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30.08.2026 | (rsn) – Einen Tag nach dem Ausscheiden von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat Enric Mas (Movistar) nicht nur das vom gestürzten Slowenen übernommene Rote Trikot der 81. Vuelta a Espana (2.UWT) souverän verteidigt, sondern mit seinem Sieg auf der 9. Etappe über 187,4 Kilometer von La Vila Joiosa zum Alto de Aitana die Führung im Gesamtklassement ausgebaut.
Mit zwei trockenen Attacken auf den letzten drei des 22 Kilometer langen Schlussanstiegs wurde der 31-jährige Spanier bis auf Oscar Onley (Netcompany – Ineos) alle Konkurrenten los und bezwang im Bergaufsprint den 23-jährigen Schotten schließlich souverän, um seinen ersten Erfolg seit fast vier Jahren zu feiern. Zudem bescherte er seinem Team den ersten Vuelta-Etappensieg seit 2021.
Mit zwölf Sekunden Rückstand wurde der erneut starke Slowene Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) Dritter und festigte damit seinen zweiten Platz im Klassement vor Felix Gall (Decathlon – CMA CGM). Der 28-jährige Österreicher konnte im Finale dem Tempo der drei Tagesbesten nicht folgen und belegte Rang vier (+0:18) vor dem Spanier Cristian Rodriguez (XDS – Astana / +0:20) und dem Dänen Mattias Skjelmose (Lidl Trek / +0:20). Bester deutscher Fahrer war Emanuel Buchmann (Cofidis), der 7:34 Minuten hinter dem Etappengewinner auf Rang 27 das Ziel erreichte.
“Jetzt verstehe ich Tadej. Das Trikot verleiht Flügel“, sagte Mas im Flash-Interview nach seinem clever herausgefahrenen Coup. “Von gestern Nachmittag bis jetzt hat das Team meiner Meinung nach perfekte Arbeit geleistet. Wir sind die ganze Zeit über unglaublich ruhig geblieben und haben die Situation sehr gut im Griff gehabt. Ich war vom Start weg so aufgeregt wie ein kleines Kind, und mit diesem Trikot zu gewinnen – das kann ich euch versichern – ist ein ganz, ganz besonderes Gefühl“, fügte er an.
“Wie ich schon sagte: Wir können immer hoffen. Ich bin zufrieden, ich habe nicht zu viele Kräfte gelassen, schönes Wetter, nette Anstiege, es läuft gut“, sagte ein sichtlich gut gelaunter Roglic Das Rennen ist definitiv offen. Man wünscht natürlich niemandem was Schlechtes, aber ja, das Rennen ist jetzt offen“, fügte der Routinier mit Blick auf den gestrigen Sturz seines Landsmanns Pogacar an.
Vor dem ersten Ruhetag dieser Spanien-Rundfahrt führt der dreimalige Vuelta-Zweite Mas das Klassement mit 1:18 Minuten vor dem viermaligen Gesamtsieger Roglic an. Galls Rückstand vergrößerte sich auf 1:39 Minuten, Onley (+2:20) ist neuer Vierter vor dem Ecuadorianer Richard Carapaz (EF Education – EasyPost / +3:26), Skjelmose (+3:55) und dem US-Amerikaner Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike / 4:09) der vom vierten auf den siebten Platz zurückfiel. Dagegen behauptete Galls Edelhelfer Gregor Mühlberger (+7:33) den neunten Platz. Der 33-jährige Buchmann machte sechs Positionen gut und wird nun auf Rang 26 geführt, allerdings mit bereits mehr als 40 Minuten Rückstand.
Der Belgier Wout van Aert (Visma - Lease a Bike) verteidigte das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers, der Kolumbianer Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) übernahm die Führung in der Bergwertung, Onley behauptete das Weiße Trikot, Decathlon baute die Führung in der Teamwertung aus.
Die finale Etappe vor dem ersten Ruhetag dieser Spanien-Rundfahrt hatte es in sich. An den sechs Bergwertungen waren maximal 38 Zähler für das Gepunktete Trikot zu holen, mehr als 5.000 Höhenmeter mussten die noch 173 Profis im Rennen bewältigen. Nicht mehr dabei waren an der Costa Blanca neben Tadej Pogacar (UAE – Emirates) auch Diego Uriarte (Kern Pharma), Floris van Tricht (NSN) und Mattia Gaffuri (Picnic – PostNL), die allesamt wie der Weltmeister zu den Sturzopfern des gestrigen Tages gezählt hatten.
Früh bildete sich auf Initiative des angriffslustigen Alexey Lutsenko (NSN) eine stark besetzte Spitzengruppe, zu der neben dem Kasachen noch der Franzose Pavel Sivakov (UAE -Emirates - XRG), der Däne Andreas Kron (Uno-X Mobility), der Australier Alastair Mackellar (EF Education - EasyPost), der Schweizer Fabian Weiss (Tudor) und Geburtstagskind Alessandro Romele (XDS - Astana) aus Italien gehörten. Hinter dem Sextett kehrte aber keine Ruhe im Feld ein, doch trotz zahlreicher weiterer Attacken schaffte zunächst kein Fahrer mehr den Anschluss.
Im ersten Anstieg des Tages, an dessen Gipfel sich Kron die Bergwertung sicherte, fiel Grand-Tour-Debütant Weiss aus der Gruppe heraus. Zugleich gab mit Pablo Torres ein weiterer UAE-Profi das Rennen auf. Buitrago, Finn Fisher-Black (Red Bull – Bora - hansgrohe), Valentin Paret-Peintre (Soudal - Quick-Step), Urko Berrade (Kern Pharma), Kevin Vermaerke (UAE - Emirates - XRG) und weiteren Fahrern gelang in mehreren Wellen dann doch noch der Sprung nach vorn, so dass die Gruppe auf letztlich 24 Fahrer anwuchs.
Das Streckenprofil der 9. Etappe der Vuelta a Espana | Foto: Veranstalter
Im Feld hatte mittlerweile Movistar die Kontrolle übernommen, der Rückstand zur Spitze wuchs jedoch schnell an. An der Bergwertung des Alto del Miserat (1. Kategorie), die sich Buitrago wie auch die folgende der 3. Kategorie sicherte, betrug der Abstand um die drei Minuten und wuchs danach um weitere drei Minuten an. Danach stabilisierte sich die Rennsituation.
Rund 66 Kilometer vor dem Ziel holte sich Buitrago auch die vierte Bergwertung (2.Kat.), um seine Führung weiter auszubauen. In der Abfahrt löste sich der seit heute 23-jährige Romele aus der Gruppe und sicherte sich als Erster am Zwischensprint in Benifallim 20 Punkte. Im sich kurz darauf anschließenden Puerto de Benifallim (3. Kat.) attackierte der Spanische Meister Marcel Camprubi (Pinarello - Q36.5) aus der kleiner werdenden Verfolgergruppe heraus, während sechs Minuten dahinter nun die Decathlon-Equipe die Spitze des Feldes übernahm.
Zu Camprubi schloss kurz darauf Sivakov auf, ehe das Duo 40 Kilometer vor dem Ziel Romele stellte. Den 22 Kilometer langen Schlussanstieg, wo der Sprintspezialist früh den Anschluss verlor, nahm die nur noch zweiköpfige Spitze mit fast eineinhalb Minuten Vorsprung auf die nächsten Verfolger in Angriff – das Feld folgte weitere vier Minuten dahinter.
Buitrago, Lutsenko, Paret-Peintre, sein Teamkollege Filippo Zana und Milan Vader (Pinarello – Q36.5) lösten sich rund 15 Kilometer vor dem Ziel und starteten die Jagd auf das Spitzenduo, aus dem fünf Kilometer später Sivakov seinen entkräfteten Begleiter stehen ließ. Aufgrund der Arbeit von Galls Mannschaft schrumpfte das Feld schnell zusammen, bis sich schließlich nur noch 15 Fahrer in der Gruppe hielten.
Nach einer massiven Tempoverschärfung durch Landsmann Gregor Mühlberger attackierte Gall kurz vor der steilsten Passage sieben Kilometer vor dem Ziel. Nach einer kurzen Verschnaufpause trat der Osttiroler erneut an, folgen konnten ihm Mas, Roglic, Onley, Carapaz, Harold Tejada (XDS – Astana) und Jarno Widar (Lotto – Intermarché). Als das Tempo wieder rausgenommen wurde, zog Carapaz 5,5 Kilometer vor dem Ziel an Zana und Buitrago vorbei.
Doch Onley führte die anderen Favoriten wieder an Carapaz und kurz darauf auch an Sivakov heran. Nach einer weiteren vergeblichen Attacke von Gall nutzen Skjelmose, Tejada und Widar die folgende Tempoverschleppung, um heranzukommen und ihrerseits zu attackieren. Erst jetzt trat das Rote Trikot erstmals in Erscheinung: Drei Kilometer vor dem Ziel zog Mas mit Onley am Hinterrad davon, ehe einen Kilometer später Roglic noch dazu stieß.
Prompt trat Mas nochmals an und schüttelte den Red-Bull-Kapitän wieder ab. Onley dagegen hielt sich problemlos im Windschatten des Katalanen, der sich dann aber im Sprintduell von der Spitze weg souverän seinen zweiten Vuelta-Etappensieg sicherte. Hinter Roglic kam Gall als Vierter ins Ziel und verpasste damit die Bonussekunden.
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