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23.09.2026 | (rsn) - Als Isabella Holmgren (Lidl - Trek) im Februar 2023 über das Gelände der Crossweltmeisterschaften in Hoogerheide schlenderte, nahm kaum jemand Notiz von der jungen Frau. Nur wenige Stunden zuvor war die damals 18-jährige Kanadierin Weltmeisterin in der U19-Klasse geworden - und hatte damit etwas Historisches erreicht: erstmals für ihr Land eine Medaille bei Querfeldeintitelkämpfen zu erringen.
Wenige Monate danach streifte sie sich ein weiteres Regenbogentrikot über, als sie in Glasgow Juniorenweltmeisterin im MTB wurde. Binnen weniger Monate sollte Holmgren einen Weg beschreiten, der stark an den von Puck Pieterse (Fenix - Premier Tech) erinnert. Die Niederländerin war sowohl U23-Weltmeisterin auf der Straße und im Cross als auch in der Elite-Klasse auf dem MTB. Den Beweis ihrer Vielseitigkeit erbrachte sie dann spätestens, als sie noch im selben Jahr nationale Vize-Meisterin im Zeitfahren sowie Vierte im Straßenrennen wurde.
Das Interesse der großen WorldTeams war geweckt. Lidl - Trek bekam den Zuschlag und nahm die zierliche Kletterin samt Zwillingsschwester Ava zur Saison 2024 gleich für vier Jahre unter Vertrag. Holmgren lieferte sofort ab, beendete die schwere Itzulia Women (2.WWT) auf Rang 23 und wurde bei der Tour de l'Avenir nur von Marion Bunel (Visma - Lease a Bike) geschlagen. ___STEADY_PAYWALL___
Erstes Regenbogentrikot für die junge Kanadierin: Junioren-Weltmeisterin im Cross 2023 | Foto: Cor Vos
Danach nahm ihre Karriere im Schatten prominenter Teamkolleginnenn wie Amanda Spratt oder Niamh Fisher-Black an Fahrt auf, wie sie RSN bei einem Teammeeting erzählte. “Wir haben so ein starkes Team mit vielen starken Frauen und ich bin extrem glücklich, dass ich so viel von ihnen lernen kann. Im Staff wird viel dafür getan, um die Gesundheit an erste Stelle zu stellen. Nicht zu hohe Erwartungen und wenig Druck auf mich waren und sind hierbei sehr hilfreich”, beschrieb das Mulitalent eine Umgebung, in der sie sich vor Übertraining und den Gefahren des REDS gut beschützt fühle.
Das Team erwarte keine “verrückten Sachen” von ihr, so Holmgren weiter, sondern konzentriere sich primär auf den Entwicklungsprozess. “Die Priorität liegt dann mehr auf einem bestimmten Rennen und einem womöglich guten Resultat.” Eine Herangehensweise, die schon 2025 mit dem Gewinn der Tour de l'Avenir, ihrem ersten Profisieg bei Durango-Durango (1.1) sowie einem siebten Gesamtrang beim Giro d'Italia fruchten sollte.
Beim Giro d’Italia 2026 sicherte sich die 21-Jährige die Nachwuchswertung. | Foto: Cor Vos
Fernab der Heimat gibt Holmgren insbesondere ihre Schwester Ava Sicherheit und Stabilität. Die Zwillinge teilen nicht nur eine gemeinsame Wohnung, sondern haben mit dem sechs Jahre älteren Bruder Gunnar, der ganz in ihrer Nähe wohnt, einen weiteren familiären Bezugspunkt. “Es ist manchmal sehr schwierig, so weit von der Familie entfernt zu leben, aber Ava so nahe bei mir zu haben, ist wie ein Teil der Familie um mich zu haben”, beschrieb Holmgren den emotionalen Stellenwert, den insbesondere ihre Schwester für sie hat.
Die Zwillinge im Doppelpack sieht man bei Rennen hingegen selten. Aus Sicht der Teamleitung sei dies keine Absicht, wie Holmgren meinte. “Das geschieht nicht zwingend mit Vorsatz. Wir haben unsere unterschiedlichen Stärken. Ava ist eine sehr “punchy“ Fahrerin, die auch taktisch gut fährt, wohin gegen ich die langen, harten und steilen Anstiege bevorzuge. Das bedingt automatisch unterschiedliche Rennprogramme.”
Inwiefern Holmgren ihre Qualitäten für Lidl - Trek in den kommenden zwei Jahren weiter ausspielen kann, bleibt abzuwarten. Aktuell gilt es für sie, sich ausschließlich der WM in ihrer Heimat zu widmen, bei der sie vom kanadischen Radsportverband für das Straßenrennen in der U23-Klasse nominiert wurde.
“Als Kanadierin die WM im Heimatland zu haben, ist wahrscheinlich eine Erfahrung, die man nur einmal im Leben hat”, zeigte sie sich bereits voller Vorfreude auf ihren Einsatz. “Und auch wenn Montréal sechs Stunden von meinem Heimatort weg ist, wird sich die WM, im Vergleich zu den Rennen in Europa wie ein Heimrennen anfühlen. Es wird sehr speziell werden, vor Familie und Freunden zu fahren und als Team Kanada mit der Titelverteidigerin (Magdeleine Vallieres) anzutreten, wird sehr cool werden.”
Isabella Holmgren (zweite von li.) belegte bei der WM in Kigali 2025 den sechsten Platz in der U23-Klasse | Foto: Cor Vos
Holmgrens Chancen, für ihr Heimatland ein weiteres Regentrikot zu erobern, stehen mit Blick auf das 134 Kilometer lange Straßenrennen nicht schlecht. Der schwere Rundkurs im und um den Parc du Mont Royal, den es zehnmal zu bewältigen gilt, dürfte mit seinen 269 Höhenmetern pro Runde ihren Fähigkeiten entgegenkommen. ___STEADY_PAYWALL___
Und wer weiß, womöglich wäre solch ein Erfolg auch das Sprungbrett zum nächsten Karriereschritt - denn trotz aller Loyalität ihren Teamkolleginnen gegenüber, hat sie ein klares Ziel: “Ich möchte weiterhin eine gute Teamkollegin sein, die andere unterstützt, aber hoffentlich werde ich eines Tages auch in der Rolle einer Leaderin sein.”
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