RSNplusNiewiadoma und Niedermaier imponieren

Canyon - SRAM nun mit Gelb und Weiß in Richtung Nizza

Von Felix Mattis vom Mont Ventoux und Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Canyon - SRAM nun mit Gelb und Weiß in Richtung Nizza"
| Foto: Cor Vos

07.08.2026  |  (rsn) – Doppelspitze oder nicht? Das schien bei Canyon – SRAM bei dieser Tour de France Femmes zumindest anfangs nicht ganz klar. Die Aussagen des deutschen Teams widersprachen sich vor dem Grand Départ etwas, Kasia Niewiadoma-Phinney sollte die Nummer 1 sein, über die Rolle der Giro-Zweiten Antonia Niedermaier gab es dagegen etwas mehr Unklarheit. 

Spätestens nach der 7. Etappe bestehen aber keine Zweifel mehr, denn obwohl die deutsche Tour-Debütantin als Sechste am Mont Ventoux erneut eine tolle Kletterleistung zeigte, wurde sie von ihrer polnischen Teamkollegin in den Schatten gestellt. Die 31-jährige Niewiadoma-Phinney nämlich gewann die Königsetappe in überragender Manier und schnappte am 1.910 Meter hohen "Riesen der Provence" zudem Marlen Reusser (Movistar) das Gelbe Trikot ab. ___STEADY_PAYWALL___

Damit ist klar: Der fünfte Gesamtrang und das Weiße Trikot von Niedermaier spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Auf den letzten zwei Teilstücken rund um Nizza zählt einzig der Gesamtsieg - auch für Niedermaier. “Es wird auf jeden Fall sehr, sehr hart werden, aber wir sind sehr gut vorbereitet“, befand die 23-Jährige im ARD-Interview. “Wir werden auf jeden Fall versuchen, dieses Gelbe Trikot mit nach Hause zu nehmen. Das ist die ganz klare Ansage. So werden wir auch fahren“, bestätigte Rosa Maria Klöser am Ventoux gegenüber RSN.

Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM) führt ihre Teamkollegin Kasia Niewiadoma in den Mont Ventoux hinein. | Foto: Cor Vos

Die Gravel-Spezialistin war nicht mehr in der Gruppe der Favoritinnen, als ihre Kapitänin neun Kilometer vor dem Ziel attackierte. Niedermaier hatte kurz zuvor noch für Tempo gesorgt, ehe eine Attacke von Demi Vollering (FDJ United – Suez) dazu führte, dass die Niederländerin mit Marlen Reusser (Movistar) und Niewiadoma-Phinney davongefahren war. “Bis zum Mont Ventoux war es der entspannteste Tag bisher, aber dann nicht mehr so“, lachte Niedermaier. “Das Stück im Wald war superhart, wo auch die Gruppe mit Marlen, Demi und Kasia weggefahren ist“, blickte sie zurück.

Cleverer Angriff im Wald

In jenem Waldstück setzte sich Niewiadoma-Phinney dann von ihren beiden Begleiterinnen ab. “Sie ist sehr mutig gefahren und hat früh attackiert. Ich glaube nicht, dass viele gedacht hätten, dass sie mit dem Wind so gut klarkommt. Sie hat es einfach toll gemacht“, befand Niedermaier. 

Dass der Angriff schon so früh erfolgte, war von langer Hand geplant, wie die Polin im Flash-Interview verriet: “Meine Idee war es, dass ich vor dem Chalet Reynard, sechs Kilometer vor dem Ziel, bereits alleine sein musste. Ich wusste, dass die Verfolgerinnen bei dem Wind heute so lange wie möglich am Hinterrad bleiben wollen. Nach dem Chalet hatte ich dann viel Gegenwind, das war natürlich nicht schön für mich. Aber ich wusste, dass sie hinter mir Spielchen spielen würden.“

Kurz vor der Ziellinie: Niewiadoma auf dem Weg ins Gelbe Trikot | Foto: Cor Vos

Mit der Einschätzung behielt sie Recht. Reusser und Vollering beäugten sich und lagen zeitweise fast zwei Minuten hinter der Spitzenreiterin. Niedermaier erging es derweil komplett anders. Am Hinterrad von Elisa Longo Borghini, Paola Blasi (beide UAE – L’IMAD) und Cedrine Kerbaol (EF Education – Oatly) versteckte sie sich die letzten Kilometer vor dem Wind. “Oben raus, als der Wind dann kam, war ich sehr froh, dass ich in der Gruppe war mit vier Leuten. Es ist dann schon entspannter, wenn man etwas aus dem Wind bleiben kann“, urteilte sie.

"Unfassbar stolz" auf Queen K  

Zeitweise sah sie dabei so locker aus, dass sogar der Sprung zu Vollering und Reusser, die zwischenzeitlich nur noch zehn Sekunden Vorsprung aufwiesen, möglich schien. “Mit dem Wind wäre es schwierig geworden, deshalb bin ich einfach in der Gruppe geblieben. Das Tempo war jetzt nicht auf Anschlag, aber ein ganz flottes Tempo und das hat dann schon ganz gut gepasst“, erklärte Niedermaier gegenüber RSN. Letztendlich kam sie auch knapp hinter den beiden UAE-Fahrerinnen ins Ziel, Kerbaol konnte sie noch um 13 Sekunden distanzieren.

Auf dem Podium konnte die neue Trägerin des Gelben Trikots die Tränen nicht zurückhalten. | Foto: Cor Vos

Am Schlusswochenende der Tour werden sowohl Niedermaier als auch Klöser wieder als Helferinnen unterwegs sein. Für Tour-Debütantin Klöser definitiv kein Problem. “Wir sind natürlich unfassbar stolz. Queen K hat heute richtig gezeigt. Wir standen von Anfang an zu hundert Prozent hinter ihr und sie hat gezeigt, was sie kann“, sagte sie. 

Niedermaier erwartet hingegen eine schwerere Aufgabe: “Man hat jetzt schon etwas Druck und Verantwortung, wenn man das Gelbe Trikot hat, weil alle Teams auf dich schauen. Aber man ist auch erleichtert, dass die Queen Stage vorbei ist und man es so machen konnte", sagte die Rosenheimerin.

Sollte es mit dem nach 2024 f zweiten Toursieg für Niewiadoma-Phinney klappen, sollte sich Niedermaier jedenfalls an die Fersen ihrer Landsfrau und Teamkollegin heften. RSN fragte beide, ob sie für Sonntag in Nizza “schon etwas gebucht hätten“. Während Niedermaier mit “Nein, noch nicht, aber wir werden sicher was finden, denke ich mal“, antwortete, verriet Klöser, dass sie bereits etwas habe. 
Und das eröffnet dann sicher auch für die Giro-Zweite Möglichkeiten.

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