Behrens bleibt Gesamtachter in Luxemburg

Piganzoli legt los wie die Feuerwehr und rettet drei Sekunden

Von Paul Grosch

Foto zu dem Text "Piganzoli legt los wie die Feuerwehr und rettet drei Sekunden "
Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike) hat das Einzelzeitfahren der Luxemburg-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Cor Vos

19.09.2026  |  (rsn) – Nach seinem zweiten Platz vom Vortag und der Übernahme des gelb-blauen Führungstrikots machte es Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike) auf der 4. Etappe der Tour de Luxembourg (2. Pro) noch ein Stück besser. Der Italiener gewann das 20,4 Kilometer Einzelzeitfahren mit Start und Ziel in Ettelbruck und baute damit seine Führung in der Gesamtwertung aus. Tageszweiter wurde sein Landsmann Andrea Raccagni (Soudal – Quick-Step), der um drei Sekunden seinen ersten Profisieg verpasste. Weitere 16 Sekunden dahinter vervollständigte der Brite Leo Hayter (Modern Adventure) das Tagespodium.

“Es war auch heute sehr hart“, gab Piganzoli im Siegerinterview zu. “Heute Morgen bin ich beim Recon mit dem Gedanken gestartet, ein Zeitfahren mit Vollgas zu simulieren. Einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen.“ Der Plan ging auf. Der 24-Jährige legte los wie die Feuerwehr und spielte auf dem ersten Abschnitt des Zeitfahrens mit einer steilen Rampe seine Stärken voll aus. Bei der Zwischenzeit lag er 14 Sekunden vor Raccagni. Auf dem Weg ins Ziel wurde es jedoch noch einmal spannend.

Piganzoli: "Habe viel Vertrauen in mein Team und meine Leistung"

“Der zweite Teil war etwas für Spezialisten. Da war es superschnell. Aber ich hatte den Vorsprung bei der Zwischenzeit“, erklärte Piganzoli. “Ich war nicht zuversichtlich, aber ich wusste, dass ich auch im zweiten Teil schnell sein konnte.“ Aufgrund der Weltmeisterschaft im Zeitfahren, die am Sonntag in Montréal ausgetragen werden, waren nur wenige Spezialisten an den Start der fünftägigen Rundfahrt gegangen, die auf dem welligen Kurs mit 343 Höhenmetern ihre Stärken jedoch ohnehin nicht wirklich ausspielen konnten.

Somit reichte es am Ende für Piganzoli, der nach der starken Leistung am Freitag auch voller Zuversicht auf die morgige Schlussetappe geht. “Ich habe viel Vertrauen in mein Team und meine Leistung. Morgen müssen wir es einfach gut spielen. Aber wir sind bereit!“ Der Gesamtsieg wäre der größte Einzelerfolg in der noch jungen Karriere des Italieners.

 

Der beste Deutsche im Tagesklassement war auf Rang neun Miguel Heidemann (Rembe – rad-net). Der Trierer wies einen Rückstand von 26 Sekunden auf Piganzoli auf und scheint seine gute Form mit dem Etappensieg bei der Sauerlandrundfahrt (2.2) auch nach Luxemburg hinübergetragen zu haben. Der Deutsche Meister im Zeitfahren, Nils Politt (UAE – Emirates – XRG), kam nicht über Rang 15 hinaus.

Eike Behrens (Team Lotto – Kern-Haus – Outlet Montabaur) hingegen konnte seine Position in der Gesamtwertung mit Platz 20 im Tagesklassement verteidigen. Der 21-Jährige geht auf dem achten Gesamtrang und zeitgleich mit Sam Oomen (Lidl – Trek) auf den Schlussabschnitt. Der Sechstplatzierte Tijmen Graat (Visma – Lease a Bike) scheint mit Blick auf seine wahrscheinliche Helferrolle für Piganzoli und einem knappen Vorsprung von nur sechs Sekunden auf Behrens auch noch in Reichweite des Hamburgers.

Behrens mit solidem Zeitfahren

 

Nach seinem fünften Profisieg geht Piganzoli mit 47 Sekunden Vorsprung auf Matteo Vercher (TotalEnergies) auf die morgige Schlussetappe. Der Franzose verdrängte seinen Landsmann und Teamkollegen Thomas Gachignard vom zweiten Gesamtrang, der jedoch nur zwei Sekunden dahinterliegt. Zumindest theoretisch könnte das TotalEnergies-Duo seine numerische Überlegenheit auf dem schweren Schlussabschnitt ausspielen. Auch der dritte Franzose im Bunde, Aurélien Paret-Peintre (Decathlon – CMA CGM), scheint mit einem Rückstand von 54 Sekunden auf den Gesamtführenden Piganzoli zumindest noch in der Reichweite des Podiums.

Piganzoli übernahm mit 37 Zählern auch das blaue Punktetrikot, das am Sonntag jedoch stellvertretend Marijn van den Berg (EF Education – EasyPost) tragen wird. Pepijn Reinderink (Soudal – Quick-Step) musste sich bereits vor dem Zeitfahren keine Sorgen um sein Bergtrikot machen, im Kampf gegen die Uhr wurden keine Punkte vergeben. Der Niederländer schien trotzdem alles zu geben und rutschte in der vorletzten Kurve fast in die Bande am Streckenrand. Auch in der Nachwuchs- und Teamwertung blieb mit Piganzoli und TotalEnergies als Führende alles unverändert.

So lief die 4. Etappe der Luxemburg-Rundfahrt

In Abwesenheit der Weltelite war Thibaut Guernalec (TotalEnergies) einer der wenigen Spezialisten in der Disziplin. Folgerichtig war es der 29-jährige Franzose, der von den frühen Startern eine erste Duftmarke legte und mit konstantem Tempo am Ende den zehnten Rang belegte. Es dauerte jedoch nicht allzu lange, bis ihn Julius Johansen (UAE – Emirates XRG) vom heißen Stuhl verdrängen konnte.

Der Däne war etwa elf Sekunden schneller als der Franzose und bekräftigte dabei Piganzolis Vermutung im Siegerinterview, dass sich der Abschnitt von der Zwischenzeit ins Ziel besser für die Spezialisten eignen würde. Johansen machte auf dem zweiten Teil sieben Sekunden gegenüber Piganzoli gut.

Johansen konnte es sich etwas länger im Stuhl des Führenden bequem machen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis Leo Hayter um die Winzigkeit um 27 Zehntel in Führung ging. Der jüngere Bruder von Ethan Hayter, der beim morgigen WM-Zeitfahren zum erweiterten Favoritenkreis zählt, war der erste Fahrer mit einem Durchschnittstempo von mehr als 45 km/h. Der Brite überholte auch Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech), der nach seinem Zeitverlust gestern beim Zeitfahren kein Risiko einging.

Das Streckenprofil der 2. Etappe der Luxemburg-Rundfahrt | Foto: Veranstalter

Kurz darauf ging es erneut knapp zu. Raccagni war sowohl an der Zwischenzeit als auch im Ziel etwas mehr als zwei Sekunden schneller als Hayter und übernahm die Führung. Der Italiener hatte in seiner bisherigen Karriere noch nicht als Zeitfahrspezialist geglänzt, war jedoch plötzlich ganz nah dran an seinem ersten Profisieg.

Auch der Deutsche Zeitfahrmeister Nils Politt (UAE – Emirates – XRG) und die Fahrer, die vor der Etappe in den hinteren Top Ten gelegen waren, konnten nicht an der Zeit des 22-Jährigen rütteln. Aurélien Paret-Peintre (Decathlon – CMA CGM) war an der Zwischenzeit zwar eine Sekunde schneller, auf dem schnelleren zweiten Teil verlor der Franzose dann aber fast 20 Sekunden. Das TotalEnergies-Duo Vercher und Gachignard lag noch etwas mehr zurück.

Somit wurde schnell klar, dass einzig Piganzoli seinen Landsmann noch von der Spitze würde verdrängen können. Der Gesamtführende war auf dem ihm wegen des Anstiegs auf den Leib geschnittenen ersten Abschnitt dann auch 14 Sekunden schneller als Raccagni. Von diesem Polster rettete er dann gerade mal drei Sekunden ins Ziel, die jedoch am Ende für den fünften Profisieg in seiner noch jungen Karriere reichten.

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