Neben dem Anfahrer-Job für Nizzolo

Zabel will 2022 wieder mehr auf eigene Kappe fahren

Von Sebastian Lindner

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Neben der Anfahrer-Rolle für Giacomo Nizzolo will Rick Zabel 2022 auch wieder auf eigene Rechnung fahren. | Foto: Cor Vos

14.01.2022  |  (rsn) – Nach “einem der besten Winter“ seiner Karriere – Trainingslager in Israel, auf Mallorca und aktuell noch bis 20. Januar in Girona tragen dafür Sorge – will Rick Zabel in der neuen Saison wieder angreifen. Einerseits an der Seite seines neuen Kapitäns im Team Israel – Premier Tech, Giacomo Nizzolo. Andererseits aber auch auf eigene Rechnung.

“Ich sehe keinen Grund, warum ich mich verstecken sollte, wenn ich einen guten Tag habe und mir der Parcours liegt“, sagte Zabel zu radsport-news.com. Vielleicht liege das daran, dass er im letzten Jahr fast ausschließlich im Dienst von André Greipel unterwegs und “superloyal“ war. Mit seinem Ex-Kapitän ist er auch nach dessen Karriereende weiter eng befreundet. “Wir haben Weihnachten und Neujahr telefoniert, jetzt sind wir täglich über WhatsApp in Kontakt, weil er sich noch dafür interessiert, was in seinem alten Team los ist.“

Vielleicht liegt der wieder erwachte Ehrgeiz, der im Grunde nur unterdrückt und nie weg war, aber auch daran, dass sich Zabel im letzten Jahr seines laufenden Vertrages befindet. “Anfahrer sein ist ein schöner Beruf, den mache ich gerne. Einziger Nachteil ist dabei, dass man von einem Sprinter abhängig ist. Wenn er gewinnt, stehst du auch gut da. Bleiben die Resultate aus, ist es schwer, sich selbst einen guten Ruf aufzubauen.“

Der 28-Jährige, der mittlerweile auch sein Alter im Kopf hat (“Der Radsport hat sich verändert. Sobald man die 30 überschreitet, gilt man als alt“), machte dafür eine Beispielrechnung auf. “Wenn so eine Saison 80 Renntage hat, würde ich mich freuen, wenn für mich dabei fünf Chancen herausspringen, in einer guten Saison vielleicht auch zehn.“ Aber freilich nur in Rennen, in denen Nizzolo nicht dabei ist. “Wenn Giacomo am Start ist, gibt es keine Diskussion, da wird für ihn gefahren", betonte Zabel.

Hamburg, Frankfurt und die Heim-EM sind Zabels persönliche Ziele

Zu den Rennen mit eigenem Stempel sollen auf jeden Fall die in der Heimat gehören. Die Cyclassics in Hamburg etwa, wobei dort auch Nizzolo am Start sein könnte, vor allem aber Eschborn - Frankfurt. Dort wurde Zabel 2017 Zweiter – ein Resultat, das er gerne wiederholen oder toppen würde. “Das ist kurz vorm Giro, da sollte ich in Topform sein.“

Denn der Giro d'Italia ist auch als Grand Tour für Nizzolo eingeplant und allein deshalb auch schon Saisonhighlight für Zabel. “Er ist sehr motiviert, sieht schon jetzt sehr fit aus“, sagte er über den Italiener. “Ich mag die Art, wie er Dinge angeht, wir scheinen auf einer Wellenlänge zu sein. Der erste Eindruck ist positiv, aber wir müssen das erst noch im Rennen beweisen.“ In den Sprintzug mit Matthias Brändle und Alex Dowsett werde der neue Kapitän aber in jedem Fall gut passen.

Vielleicht könne Nizzolo ja sogar noch ein Ticket für die Tour de France lösen? “Ich habe da immer noch ein leise Hoffnung drauf, insgeheim wünsche ich mir das schon. Ich weiß aber, dass das Team auf die Gesamtwertung fahren will und Sprinter eigentlich keine Chance haben.“ Doch, so Zabel: “Wenn wir jetzt mit Giacomo zehn Rennen im Frühling gewinnen, gibt es vielleicht doch noch eine Chance. Auch letztes Jahr waren wir mit André eigentlich für den Giro geplant und waren am Ende doch bei der Tour.“

Aber nicht nur im Trikot seines Teams, sondern auch in dem der Nationalmannschaft will Zabel eine gute Figur abgeben. Im August steht die Heim-Europameisterschaft in München an. “Ich könnte da eine wichtige Rolle für den BDR spielen, mit Pascal Ackermann und Phil Bauhaus gibt es zwei Leute, die auf dem Parcours um eine Medaille oder gar den Titel mitfahren können“, so Zabel.

Rick Zabels vorläufiges Rennprogramm:
Comunita Valenciana (2. bis 6. Februar)
Clasica de Almeria (13. Februar)
UAE Tour (20. bis 26. Februar)
Tirreno – Adriatico (7. bis 13. März)
Mailand – Sanremo (19. März)
Gent – Wevelgem (27. März)
Tour of Turkey (10. bis 17. April)
Eschborn – Frankfurt (1. Mai)
Giro d'Italia (6. bis 29. Mai)

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