Rimini/ Emilia Romagna - European Media Cycling Contest

Klappt gut! Mit dem Faltrad zum Rennen

Von Wolfgang Preß

Foto zu dem Text "Klappt gut! Mit dem Faltrad zum Rennen"
| Foto: Cristiano Gemmato/ wp

27.06.2026  |  Vom 16. bis 19. Juni war die Emilia Romagna zum fünften Mal Gastgeber des "European Media Cycling Contest" (EMCC), mit Journalisten aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Polen, dem Vereinigten Königreich, Spanien, Slowenien, Litauen und Italien.

Die Etappen des EMCC führten jeweils von Rimini aus durch das Rubicone-Tal und die Region Valmarecchia. Abschließend gab es das Bergzeitfahren „Via Romagna Challenge“ rund um Verucchio, mit Zielankunft auf der mittelalterlichen Burg Rocca Malatestiana. Ehren-Teilnehmer war der Ex-Profi, frühere italienische Nationaltrainer und heutige TV-Experte Davide Cassani. Wolfgang Preß war als einziger Vertreter aus Deutschland am Start; hier sein Bericht.

"Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen" - dieser Sprichwort gewordene Anfang des Gedichts "Urians Reise um die Welt" des Journalisten und Romantik-Schriftstellers Matthias Claudius gilt ganz besonders, wenn man mit dem Faltrad unterwegs ist. Zugegeben - ich war nicht mit einem normalen Klapprad auf Reisen, sondern mit einem Renn-Falter der Wiener Klapp-Spezialisten von Vello, mit Rennlenker, Zwölfgang-Kettenschaltung und in schickem Weiß lackiert.

Schon kurz nach dem Einsteigen in den "RailJet" der ÖBB in München, als ich das gefaltete gute Stück im Gepäckabteil an einen Pfosten anschließe, nickt der vorbeikommende Schaffner anerkennend: "Dös is ja moi a flotter Falter!" Als er dann noch erfährt, dass das Rad aus Österreich kommt, ist er vollends begeistert: "Wos mia ois Tolles herstöln".

Das Faltrad als anmelde- und kostenfreies Gepäck

Die Idee, den Renner im Zug nach Rimini mitzunehmen, ergab sich schon daraus, dass der Anlass für meine Reise ein Fahrrad-Kongress war. Allerdings stellte sich dann schnell heraus, dass sich das mit einem "normalen" Fahrrad nicht so leicht gestaltet: Viele Züge haben nur begrenzte Rad-Kapazitäten, und die waren Mitte Juni oft schon ausgebucht.

Die Lösung des Problems: ein Faltrad. Es gilt zusammengeklappt bei nahezu allen Bahnen in Europa als Gepäck, und unterliegt damit keinen Beschränkungen bei der Mitnahme. Die Fahrt nach Rimini ist so recht angenehm: Der RailJet bringt mich ohne Umsteigen in knapp acht Stunden vom Münchner Ostbahnhof nach Rimini.

Dort angekommen, zeigt sich der nächste Vorteil des "Klappis": Kein Warten auf Bus oder Taxi, schnell das Rad aufgebaut, Tasche auf den Rücken und Rucksack nach vorne, schon geht's los ins Hotel. Eine gute Viertelstunde später bin ich angekommen - und erntet vom Nachtportier eine weitere Anerkennung für das Faltrad: "Una bici interessante, ma davvero bella." - interessant, aber wirklich schön...

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EMCC 2026 In Verucchio | Foto: Wolfgang Preß/ pressBureau.eu

Am nächsten Morgen treffen sich alle Teilnehmer/innen und die EMCC-Veranstalter vor dem Hotel, zur ersten Etappe. Inmitten all der Hi-Tec-Carbon-Renner sorgt das Stahl-Vello für Aufsehen. So mancher Kollege will nicht glauben, dass ich damit das Rennen bestreite, und ich muss die Idee für meine Geschichte mehrmals erklären.

Cristiano Gemmato, der Mann hinter ketterechts.com, hat den Falter aus seiner Heimat allerdings sofort erkannt: "Ah, ein Vello - sehr schön!". Er ist allerdings skeptisch, was das abschließende Bergzeitfahren betrifft: "Ob da ein Zahnkranz reicht?" Da bin ich selbst noch nicht so ganz überzeugt, auch wenn mein größtes Ritzel stolze 41 Zähne hat. Das Finale auf den Rocca Malatestiana soll über 15 Prozent steil sein, zudem auf Kopfsteinpflaster...

Unterwegs im Rubicone-Tal | Foto: W. Preß

Aber erstmal geht es raus aus Rimini, ins schöne Rubicone-Tal. Über San Mauro Pascoli kommen wir nach Savignano sul Rubicone - der Ort, wo Julius Caesar im Januar 49 v. Chr. den Rubikon überschritt, und wo der Legende nach sein berühmter Ausspruch fiel "Alea iacta est", der Würfel ist gefallen. Der Bürgermeister von Savignano, Nicola Dellapasqua, lässt es sich nicht nehmen, uns den historischen Hintergrund zu erklären: "Der Rubikon war damals die Grenze zwischen der Provinz Gallia Cisalpina, wo Caesar Statthalter war, und der eigentlichen Römischen Republik. Mit dem Überschreiten des Flusses hat Caesar Rom in einen Bürgerkrieg gezwungen, den er ein Jahr später gewann und sich dann zum Diktator machte."

Auch für uns sind die Würfel gefallen: Wir kurbeln weiter hügelauf und hügelab, über Roncofreddo und Monteleone nach Montenovo, wo wir in der restaurierten alten Burg zum "pranzo" (Mittagessen) stoppen. Es gibt eine große Auswahl an feinen lokalen Produkten; besonders lecker ist das typische Fladenbrot der Romagna, Piadina genannt, gefüllt mit dem Frischkäse Squacquerone und Rucola. Nach Café und Limoncello geht's über Montiano und Longiano zurück nach Rimini.

Cäsar am Rubikon; vor ihm der Bürgermeister von Savignano, Nicola Dellapasqua | Foto: W. Preß

Am Abend dann Aufbruch zur großen Rad-Demo "Velo City Bike Parade", die im Rahmen des Kongresses zehn Kilometer auf abgesperrten Straßen durch Rimini führt. Mehrere hundert Radler/innen sind am Start, zu unserer Gruppe gesellt sich nun auch Davide Cassani, Ex-Profi, dann lange Jahre italienischer Nationaltrainer und heute TV-Experte bei allen großen Radrennen. Er beäugt meinen Falter zunächst eher skeptisch; als ich ihm dann aber die Hintergründe erkläre, meine Anreise mit der Bahn und die Vorteile dabei, grinst er und wünscht mir viel Glück beim Bergzeitfahren. Ob ich gegen ihn und mein Stahl-Vello gegen seinen 12.000-Euro-Carbon-Renner von Pinarello eine Chance habe?

Am nächsten Tag wird's ernst: Fast pünktlich um neun Uhr starten wir zur nächsten Etappe, in die das Bergzeitfahren "Cronoscalata Via Romagna" eingebettet ist: Auf dem Papier zwar nur 3,5 Kilometer und 187 Höhenmeter - aber die letzten 250 Meter zum Rocca Malatestiana in Verucchio haben es mit im Schnitt 15 Prozent in sich, und das auch noch auf mittelalterlich grobem Kopfsteinpflaster. Wie das mit meinen 28 Millimeter breiten 20-Zoll-Reifen klappt - ich bin gespannt...

Aber zunächst rollen wir durch die schönen Hügel rund um Santarcangelo, Poggio Berni und Verucchio. Leider ist die Route nicht mehr so schattig wie gestern, und auch die Anstiege sind deutlich knackiger - wohl als Vorbereitung auf das Bergzeitfahren. Bei allen fließt kräftig der Schweiß, und an jedem Brunnen werden die Flaschen aufgefüllt und der Kopf gekühlt.

Mein Start zum Bergzeitfahren | Foto: Apt Servizi Emilia-Romagna

Auf dem pittoresken mittelalterlichen Stadtplatz von Verucchio werden wir nochmal aus dem uns stets begleitenden Mannschaftwagen vom unermüdlichen Luca (grazie mille!) mit Wasser, Obst und Kuchen verpflegt. Die Bürgermeisterin Lara Gobbi wünscht uns Erfolg - nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Straße zum Ort, über die wir uns gleich nach oben kämpfen werden, extra für uns einen Monat früher frisch geteert wurde. Das ist doch mal ein echter Bau-Turbo;-!

Dann rollen wir zur Besichtigung auf unserer Strecke nach unten. Mittlerweile ist es so heiß, dass der frische Teer stellenweise schon weich zu werden beginnt. Aber grazie a Dio fahren wir ja bergauf, das sollte also keine Gefahr sein. Schließlich kommen wir zum Start, professionell mit Zeltdächern und Einschreibung. Bald wird's also ernst, die Nervosität im Fahrerfeld steigt.

Schließlich ist es soweit, der Kollege Miha aus Slowenien schnürt als erster los. Gestartet wird mit zwei Minuten Abstand, ich bin als Nummer zwölf dran. Tre, due, uno - der Rennleiter schickt mich auf die Strecke. Der Anfang ist noch eher flach, ich übe mich nochmal ein wenig im Wiegetritt, der mit den kleinen Laufrädern und dem niedrigen Rahmen etwas speziell zu fahren ist. Dann kommen die ersten Serpentinen, es wird steiler. Die Sonne brennt gnadenlos, mein Atemrhythmus wird kürzer.

Das Ziel auf der mittelalterlichen Burg Rocca Malatestiana in Verucchio | Foto: W. Preß

Bald sehe ich den Zielort Verucchio - noch ein ganz schönes Stück Anstieg. Dann höre ich ein Schnaufen hinter mir. Jetzt schon? Davide ist ein guten Zahn schneller als ich, eine Zeitlang versuche ich mitzugehen. Aber er ist zu stark, im Ziel wird er etliche Plätze vor mir liegen. Ich bleibe bei meiner pace, ignoriere einen weiteren Mitstreiter, der mich überholt.

Am Stadtplatz geht's dann rechts hinauf, das Kopfsteinpflaster-Finale zur Burg. Schnell wird es steiler, ein kleines Kettenblatt wäre jetzt schön... Doch die Streckenposten feuern mich an - das motiviert, nochmal Gas zu geben. Nach einer Serpentine kommt dann die Mauer: Sieht nach deutlich mehr als 15 Prozent aus. Ich ziehe Schleifen auf dem Kopfsteinpflaster, anders schaffe ich die Steigung nicht mehr.

Die "Forza, forza"-Rufe der Posten gehen in "non manca molto" über, ist nicht mehr weit. Aber dann folgt noch eine Serpentine, und selbst als ich das Burgtor durchfahre, bin ich noch nicht im Ziel. Das ist nochmal 30 Meter weiter oben im Burghof, und bis dahin wird es nochmal richtig steil. Der Sprecher kündigt mich an, "e di piu con una bicicletta pieghevole" - er kommt auf einem Faltrad! Der Applaus trägt mich ins Ziel, das Ausrollen im Hof fällt kurz aus.

Der Lohn der Mühe: Lunch-Buffet im Rittersaal | Foto: W. Preß

Agnes, eine nette spanische Kollegin reicht mir ein kaltes Cola - ahh! Sie war über fünf Minuten schneller als ich, kam auf Platz zwei in der Damen-Wertung, und auf Platz elf gesamt. Da kann ich nur neidisch gratulieren; mein Ergebnis verrate ich hier nicht... Denn leider gab es keine Altersgruppenwertung - mein einziger Verbesserungsvorschlag für die wirklich tolle Veranstaltung. Aber vermutlich war das Starterfeld dafür dieses Jahr zu klein.

Im Rittersaal der Burg gibt's dann ein leckeres Buffet, wieder mit Spezereien und feinen Weinen der Region. Ich bin noch so erschöpft, dass ich erstmal diverse große Stücke schön kalte Wassermelone einwerfe - bis dann doch der Hunger kommt. Dazu genehmige ich mir einen ausgezeichneten Albana-Weißwein, eine der ältesten Traubensorten der Romagna, den der nette Kellner auf meinen Wunsch ohne mit der Wimper zu zucken mit Mineralwasser spritzt.

Im kühlen Rittersaal ist am Büffet nun auch Gelegenheit, den zahlreichen Organisatoren und Mitarbeiter/innen zu danken, die uns Journalisten diese tollen Tage in der Emilia Romagna rund um Rimini möglich gemacht haben: Allen voran Nicholas Montemaggi vom TV Emilia Romagna, seinen unermüdlichen Kolleg/innen Gaia Benzi und Andrea Manusia, unseren Guides Roberto Feroli und Francesco Grilli - hoffe, ich habe niemand vergessen;-!

Die Region rund um Rimini, vor allem der fantastisch schöne Höhenzug Coste di Sgrigna, waren für mich eine echte Entdeckung - obwohl ich schon einige Ecken der Romagna kenne. Ich freue mich auf ein Wiedersehen, auch mit den vielen netten Menschen, die ich dort kennengelernt habe. Ci rivediamo! Wir sehen uns wieder...

Aussicht vom Rocca Malatestiana auf Verucchio | Foto: W. Preß

Die mit Unterstützung von Apt Servizi Emilia-Romagna und Visit Romagna organisierte Veranstaltung ist mit dem "Velo-City World Summit" in Rimini verbunden, der jährlichen Versammlung der European Cyclists' Federation (ECF), die sich nachhaltiger Mobilität und dem Rad-Tourismus widmet.

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