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08.08.2026 | (rsn) – Nach ihrem “Stunt“ am Mont Ventoux ist Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM) ihr Gelbes Trikot am Samstag gleich wieder losgeworden. Demi Vollering (FDJ United – Suez) distanzierte die Polin kurz vor der Kuppe der letzten Rampe. Im Ziel der 8. Etappe der Tour de France Femmes 2026 galt Niewiadomas Ärger jedoch erst einmal Vollerings Teamkollegin Célia Gery. “Ich war am Anfang des Anstiegs enorm wütend. Gery hat mich absichtlich in die Bande gedrängt, weswegen ich rausnehmen musste“, echauffierte sich die Tour-Siegerin von 2024 bei Eurosport. “Wenn sie Rennen fahren wollen, sollen sie fair fahren und nicht versuchen, mich einzubauen. Das ist so kindisch. Ich habe heute jeglichen Respekt vor ihnen verloren.“
Gery war die letzte Helferin für Vollering und bereitete den Angriff der Niederländerin vor. “Das Ziel für Célia war es, kurz vor der Kurve die Position mit Vollering zu tauschen“, erklärte Lars Boom, der Sportdirektor des FDJ-Teams, den Plan. “Das hat sie gemacht, damit das Hinterrad frei bleibt nach der Attacke von Demi.“ Die Situation war in der Live-Übertragung nicht eindeutig zu erkennen. Die Perspektive änderte sich direkt in der Kurve. Das Kameramotorrad vor dem Feld zeigte lediglich, dass Vollering direkt aus der scharfen Linkskurve am Fuße des Anstiegs beschleunigte, Gery an der Außenbande zurückfiel und Niewiadoma um die junge Französin etwas ausweichen musste.
“Ich kenne Célia. Sie würde niemanden freiwillig in die Absperrung drängen“, äußerte sich Boom bei Eurosport zu der strittigen Szene. “Unsere Werte bedeuten nicht, jemanden von der Strecke zu drängen und ich denke, Kasia weiß das auch.“ Die Polin hingegen war auch etliche Minuten nach der Zielankunft noch aufgebracht. Die 31-Jährige konfrontierte Gery selbst, als die gerade Interviews für das französische Fernsehen gab.
Das niederländische Nachrichtenportal Wielerflits filmte die Situation. “Warum hast du das getan? Warum hast du mich an die Bande gedrängt?“, sagte Niewiadoma zur französischen Meisterin. “War das ein Teil eures Plans?“ Gery antwortete nicht und fuhr auf ihrem Rad einfach weiter. Mitglieder des Canyon-Staffs versuchten, ihre Fahrerin zu beruhigen. “Nein! Warum? Sie muss auch antworten!“, reagierte sie und war weiterhin nicht zu beruhigen.
Auch ihr Teamchef Ronny Lauke war im Ziel erbost: "Es geht um das Gelbe Trikot. Da werden auch die Ellbogen ausgefahren", sagte er in der ARD. "Es gab da am letzten Anstieg anscheinend eine Situation, in der eine Helferin der gegnerischen Mannschaft(en) Kasia direkt gesucht hat und versucht hat, sie aus dem Rennen zu nehmen. Das war leider zu erwarten. Aber wir werden damit umgehen und morgen versuchen zurückzuschlagen."
Zum Zeitpunkt von Vollerings Flash-Interview als Etappensiegerin war die Situation noch nicht bekannt. Die Niederländerin wurde somit noch nicht zur Situation befragt. Teamkollegin Franziska Koch war zu diesem Zeitpunkt schon abgehängt. “Ich habe das Finale nicht gesehen. Ich bin gerade erst angekommen. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist. Ich kann dazu nichts sagen“, erklärte die Deutsche Meisterin gegenüber Eurosport.
Das Duell um den Gesamtsieg bei der Tour de France Femmes hat noch ein weiteres, persönliches Kapitel bekommen. Auf der schweren, 99 Kilometer langen Schlussetappe werden hoffentlich ausschließlich die Beine sprechen. Das haben sie auch auf der 8. Etappe, wand der sportliche Leiter von Canyon - SRAM, Rolf Aldag, ein: "Demi war einfach super stark heute. Sie hat alle anderen heute einfach abgehängt. Die Rampe war dann so zehn Meter zu lang", sagte er. Und der Plan für den Schlusstag steht in groben Zügen: "Wir müssen Demi abhängen."