Weltranglistenerste Wiebes will weg

Tromp: “Wir alle müssen Verträge respektieren“

Von Felix Mattis

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Mit 15 Saisonsiegen stürmte Lorena Wiebes (Parkhotel Valkenburg) 2019 an die Spitze der Weltrangliste. | Foto: Cor Vos

07.11.2019  |  (rsn) - Eigentlich sollte es ganz einfach sein: Athleten und Teams schließen Verträge ab, die dafür sorgen, dass beide Seiten für diesen Zeitraum Planungssicherheit haben. Doch wenn das große Geld oder die Möglichkeit zur Verwirklichung von Träumen winken, wird daran immer häufiger gesägt.

Während bei Bora - hansgrohe die Diskussionen um Sam Bennett nun endgültig abgeschlossen sind und die Raublinger WorldTour-Mannschaft dem Iren trotz laut UCI-Schiedsgericht gültiger Vorvereinbarung für eine Vertragsverlängerung nun doch die Freigabe zum Teamwechsel erteilt hat, steht der niederländische Rennstall Parkhotel Valkenburg vor einem noch heißeren Fall: Die Weltranglistenerste Lorena Wiebes will weg, obwohl sie einen noch gültigen Vertrag für zwei weitere Jahre hat.

Wie die Website wielerverhaal.nl am Montag unter Berufung auf Wiebes' Manager André Boskamp berichtete, hat die 20-Jährige Angebote von gleich drei Top-Teams: Trek - Segafredo, CCC - Liv und Sunweb. Außerdem habe es bei der Unterzeichnung des Vertrags mit Parkhotel Valkenburg Ende 2017 angeblich eine mündliche Zusage gegeben, wonach der Vertrag in einem solchen Fall aufgelöst werden könne, heißt es da. Das bestreitet jedoch Parkhotel Valkenburg-Teamchefin Esra Tromp: "Nein, das ist nicht wahr", sagte sie radsport-news.com. Sie selbst habe auch nicht von drei, sondern nur einem Angebot für Wiebes gehört.

Tromp sagte am Telefon, es sei schade, dass das Thema öffentlich behandelt werde. "Ich möchte das eigentlich nicht in den Medien diskutieren und auch nicht viel dazu sagen", betonte sie. "Aber Lorena hat einen Vertrag für zwei weitere Jahre bis Ende 2021 und natürlich muss sie den einhalten. Wir werden uns noch einmal mit ihrem Manager zusammensetzen und versuchen, eine Lösung zu finden, die alle zufriedenstellt."

Zuvor hatte Wiebes auf Twitter bereits erklärt, es sei "sehr unglücklich, dass es zwischen Parkhotel Valkenburg und mir jetzt zu dieser Situation gekommen ist". Die Weltklasse-Sprinterin wolle richtigstellen, was im Artikel von wielerverhaal.nl wie Kritik an ihren Teamkolleginnen geklungen hatte. Dort stand, Wiebes wolle wegen fehlender Unterstützung von Parkhotel Valkenburg weg. "Ich war meinen Teamkolleginnen (und Betreuern) immer dankbar", so Wiebes auf Twitter, gab dann aber zu: "Es ist nicht überraschend, dass ich es im Finale oft allein machen musste, da Parkhotel Valkenburg ein Entwicklungsteam ist und ich von den Mädels auch nicht mehr erwarten konnte."

Wiebes-Erfolge fordern das Team heraus

Das Team, das sich in den vergangenen Jahren die Förderung junger Fahrerinnen auf die Fahne geschrieben hat, gab Wiebes im Sommer 2018 einen Vertrag für die kommenden drei Saisons. Zu diesem Zeitpunkt kratzte die damals noch 19-Jährige gerade an den Top 20 der Weltrangliste. 2019 folgte der Durchbruch mit 15 Saisonsiegen und dem Sturm an die Spitze der Weltrangliste. Ihr junges Team stand vor vielen schweren Aufgaben, und als Wiebes bei den WorldTour-Rundfahrten Ladies Tour of Norway oder Boels Ladies Tour ihre Führungstrikots verlor, musste sie sich teilweise allein in der Favoritengruppe verteidigen.

"Ich denke, der Druck auf meinen Teamkolleginnen würde nach dem Erfolg von 2019 nur größer werden und der Fokus auf der Entwicklung junger Talente würde verloren gehen unter dem Druck, Ergebnisse zu holen", erklärte sie auf Twitter nun, warum aus ihrer Sicht ihr Abschied auch fürs Team besser wäre.

Was für den Rennstall besser ist, das hat aber Tromp zu entscheiden. Dem Hauptsponsor, der dem Frauenradsport seit 2014 treu ist und nun endlich die Früchte eines langen Engagements sieht, dürften die Erfolge von Wiebes im Jahr 2019 sehr gut gefallen haben.

Letztendlich, so Tromp, sei es doch so: "Wir müssen Verträge respektieren - Teams und Fahrerinnen. Sie müssen sich ja auch auf Teams verlassen können, dass die nicht einfach einen Vertrag brechen wollen, nur weil sie mal keine Leistung bringen", so die Niederländerin, die bis Ende 2017 selbst noch für das Team fuhr.

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