RSNplusVisma will bei Vuelta Teamrekord verbessern

“Immer ein Schachspiel“: Kruijswijk als starker Flachlandhelfer

Von Kevin Kempf

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Steven Kruijswijk (Visma - Lease a Bike) fängt bei der Vuelta a Espana viel Wind. | Foto: Cor Vos

08.09.2026  |  (rsn) – Wer trägt Gelb, kämpft sich durch Spanien und kann wie eine Zitrone bis zum letzten Tropfen ausgequetscht werden? Die Antwort lautet: Steven Kruijswijk. Der Niederländer, der beim Giro d’Italia 2016 am Colle dell'Agnello den sicher geglaubten Gesamtsieg durch einen Saltosturz noch aus der Hand gegeben hatte, ist bei Visma - Lease a Bike in der letzten Phase seiner Karriere zum Flachlandhelfer umgeschult worden. 

Bei der Vuelta a Espana ist er mitverantwortlich für die bisher sechs Etappensiege, die Matthew Brennan und Wout van Aert eingefahren haben - für den bisher letzten sorgte der 21-jährige Brite am Dienstag in La Rabida. ___STEADY_PAYWALL___

39 Jahre ist Kruijswijk inzwischen alt und nach der Spanien-Rundfahrt ist Schluss für den Nordbrabanter. Alle seine 17 Profijahre absolvierte Kruijsiwjk beim Visma-Team beziehungsweisse dessen Vorgängern. Von 2007 bis 2010 fuhr er zudem für das hauseigene Development-Team. Bis zum Kariereende muss der Routinier noch fünf Etappen absolvieren – und zwei davon wohl in der derselben Rolle wie auf der 16. Etappe.

Matthew Brennan (Visma – Lease a Bike) holte sich auf der 16. Etappe der Vuelta a Espana seinen bereits vierten Tagessieg. | Foto: Cor Vos

“Es ist anfangs immer ein Spiel. Wir haben die Mission zu sprinten und viele Teams wissen das. Deswegen versuchen viele, in die Gruppe zu gehen. Wir versuchen dann, die Gruppe so gut wie möglich zu kontrollieren. Wir wollen dafür sorgen, dass nicht so viele starke Fahrer dabei sind“, erklärte er gegenüber Eurosport die erste Phase der Flachetappen dieser Spanien-Rundfahrt. “Es ist immer ein Schachspiel. Als es dann soweit war, war es heute an mir und Jörgen (Nordhagen), die ersten 130 Kilometer zu kontrollieren“, fügte er an.

Wie er selbst, so ist auch der junge Norweger eher als Bergfahrer bekannt. Auf dem Papier also kein ideales Duo, um auf flachem Terrain Gruppen im Zaum zu halten. Doch: Entscheidend ist auf dem Platz, wie schon Adi Preißler wusste. “Wir mussten dann einfach das gleiche Tempo wie die fünf Ausreißer fahren. Und dann muss man sehen, wer zuerst leidet. Zum Glück haben sie zuerst nachgegeben", erzählte Kruijsiwjk.

"Ich werde diese Vuelta alles für die Jungs geben“

So scherzte Eurosport-Interviewer Anders Mielke ob der Leistung Kruijswijks, dass der in der Form seines Lebens sei. ”Es ist nicht das beste Jahr meiner Karriere, dafür aber das letzte. Und das hier ist mein letztes Rennen“, antwortete der. “Ich habe dem Team gesagt, sie können mich wie eine Zitrone bis zum letzten Tropfen ausquetschen. Ich werde diese Vuelta alles für die Jungs geben“, fügte er an.

Vuelta-Sieggaranten für Visma: Wout van Aert (li.) und Matthew Brennan | Foto: Cor Vos

In der kargen andalusischen Landschaft - eher geprägt von Orangen- und Olivenhainen - ist Kruijswijk als inzwischen "sonnengereifte Zitrone" eher die Ausnahme. Doch was selten ist, ist wertvoll. Und der Wert des Tour-Dritten von 2019 ist nach der Aufgabe von Christophe Laporte weiter gestiegen. “Wir setzen uns als Team voll ein. Wir sind noch zu sechst. Aber wir haben Leute wie Matthew und Wout, die einander auch viel geben, um zu ihren Siegen zu kommen. Das war jetzt Nummer sechs! Das macht das Leiden einfacher“, erzählte Kruijswijk.

Holt Brennan den Dachs ein?

Und der Erfolg vom Dienstag soll nicht der letzte gewesen sein. Schon die 17. Etappe bietet eine weitere große Chance und auch zum Vuelta-Abschluss in Granada sind van Aert und Brennan favorisiert. So haben die "Killer Bees" einen neuen Team-Rekord im Visier, nachdem sie diesen heute egalisiert haben: “Wir haben nie mehr als sechs Etappen in einer Grand Tour gewonnen. Das ist eine Herausforderung. Die haben wir akzeptiert. Auf geht‘s!“, sagte Kruijswijk.

Im Jahr 2022 hatte Jumbo – Visma sechs Etappen der Tour de France gewonnen. Zwei gingen damals an van Aert, zwei an Jonas Vingegaard und je eine an Laporte und Primoz Roglic. Dass dieser Rekord geknackt wird, scheint wahrscheinlich, denn “mit so einem Leadout ist Brennan wohl unschlagbar“, wie der Tagesdritte Vito Braet (Lotto – Intermarché) gegenüber Eurosport neidlos anerkannte.

Nach der Vuelta ist Schluss: Steven Kruijswijk (Visma – Lease a Bike) | Foto: Cor Vos

Sollte Brennan noch ein weiteres Teilstück für sich entscheiden, wird er auch in die Geschichtsbücher eingehen. Mit seinem Sieg in La Rabida zog er mit Fernando Gaviria gleich, der bei seiner Grand-Tour-Premiere 2017 vier Abschnitte des Giro d’Italia gewann. Einen mehr schaffte nur Bernard Hinault 1978 als Debütant bei der Vuelta a Espana, die er wie die Tour de France im Anschluss auch für sich entschied. Mit noch zwei anstehenden Sprintetappen könnte Brennan also einen neuen Rekord aufstellen.

Und van Aert zeigte sich diesbezüglich bei Eurosport ausgesprochen zuversichtlich: “Wir sind hier, um mehr zu gewinnen, auch wenn wir sehr glücklich darüber sind, was wir schon gewonnen haben. Wenn man sich anschaut, wie Matthew sprintet, hoffen wir…“, sagte der Belgier, dem das Grüne Trikot kaum mehr zu nehmen sein wird.

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