Tour de Suisse: Schachmann Etappenzehnter

Gall garniert seinen ersten Profisieg mit dem Gelben Trikot

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Felix Gall (AG2R Citroën) übernahm mit dem Gewinn der 4. Etappe der Tour de Suisse 2023 auch das Gelbe Trikot. | Foto: Cor Vos

14.06.2023  |  (rsn) – Nach einem Angriff 20 Kilometer vor dem Ziel hat sich Felix Gall (AG2R – Citroën) auf der 4. Etappe der Tour de Suisse seinen ersten Profisieg gefeiert. Der Österreicher schüttelte alle Konkurrenten ab und kam nach 153 Kilometern zwischen Monthey und Leukerbad mit 1:02 Minuten Vorsprung auf Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step) ins Ziel. Dritter wurde Mattias Skjelmose (Trek – Segafredo / +1:03), der sein Gelbes Trikot an den Tagessieger abgeben musste. Cian Uijtdebroeks (Bora – hansgrohe / +1:05) beendete das Rennen als Vierter vor dem zeitgleichen Wilco Kelderman (Jumbo – Visma), sein deutscher Teamkollege Maximilian Schachmann überzeugte als Zehnter.

Nachdem er seinen ersten Sieg als Berufsradfahrer am Vortag noch knapp verpasst hatte, versuchte Gall es am Mittwoch mit der Brechstange. “Gestern habe ich mich supergut gefühlt. Ich bin in der Form meines Lebens. Wir haben heute früh gesagt, dass, wenn ich mich wieder so gut fühle, ich es einfach probieren muss“, meinte er im Ziel-Interview. Der Anstieg nach Dorben hatte kaum begonnen, da ging der 25-Jährige schon in die Offensive. “Es war noch ein weiter Weg bis ins Ziel. Ich hätte nicht gedacht, dass das klappt. Aber mit den besten Beinen meines Lebens konnte ich nicht einfach im Feld sitzen und warten“, meinte Gall.

Nach dreineinhalb sieglosen Jahren in der WorldTour konnte der Junioren-Weltmeister von 2015 erstmals jubelnd über den Zielstrich fahren. “Ich bin mit der Situation noch etwas überfordert, ich weiß gar nicht, was ich denken soll. Ich kann es noch gar nicht glauben, dass ich meinen ersten Profisieg bei der Tour de Suisse feiern kann. Und das Trikot des Führenden habe ich auch noch!“, freute er sich.

Im Klassement liegt Gall nun zwei Sekunden vor Skjelmose. Auch das Tragen eines Leadertrikots ist eine Premiere für den AG2R-Profi. “Hoffentlich kann ich das alles genießen“, sagte Gall mit Blick auf die schwere Etappe am Donnerstag. “Die Etappe ist etwas anders. Die Berge sind länger und höher. Mal sehen, wie mir das liegt. Das wird eine neue Erfahrung für mich, denn es ist das erste Mal, dass ich auf diesem Niveau mitfahren kann“, meinte er.

Für Bora – hansgrohe verlief der Tag nach Wunsch. Zwar spielte Sergio Higuita erneut keine Rolle, doch Uijtdebroeks und Schachmann konnten sich in der Verfolgergruppe halten. Der Deutsche musste die Favoriten erst auf den letzten Kilometern hinauf nach Leukerbad ziehen lassen. Sein 20-Jähriger Teamkollege kam drei Sekunden hinter Evenepoel als Vierter ins Ziel./p>

Der Weltmeister zeigte eine beeindruckende kämpferische Leistung, denn im Anstieg nach Dorben konnte er dreimal den besten sieben Fahrern, zu denen auch Schachmann gehörte, nicht folgen. In weniger steilen und abschüssigen Passagen kämpfte er sich stets wieder heran. Auf den letzten Kilometern fuhr Evenepoel allerdings stark und konnte seinen Kontrahenten im Sprint sogar noch um einige Sekunden davonsprinten.

Skjelmose dagegen fuhr ein sehr defensives Rennen und leistete erst auf den letzten Kilometern Verfolgungsarbeit. Er verlor so neben dem Gelben auch das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers an Gall. In der Punktewertung ist Wout van Aert (Jumbo – Visma) vorn, Lilian Calmejane (Intermarché – Circus – Wanty) übernahm aus der Gruppe des Tages heraus das Bergtrikot.

So lief die 4. Etappe der Tour de Suisse:

Es dauerte 47 Kilometer, bis sich auf noch flachem Terrain die Gruppe des Tages bildete. Mit dabei waren unter anderem Nikias Arndt (Bahrain Victorious) und die kletterstarken Jhonatan Narvaez (Ineos Grenadiers), Calmejane und Kevin Vermaerke (DSM). In der ersten Rennstunde legten die Spitzenreiter 55 Kilometer zurück. Da Narvaez im Klassement nur 2:38 Minuten Rückstand aufwies, wurde die Gruppe allerdings nicht weiter als drei Minuten weggelassen.

Zu Beginn des Anstiegs nach Crans Montana (1.Kat.) rund 70 Kilometer vor dem Ziel griff Gino Mäder (Bahrain Victorious) aus dem Feld heraus an. Fünf Kilometer später hatte der Schweizer den Anschluss nach vorn geschafft. Damit war Mäder nun der bestplatzierte Fahrer der Ausreißer. Beim Sprint um den Bergpreis schlug Pascal Eenkhoorn (Lotto - Dstny) Calmejane, der dennoch virtuell das Bergtrikot übernahm. Wieder im Tal, fuhr der Niederländische Meister beim Zwischensprint in Sierre ebenfalls als Erster über den Wertungsstrich. 35 Kilometer vor dem Ziel verwies Eenkhoorn auch an der Varenstrasse (3.Kat.) Calmejane auf Rang zwei.

Nachdem Stan Dewulf (AG2R – Citroën) den Zwischensprint in Turtmann für sich entschieden und so verhindert hatte, dass Mäder Bonussekunden gewinnen konnte, griff sein Kapitän auf den ersten Metern des nächsten Anstiegs zum Dorben (1.Kat.) an. Gall flog förmlich zu den Spitzenreitern hin und ließ mit Narveaz 18 Kilometer vor dem Ziel den letzten der frühen Ausreißer hinter sich zurück. Das stark dezimierte Feld hatte zu diesem Zeitpunkt 55 Sekunden Rückstand.

Das Profil der 4. Etappe der Tour de Suisse | Foto: Veranstalter

Evenepoel geriet nun in Schwierigkeiten. Er kämpfte sich zweimal zurück, 16 Kilometer vor dem Ziel aber musste er sieben Fahrer, zu denen auch Schachmann gehörte, ziehen lassen. In einer Zwischenabfahrt kam er mit drei Begleitern dann aber wieder heran. Skjelmose hielt sich derweil konstant zurück und überließ anderen Fahrern die Verfolgungsarbeit.

Das verleitete mit noch acht Kilometer vor dem Ziel Bardet zu einem Angriff. Zwei Kilometer später tat Kelderman es dem Franzosen gleich und schloss zu Bardet auf. Einen weiteren Kilometer danach schaffte auch Bilbao den Sprung in diese Gruppe. Doch Evenepoel brachte auf den letzten 3,5 Kilometern wieder alles zusammen.

Gall gewann derweil ungefährdet die Bergwertung und lag dort sogar 1:20 Minuten vor den Verfolgern. Während der Osttiroler seinem ersten Profisieg entgegenfuhr, wagte Bardet im kurzen Schlussanstieg nach Leukerbad einen weiteren Angriff, den Skjelmose mit Mühe vereiteln konnte. 100 Meter vor dem Ziel sprang Evenepoel weg und sicherte sich Rang zwei vor dem Dänen, der damit sein Gelbes Trikot nach nur einem Tag wieder los war.

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