Anwendung ist entscheidend für Steifigkeit

Die richtige Sohle: für Halt und Kraftübertragung

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Manuel Bär fertigt in seiner Leipziger Werkstatt Radschuhe nach Maß - auch mit extra steifer Carbon-Sohle. | Foto: Bär

17.10.2022  |  Das Pedal ist einer von drei Kontaktpunkten zwischen Fahrer und Rad – und für die Kraftübertragung entscheidend. Damit Radfahrer/innen mit idealem Halt und optimaler Kraftübertragung vorankommen, ist eine passende Verbindung besonders wichtig. Neben dem Pedal-System spielt die richtige Sohle eine entscheidende Rolle. Der pressedienst-fahrrad erklärt die Unterschiede.

Fahrradschuhe sind die Verbindung zwischen Fahrer/in und Bike. Für optimale Kraftübertragung und sicheren Halt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder fest verbunden durch Klick-Pedal und "Cleats" – Platten, die unter die Schuhsohle geschraubt werden und "eingeklickt" eine verbesserte Kraftübertragung durch einen runden Tritt und einen ergonomischen Bewegungsablauf ermöglichen. Oder über "Flat Pedals" (Flach-Pedale) und Schuhe mit Gummisohle, bei denen der Schuh über sogenannte Pins (Zacken) am Pedal haftet.

In beiden Fällen entscheidend ist die Steifigkeit der Sohle:
Je steifer diese ist, desto besser kann die Kraft auf das Pedal übertragen werden - und desto komfortabler fährt man, erklärt Oliver Elsenbach, Gründer von Solestar, einem Hersteller für Fahrrad-Einlegesohlen: "Das klingt vielleicht paradox, aber wenn sich die Sohle nicht verbiegt, bleibt der Fuß stabiler und ermüdet weniger."

Doch vieles hängt bei der Sohlen- und somit auch Schuhwahl von der Art des Radfahrens und dem Einsatzzweck ab. Generell gilt: Je sportlicher und Wettkampf-orientierter man fährt, desto steifer sollte der Schuh sein. Für Alltagsfahrer und Wochenendausflügler, die auch Geh-Passagen und Wander-Touren einplanen, ist ein fester Rennradschuh deshalb keine optimale Wahl. Zwar würde in Kombination mit einem Klick-Pedal die Kraft besser übertragen, aber die Komfort-Einbußen beim Laufen wären groß. Herkömmliche Touren-Schuhe für den Trekking- und Alltagsbereich haben deshalb eine gummierte Außensohle, etwa von Vibram oder Michelin. Die sorgt für Halt auf dem Pedal und auf rutschigem Untergrund.

Für eine optimierte Kraftübertragung kann
eine steife Zwischensohle helfen, erklärt Anna Rechtern vom Outdoor-Ausrüster Vaude: "Wir gehen mit der sogenannten Dualflex-Technologie einen neuen Weg. Die mit dieser Technologie ausgerüsteten Schuhe sind bequemer Sneaker und steifer Radschuh in einem." Die mit Glasfaser und Carbon verstärkte Innensohle versteift sich beim Pedalieren bei Druck nach unten und flext beim Gehen nach oben. "Im Unterschied zu herkömmlichen Radschuhen ist dadurch ein natürliches und komfortables Abrollen beim Gehen möglich", so Rechtern.

Auch die Einlegesohlen von Solestar besitzen einen stabilen Innenkern aus Glasfaser und Carbon. "Dadurch wird der Fuß im Schuh in seiner Position optimiert und dort gehalten, wo er die Kraft optimal übertragen kann", erläutert Oliver Elsenbach die Funktion: "Davon können alle Radfahrer profitieren, vom Profi bis zum Hobbyfahrer."

Profi-Radsportler setzen auf
Vollcarbon-Zwischensohlen. Diese sind besonders steif und leicht, bieten ein Maximum an Kraftübertragung, sind aber auch teuer. Sie kommen bei wettkampforientierten Rennrad- und MTB-Schuhen zum Einsatz. "Aber auch bei Winterschuhen ist eine Carbonsohle sinnvoll, denn sie sorgt für Isolation gegen extreme Temperaturen“, sagt Daniel Gareus von Cosmic Sports, die u.a. Winterschuhe von 45Nrth im Angebot haben.

Günstiger sind Sohlen mit Nylon-Zwischensohle, die in den meisten sportiven Radschuhen eingearbeitet sind. Die Steifigkeit des Materials ist in der Regel für Hobbysportler ausreichend, ermöglicht aber kurze Geh- und Tragepassagen.

Zwischen diesen beiden Arten gibt es
Mischformen: Bei carbonverstärkten Nylon-Sohlen ist im Pedal-Bereich eine Verstärkung mit Carbon eingearbeitet. Außerdem gibt es Sohlen aus sogenanntem Carbon-Nylon-Composite: Dabei ist die Zwischensohle von der Zehenspitze bis zur Ferse mit Carbon verstärkt, was die Kraftübertragung erhöht.

Unterschiede gibt es auch bei der Gestaltung der Laufsohle: Ein Rennradschuh hat nur minimale Laufflächen an Zehen und Fersen. Bei Mountainbike-Schuhen sind die Außensohlen großflächig und mit grobem Profil versehen, damit bei Schiebe- und Trage-Passagen auf den Trails der nötige Halt gegeben ist. Gemein ist den steifen Sohlen allerdings, dass sie fast ausschließlich mit Klick-Pedalen kombiniert werden.

Wichtig ist, dass die Cleats richtig
positioniert sind. "Jedes professionelle Bike-Fitting (individuelles Vermessen und Anpassen des Rads; d.Red.) beginnt mit der richtigen Fuß-Pedal-Stellung. Dadurch entsteht mehr Leistungsfähigkeit, mehr Komfort und, ganz wichtig, Knie- und Hüftprobleme können frühzeitig vermieden werden", sagt Lothar Schiffner vom Ergonomie-Spezialisten Ergon, der für die Einstellung zuhause auch ein spezielles Pedal Cleat Tool im Angebot hat. "Manchmal sind Millimeter entscheidend für die optimale Ergonomie. Das Tool ist deshalb sehr hilfreich", so Schiffner.

Doch nicht alle Mountainbiker werden mit Klick-Pedalen glücklich. "Viel Bike, und speziell Einsteiger setzen lieber auf Flach-Pedale. Die Fußstellung kann man jederzeit variieren und der Abstieg gerade im schwierigen Terrain fällt deutlich leichter", erläutert Andreas Krajewski vom Radhersteller Cannondale die Vorteile: "Damit der Fahrer nicht von den Pedalen rutscht, geben extralange Pins Haftung. Die Gummi-Außensohle und das Pedal kleben quasi wie Klebstoff zusammen." Der Nachteil: Die weichen Laufsohlen verschleißen relativ schnell, zudem kann man sich an den scharfkantigen Pins bei Stürzen verletzen.

Alternativ bieten sich für Einsteiger/innen
sogenannte „Easy Release Cleats“ an (z. B. von Crankbrothers, 26,99 Euro) an. Durch einen größeren Winkel lassen sich diese Cleats einfacher und schneller vom Pedal lösen.

Für die unterschiedlichen Bedürfnisse von sportlich bis alltagstauglich gibt es eine Vielzahl an Schuhen und Pedalen. Beide Bike-Welten verbinden Kombi-Pedale, die auf der einen Seite Klick-Funktion und auf der anderen Seite eine Plattform bieten (z. B. „E-PM86 Kombi-Pedal“ von Exustar, 59,90 Euro). Ein weiterer Vorteil: An vielen Kombi-Pedalen lassen sich Reflektoren anbringen, die Pedale sind so StVZO-konform.

Und was tun mit Außensohlen aus Leder,
wie sie im Alltag an Herren- und Damenschuhen häufig sind? „Dafür gibt es spezielle Pedale mit Griptape. Wie beim Skateboard verhindert das Tape ein Wegrutschen auch mit glatten Sohlen“, weiß Daniel Gareus. Cosmic Sports vertreibt die Pedale der Berliner Firma Moto, die sich dieser Konstruktion verschrieben haben.

 
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