Piganzoli gewinnt 86. Tour de Luxembourg

175-km-Solo: Van der Poel mit denkwürdigem Auftritt

Von Matthias Seng

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Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) hat die Schlussetappe der 86. Skoda Tour de Luxembourg gewonnen. | Foto: Cor Vos

20.09.2026  |  (rsn) – Zum Abschluss der Tour de Luxembourg (2. Pro) setzte Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) mit Blick auf das WM-Straßenrennen in genau einer Woche ein fettes Ausrufezeichen. Der Niederländer attackierte bereits zwei Kilometer nach dem Start der 5. Etappe. Das Feld sah den Weltmeister von 2024 erst wieder im Ziel in Luxemburg, wo sich van der Poel seinen zweiten Etappensieg in dieser Woche sicherte. Der Gesamtführende Davide Piganzoli (Visma – Lease a Bike) ließ auf den 177 Kilometern von Mersch nach Limpertsberg nichts mehr anbrechen und feierte im gelb-blauen Führungstrikot den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere.

Zweiter im Tagesklassement wurde Mikkel Honoré (EF Education – EasyPost), der sich 1:04 Minuten hinter van der Poel und fünf Sekunden vor Pepijn Reinderink (Soudal – Quick-Step) ins Ziel rettete. Zeitgleich mit dem Niederländer fuhr auch Piganzoli ein, der somit mit einem leicht ausgebauten Vorsprung von 52 Sekunden auf Mattéo Vercher (TotalEnergies) und zwei weiteren Sekunden auf dessen Teamkollegen Thomas Gachignard die Gesamtwertung gewann.

“Ich fühle mich natürlich großartig“, sagte ein erleichterter Piganzoli im Interview vor der Podiumspräsentation. “Das ganze Team ist heute sehr stark gefahren. Wir haben alles gut gemanagt und eine gute Ausreißergruppe fahren lassen. Dann haben die anderen Teams für den Etappensieg kontrolliert.“ Der Italiener und sein Team konnten somit Kräfte sparen und hatten auf jede Attacke im Finale eine Antwort.

Fahrer und Team zeigten sich in Luxemburg erneut fehlerlos. “Wir hatten den Plan, heute nur auf das Gesamtklassement zu fahren. Das war unser Ziel“, erklärte der 24-Jährige. “Ich habe mich während der Etappe gut gefühlt. Das Team hat einen super Job gemacht. Deswegen sind wir jetzt hier.“

Darauf angesprochen, ob er ab jetzt immer mit einem Etappensieg und der Gesamtwertung plane, antwortete er frech: “Ich hoffe doch!“ Über van der Poel konnte auch Piganzoli nur staunen. “Er war unglaublich“, zollte er dem 31-Jährigen seinen Respekt. “Im Hauptfeld haben sechs oder sieben Fahrer Vollgas gegeben. Aber wir haben ihn nie eingeholt. Gratulation an ihn.“

Der Etappensieger erklärte nach seiner denkwürdigen Flucht: “Es war nicht der Plan, vom Start weg alleine zu attackieren. Aber dann war die Situation so, dass ich alleine vorne war. Ich bin dann einfach immer weitergerollt“, so van der Poel. “Ich dachte, dass mich die Verfolgergruppe irgendwann aufsammelt. Aber der Abstand wurde immer größer. Dann musste ich es einfach alleine bis ins Ziel schaffen.“

Dabei war es nicht das erste Mal, dass van der Poel die letzte Etappe eines Mehrtagesrennens wie eine 4-Stunden-Trainingseinheit am Anschlag anging. Schon auf der 7. Etappe von Tirreno-Adriatico 2025 attackierte er früh, wurde jedoch deutlich vor dem Ziel gestellt. In Luxemburg hielt der Niederländer nun 175 Kilometer bis ins Ziel durch. “Ich hatte heute gute Beine. Das war an den vergangenen Tagen nicht so. Ich habe vielleicht etwas zu hart trainiert“, sagte van der Poel.

Van der Poel schickt eine deutliche Botschaft nach Kanada

Mit Blick auf das Straßenrennen der Weltmeisterschaft in Montréal am 27. September schickte van der Poel eine deutliche Botschaft über den Atlantik. Nach seinen Auftritten auf dem Mountainbike hatte er sich gegen den ursprünglichen Plan mit den geplanten Vorbereitungsrennen beim GP Quebec und GP Montréal entschieden und wollte sich stattdessen in Europa die letzte Rennhärte holen. “Ich mag es, hierherzukommen. Es ist ein schönes Rennen mit einer schönen Route“, erklärte van der Poel. Nach seinem letzten Auftritt in Luxemburg vor zwei Jahren holte er in Zürich die Bronzemedaille. In Abwesenheit des verletzten Tadej Pogacar wird der Niederländer in Nordamerika erneut zu den Favoriten auf das Regenbogentrikot gehören.

Neben seinen zwei Etappensiegen hatte van der Poel zwei Wertungstrikots im Gepäck. Am letzten Tag konnte er Piganzoli mit 54 Punkten noch von der Spitze der Punktewertung verdrängen. Auch der bisherige Bergkönig Reinderink musste dran glauben und sein Grünes Trikot an den Niederländer noch abgeben. TotalEnergies gewann die Teamwertung. Piganzoli durfte sich auf dem Podium auch das Weiße Trikot des Nachwuchsbesten überstreifen.

Behrens beendet die Luxemburg-Rundfahrt in den Top Ten

Eike Behrens (Lotto – Kern-Haus – Outlet Montabaur) wird mit seiner letzten Vorstellung in Luxemburg vielleicht nicht ganz zufrieden sein. Der 21-jährige Hamburger verlor erst am letzten Anstieg, weniger als drei Kilometer vor dem Ziel, den Anschluss an die restlichen Favoriten und fiel in der Gesamtwertung noch um zwei Plätze auf den Rang zehn zurück. Dennoch dürften einige Teams aus höheren Ligen seinen Namen nun auf dem Zettel haben.

Der beste Deutsche im Tagesklassement war Johannes Adamietz (Rembe – rad-net) auf Rang 20. Und das, obwohl der 28-Jährige für mehr als 100 Kilometer in einer Verfolgergruppe hinter van der Poel hart arbeiten musste. Mit Moritz Mauss (UAE – Emirates – XRG) und Valentin Fausto Penna (Lotto – Kern-Haus – Outlet Montabaur) in der Verfolgergruppe gestalteten auch weitere deutsche Starter das Rennen erneut aktiv mit.

So lief die 5. Etappe der Luxemburg-Rundfahrt:

Bereits nach zwei Kilometern attackierte van der Poel, der direkt eine Lücke öffnen konnte. Nach knapp acht Kilometern versuchte Reinderink dahinter an der ersten Bergwertung, der Côte de Nommern, sein Bergtrikot zu verteidigen und sicherte sich den zweiten Platz hinter dem Spitzenreiter. Nach der Abfahrt gab es auf dem welligen Abschnitt immer wieder Attacken aus dem Hauptfeld.

Zunächst konnte sich jedoch niemand entscheidend absetzen. Van der Poel fuhr währenddessen weiterhin solo vorneweg. Nach etwa 30 Kilometern bildete sich dann doch noch eine Verfolgergruppe, die aus dem deutschen Trio Mauss, Adamietz und Penna sowie Morten Aalling Nörtoft (ColoQuick), Loïc Bettendorf (Hrinkow – Advarics) und Larry Valvasori (AC Bisontine) bestand. Der Rückstand der Verfolger betrug zu diesem Zeitpunkt 45 Sekunden. Das Peloton fiel schnell über zwei Minuten zurück.

Reinderink verpasste die Gruppe. Somit konnte der Niederländer keine weiteren Bergpunkte mehr sammeln. Nach der letzten Bergwertung der Rundfahrt, der Côte de Misärshaff, musste van der Poel lediglich das Ziel erreichen, um auf dem Schlusspodium das Bergtrikot anziehen zu können. Etwa 70 Kilometer nach dem Start lag die Verfolgergruppe mehr als eineinhalb Minuten hinter dem Spitzenreiter.

Im Feld versuchten EF Education – EasyPost, Decathlon – CMA CGM und Soudal – Quick-Step weitere dreieinhalb Minuten dahinter das Geschehen zu kontrollieren. Auf dem sehr welligen Abschnitt mit einigen Rampen und technischen Abfahrten auf nasser Straße konnte van der Poel seine Fertigkeiten auf dem Rad zu seinem Vorteil nutzen.

Das Streckenprofil der 2. Etappe der Luxemburg-Rundfahrt | Foto: Veranstalter

Auf dem längsten flacheren Abschnitt des Tages konnte das Peloton erstmals bedeutend Zeit auf den Weltmeister von 2024 gutmachen, während die Verfolgergruppe immer weiter an Zeit verlor. Etwa 44 Kilometer vor dem Ziel wurden die Verfolger dann gestellt, van der Poels Vorsprung betrug zu diesem Zeitpunkt knapp über dreieinhalb Minuten. Die drei kontrollierenden Teams im Hauptfeld hatten zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits zahlreiche Helfer aufgebraucht.

Als es auf den Rundkurs ging, setzte sich Visma – Lease a Bike an die Spitze des Feldes, um für den Gesamtführenden Piganzoli zu kontrollieren. Van der Poel holte sich die drei Bonussekunden. Dahinter attackierte Sören Kragh Andersen (Lidl – Trek) mehrmals. Doch Reinderink konnte folgen, wodurch er sich eine Gutschrift von zwei Sekunden sichern konnte. Kragh Andersen musste sich mit einer Bonussekunde zufriedengeben.

Wenige Momente später konnte van der Poel bei der ersten Zieldurchfahrt auch fünf Punkte beim Zwischensprint einstreichen. Marijn van den Berg (EF Education – EasyPost), der das blaue Punktetrikot in Vertretung von Piganzoli trug, versuchte sich dahinter als Zweiter in eine Situation zu bringen, um die Sonderwertung am Ende des Tages doch noch gewinnen zu können.

Behrens fasst sich 20 Kilometer vor Schluss ein Herz

Etwas weniger als 20 Kilometer vor dem Ziel fasste sich dann Behrens ein Herz und attackierte auf einem leicht ansteigenden Abschnitt. Der Hamburger konnte sich jedoch nicht absetzen. Etwas erfolgreicher war dann kurz darauf Honoré, der bei einem Rückstand von etwa zwei Minuten auf van der Poel attackierte. Visma – Lease a Bike war dahinter nicht am Etappensieg interessiert und schlug ein defensiveres Tempo an. Auch EF Education – EasyPost nahm sich folgerichtig aus der Tempoarbeit raus. Die anderen Top-Teams hatten keine Helfer mehr übrig.

Honoré konnte jedoch den Abstand an die Spitze nicht wesentlich verkürzen. Am unkategorisierten Anstieg vor der dritten Zieldurchfahrt versuchte es erneut Reinderink, doch Piganzoli parierte ohne Probleme. Sein Visma-Team übernahm abermals die Kontrolle. Etwa sechs Kilometer vor dem Ziel gab es dann erneut mehrere Attacken. Doch Visma – Lease a Bike und Alpecin – Premier Tech machten alle Angriffe zunichte. Währenddessen konnte sich Honoré weiter auf der zweiten Position halten und hatte den Rückstand auf van der Poel um etwa 20 Sekunden verkleinert.

Van der Poel konnte früh eine Gang zurückschalten

Doch der Niederländer hatte zu diesem Zeitpunkt schon einen Gang zurückgeschaltet und überquerte mit einem Vorsprung von etwas mehr als einer Minute auf Honoré die Ziellinie. Am letzten Anstieg attackierte zunächst der Zweite vom Vortag, Andrea Raccagni (Soudal – Quick-Step), doch Piganzoli war erneut hellwach und verschärfte sogar selbst weiter das Tempo. Auch Reinderink konnte ebenso wie Lukas Nerurkar (EF Education – EasyPost) folgen.

Im Zielsprint der Verfolger aus dem Hauptfeld heraus war dann Reinderink als Tagesdritter der Schnellste. Eike Behrens war bereits vor dem Anstieg schlecht platziert und verlor dadurch den Anschluss und seinen achten Gesamtrang. Adamietz hingegen schaffte es trotz seiner längeren Verfolgungsjagd hinter van der Poel zu Beginn der Etappe, auf dem 20. Tagesrang lediglich 14 Sekunden Reinderink zu verlieren.

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