich dabei allerdings vor allem auf Gery. Die hatte über Nacht online Morddrohungen erhalten. “Dieser letzte Sieg war auch für Celia. Das alles hat sie sehr mitgenommen; soziale Medien können eine hässliche Sache sein. Die Leute sagen Dinge, ohne nachzudenken – es ist traurig, das zu sehen“, so Vollering. “Sie ist erst zwanzig Jahre alt und unglaublich talentiert. Letztendlich wollen die Medien immer Drama. Es war so ein kleiner Vorfall, und doch wurde er völlig aufgebauscht“, gab sie der Presse Schuld an den Folgen.
Auch an Niewiadoma-Phinney richtete sie sich noch. “Ich habe ihr gesagt, dass ich sehr enttäuscht darüber war, dass sie direkt nach dem Ziel ein solches Interview gegeben hat. In solchen Momenten ist man voller Emotionen – Emotionen, die man eigentlich im Zaum halten muss –, und am Ende sagt man Dinge, die man gar nicht so meint. Jetzt ist es Celia, die dafür büßen muss.“