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25.08.2026 | (rsn) - Neun WorldTour-Teams, ein Weltklasse-Feld um Gesamtsieger Isaac Del Toro (UAE - Emirates - XRG) und Zuschauer, die sich an den Anstiegen in fünf, sechs oder sieben Reihen drängten: Die Lidl Deutschland-Tour war auch 2026 wieder die größte Bühne, die der heimische Radsport zu bieten hat.
Mittendrin zwischen den millionenschweren Teams aus der obersten Liga waren drei deutsche Kontinental-Teams - und allesamt kehrten sie mit dem Gefühl heim, eine besondere Woche erlebt zu haben.
Rembe - rad-net, Storck - MRW Bau und Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur gingen allerdings jeweils sehr unterschiedliche Wege. Das eine Team holte ein Wertungstrikot, das andere eine Top-Ten-Platzierung, das dritte die Auszeichnung für den Kämpferischsten Fahrer und viel Sichtbarkeit vor Sponsoren und Prominenz. Am Ende stand bei allen dasselbe Fazit: Die Mühen haben sich gelohnt.
Drei Teams, drei Geschichten - und dreimal die Erkenntnis, dass sich der deutsche Unterbau auch auf dieser Bühne nicht verstecken muss. Wie schwer das gegen eine Übermacht wie UAE - Emirates - XRG aber ist, machten die Verantwortlichen im Gespräch mit RSN rückblickend deutlich.
Die wohl emotionalste Geschichte schrieb Rembe - rad-net. Miguel Heidemann gewann bei der Deutschland-Tour das Bergtrikot - und sorgte damit für einen der größten Erfolge der Teamgeschichte. Schon auf der 1. Etappe von Bad Orb nach Schwäbisch Hall hatte sich der 28-Jährige gemeinsam mit Teamkollege Ole Theiler in der Ausreißergruppe die Führung in der Sonderwertung gesichert.
Was dann folgte, war ein Trikottausch unter Freunden: Theiler übernahm das gepunktete Jersey am zweiten Tag, Heidemann holte es sich auf der Königsetappe zurück und brachte es schließlich rund um Heilbronn souverän ins Ziel. "Das zeigt, dass wir mehr als nur ein Team sind, sondern auch gute Freunde", hatte Theiler den Wechsel zwischenzeitlich beschrieben.
Die beiden Besten der Bergwertung unter sich: Ben Felix Jochum (vorne) und Miguel Heidemann trieben die Deutschland-Tour gemeinsam aus der Fluchtgruppe voran. | Foto: Felix Küster / Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur
Für Heidemann war der Triumph auch eine mentale Erlösung, hatte er das Bergtrikot im Vorjahr auf der Schlussetappe noch abgeben müssen. "Das war heute also immer noch in meinem Kopf, obwohl ich wusste, dass ich einen kleinen Vorsprung hatte. Aber jetzt bin ich wirklich, wirklich dankbar, dass ich es geschafft habe", sagte er nach dem Rennen.
Bester Rembe-Fahrer in der Gesamtwertung war Johannes Adamietz, der als 28. zugleich bester deutscher Kontinental-Fahrer der Rundfahrt und auf der 1. Etappe sogar mit den Favoriten um del Toro über den Schlussanstieg gefahren war.
"Was für eine unvergessliche Woche!", freute sich Teammanager Jörg Scherf allerdings besonders über Heidemanns Coup. "Das Bergtrikot von der ersten Etappe an zu verteidigen und am Ende souverän ins Ziel zu bringen, ist ein überragender Erfolg. Ob auf dem Rad oder hinter den Kulissen: Jeder Einzelne hat alles gegeben."
Für das herausragende "Kontinental-Resultat" zeigte allerdings Storck - MRW Bau verantwortlich: Edgar David Cadena fuhr auf den zehnten Platz der Gesamtwertung. Das war eine kleine Sensation - zumal die Top Ten erst am Schlusstag endgültig feststanden, als der zwischenzeitlich besser platzierte Giulio Pellizzari (Red Bull - Bora - hansgrohe) noch sieben Sekunden liegen ließ.
"Vor Start des Rennens hätte ich gesagt: Wenn wir in den Top 15, Top 20 sind, wäre ich super glücklich", erläuterte der Sportliche Leiter Felix Linders im Gespräch mit RSN. "Und dann steht Edgar am Ende auf Platz zehn im GC - das ist wirklich krass. Als deutsches KT-Team so mitfahren und das Rennen aktiv mitgestalten zu können, ist überragend." Wie schmal der Grat auf diesem Niveau ist, zeigte die Königsetappe: Als Del Toro und Louis Barré (Visma - Lease a Bike) attackierten, hatte Cadena zwar die Beine, war im entscheidenden Moment aber zu weit hinten eingebaut.
"Auf diesem Niveau entscheiden manchmal wenige Sekunden und wenige Positionen darüber, ob man mitgehen kann oder nicht", ordnete Teamchef Julian Rammler die Szene gegenüber RSN ein. Umso höher bewerte man Cadenas Ergebnis: "Für uns ist dieses Ergebnis nicht nur eine Zahl auf einer Ergebnisliste. Es ist der Beweis dafür, was möglich ist, wenn Fahrer und Staff füreinander kämpfen."
Fünf Tage stark in der Weltspitze: Edgar David Cadena (Team Storck - MRW Bau, rechts) hielt bei der Deutschland Tour nicht nur mit den WorldTour-Profis mit, sondern setzte eigene Akzente. Am Ende belohnte er sich als bester Conti-Fahrer mit dem 10. Gesamtrang. | Foto: Lukas Kegel
Auch sonst war das Team präsent: Genau nach Plan ging Alvaro Sagrado auf der 2. Etappe in die Fluchtgruppe des Tages, ehe schließlich Noé Ury im Sprint als 16. bester Storck-Fahrer war. Auch Lennart Voege warf sich immer wieder nach vorne und sammelte wie Sagrado Zähler für die Bergwertung.
Eine ganz eigene Geschichte war der Auftritt von Matthew Walls, den das Team auf der Königsetappe verlor. Der Brite hatte sich bei der Tour de Wallonie einen Schlüsselbeinbruch, sechs gebrochene Rippen und eine Lungenverletzung zugezogen - und stand rund zwei Monate später überhaupt schon wieder bei einem Rennen dieses Niveaus am Start.
"Man darf nicht vergessen, was er in den vergangenen Wochen hinter sich gebracht hat. Allein das zeigt, was für ein Kämpfer er ist", betonte Rammler. Für Linders überwog trotz des kräftezehrenden Rennens die Begeisterung über den Rahmen: "Es war Wahnsinn, wirklich - wie sich der Radsport in Deutschland entwickelt hat. Die Anstiege komplett voll mit Zuschauern, die Finals fünf, sechs, sieben Reihen tief."
Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur wiederum machte seinen Erfolg an einem anderen Trikot fest - und an einem Gesamtauftritt, der weit über die Ergebnisliste hinausreichte. Ben Felix Jochum wurde als Kämpferischster Fahrer der Gesamtwertung ausgezeichnet, war zudem Zweiter der Bergwertung und durfte bei der finalen Siegerehrung aufs Podium. "Das hat er sich verdient als Most Aggressive Rider", freute sich der Sportliche Leiter Torsten Schmidt gegenüber RSN.
Verdienter Lohn für den aktivsten Auftritt: Ben Felix Jochum wurde in Heilbronn als kämpferischster Fahrer der Deutschland-Tour geehrt. | Foto: Felix Küster / Lotto - Kern-Haus - Outlet Montabaur
Präsenz zeigte das Team über die gesamte Woche: Auf der Sprintetappe übernahm Lotto - Kern-Haus Verantwortung und positionierte Jonathan Malte Rottmann, der sich als 15. gegen Weltklasse-Konkurrenz mehr als nur wacker schlug. Auf dem schweren Stadtkurs im Finale von Heilbronn setzte Alexandre Kess mit Platz 15 noch einen drauf. "Da, wo sich die Jungs präsentieren konnten, haben sie die Chance genutzt", resümierte Schmidt. "So wurde die Deutschland-Tour für uns ein großer Erfolg."
Dass man Lotto - Kern-Haus über weite Strecken vorne im Feld sah, blieb auch abseits der Strecke nicht unbemerkt. "Wir hatten viele Gäste aus Politik und Wirtschaft. Das war für uns wirklich eine tolle Woche", gab Schmidt zu Protokoll - und verwies zugleich auf den Wert der Erfahrung: "Die Erfahrung, die die Jungs mitnehmen, macht sie noch einen Schritt stärker, besser."
So verschieden die drei Erfolgsgeschichten waren, ein Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch sämtliche Rückblicke: Die Vorstellungen bei der Deutschland Tour waren Ergebnis einer Mannschaftsleistung, die weit über die jeweils sechs Fahrer hinausging. "Dieser Erfolg gehört auch dem Team hinter dem Team - unseren Betreuern, Mechanikern, Physiotherapeuten und allen Helfern", hob Rammler hervor.
Linders schloss sich dem an und dankte "dem großen Team hinterm Team, das allen den Rücken freigehalten hat", während Scherf betonte, jeder Einzelne habe alles gegeben. Genau diese geschlossene Arbeit vor großer Kulisse machte für alle drei Rennställe den Unterschied - und die Vorfreude auf die nächste Ausgabe der Deutschland Tour war bereits jetzt groß. "Hoffentlich im nächsten Jahr wieder", brachte es Linders auf den Punkt.
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