Gerdemanns Tour-Tagebuch/Prolog

Ein gigantisches Erlebnis

Von Linus Gerdemann

07.07.2007  |  Mit meiner Leistung beim heutigen Prolog bin ich zufrieden. Mit 9:28 Minuten hat es zu Platz 22 gereicht. Damit war ich hinter meinem kapitän Michael Rogers zweibester Fahrer meines Teams. Dafür, dass ich kein Spezialist bin, geht das vollkommen in Ordnung.

Absolut gigantisch, was zum Auftakt der Tour de France entlang der Strecke los war. Vor Hunderttausenden von begeisterten Zuschauern Radrennen zu fahren – das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht und mich sehr beeindruckt. Der Prolog von London hat mir gezeigt, dass der Radsport trotz der Dopingproblematik lebt. Wer das nicht sieht, braucht einen Blindenführer. Ich hatte schon lange kein so emotionales Erlebnis auf dem Rad.

Vor dem Start bin ich heute gegen 13 Uhr noch einige Male die Strecke abgefahren. Die Streckenführung war fair und eines Tour-Prologs angemessen – nicht zu anspruchsvoll, aber auch nicht zu leicht. Nur der Asphalt ist ziemlich körnig, so dass es nicht so richtig rollte. Aber die Bedingungen waren ja für alle gleich.

Für mich galt es heute auch, den Kopf frei zu bekommen von all den Dopinggeschichten, die dem Radsport in letzter Zeit so geschadet hatten. Natürlich kann man dieses Thema nicht ganz wegschieben, aber ich muss mich jetzt auf das Rennen konzentrieren und kann mich nicht mit der Frage beschäftigen, wer von den Fahrern gedopt sein könnte und wer sauber fährt. Ich freue mich jedenfalls auf eine schöne Tour ohne Dopingskandale.

Linus Gerdemann ist einer von 19 deutschen Fahrern, die bei der 94. Tour de France an den Start gehen. Für den 24-jährigen Münsteraner mit Wohnsitz in der Schweiz ist es die erste Teilnahme am größten Radrennen der Welt. Exklusiv auf Radsport aktiv führt der T-Mobile-Hoffnungsträger in den nächsten drei Wochen sein Tour-Tagebuch.

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