Evenepoel fährt wieder hinterher

Del Toro ringt Tiberi nieder und schnappt sich Rot am Jebel Hafeet

Von Guido Scholl

Foto zu dem Text "Del Toro ringt Tiberi nieder und schnappt sich Rot am Jebel Hafeet"
Isaac Del Toro gewinnt die 6. Etappe der UAE Tour und übernimmt die Führung in der Gesamtwertung. | Foto: Cor Vos

21.02.2026  |  (rsn) - Der Mexikaner Isaac del Toro hat dem Team UAE – Emirates – XRG am Jebel Hafeet einen Heimsieg beschert und die 6. Etappe der UAE Tour gewonnen. Mit seinem mustergültig vorbereiteten Tagessieg sicherte sich der 22-Jährige auch die Gesamtführung und steht nun vor dem Gesamtsieg der WorldTour-Rundfahrt. Denn der bisherige Mann im Roten Trikot, Antonio Tiberi (Bahrain – Victorious), erreichte das Ziel mit 30 Sekunden Rückstand und verpasste als Tages-Vierter auch sämtliche Bonussekunden.

Dabei hatte es bis 2500 Meter vor dem Ziel so ausgesehen, als könne der Italiener seine Spitzenposition behaupten. UAE – Emirates – XRG hatte den Tag über die meiste Führungsarbeit verrichtet, und im Schlussanstieg war es dann Adam Yates, der die Favoritengruppe mit seinem Tempodiktat immer weiter verkleinerte. So bereitete er das Terrain für seinen Kapitän vor, dessen erster Attacke Tiberi noch scheinbar mühelos folgen konnte – doch Del Toros zweiter Angriff brachte ihn dann an seine Grenzen.

"Es war ein mentales Spiel. Ich habe versucht, den Glauben zu behalten und es weiter zu versuchen“, kommentierte der Etappensieger das Duell, das er vier Kilometer vor dem Ziel eröffnet hatte. "Es musste schließlich zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel passieren. Und dann musste ich durchziehen“, so Del Toro weiter, der den Erfolg als einen seiner drei Wichtigsten in seiner noch jungen Karriere einstufte. Und: "Es ist etwas Besonderes, mit einem solchen Team zu gewinnen.“

Etappenzweiter wurde der Australier Luke Plapp (Jayco – AlUla, +0:12 Sekunden), der wie schon bei der ersten Bergankunft vor zwei Tagen mit seinen Kletterqualitäten imponierte. Auf Platz drei erreichte der Österreicher Felix Gall (Decathlon – CMA CGM, +0:21) das Ziel, nachdem er auf dem letzten Kilometer noch an Tiberi vorbeigezogen war. Fünfter wurde der Norweger Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility, +0:36). Mit ihm erreichten Jorgen Nordhagen (Visma – Lease a Bike), Derek Gee-West (Lidl - Trek) und Harold Tejada (XDS – Astana) die Ziellinie. Die Top 10 komplettierten David Gaudu (Groupama – FDJ) und Michael Storer (Tudor, +0:48).

In der Gesamtwertung hat Del Toro jetzt 20 Sekunden Vorsprung auf den entthronten Tiberi. Dritter ist Plapp mit 1:14 Minuten Rückstand, auf Platz vier folgt Tejada (+1:25). Gall schob sich durch seinen starken Auftritt auf Position fünf vor und weist vor dem flachen 7. Teilstück 1:34 Minuten Abstand zum neuen Mann in Rot auf.

Auf den weiteren Plätzen folgen Lennert Van Eetvelt (Lotto – Intermarché, +1:44), dem ein Coup wie vor zwei Jahren versagt blieb, Gee-West (+1:47), Nordhagen (+1:55), Johannessen (+2:08) und Remco Evenepoel (Red Bull - Bora – hansgrohe, +2:25). Der Belgier bekundete zwar bereits gegen Ende der ersten Hälfte des Jebel Hafeet Schwierigkeiten, doch der Sieger des Zeitfahrens vom Mittwoch konnte den Schaden als Tages-15. auf 52 Sekunden begrenzen.

In der Punktwertung übernahm Del Toro durch seinen Triumph ebenfalls die Führung vor dem zweimaligen Etappensieger Jonathan Milan (Lidl – Trek), der morgen aber die Chance hat, dieses Sonderklassement für sich zu entscheiden. Beide trennen nur sechs Punkte, und der Mexikaner wird im wahrscheinlichen Massensprint nichts ausrichten können.

Silvan Dillier (Alpecin – Premier Tech) behauptete seine Spitzenposition in der Zwischensprintwertung, während Del Toro auch bei den Jungprofis an Tiberi (+0:20) vorbeiging. Dritter im Nachwuchsklassement ist Van Eetvelt mit 1:44 Minuten Rückstand. Die Mannschaftsführung führt UAE mit 22 Sekunden Vorsprung auf Visma – Lease a Bike an, Dritte Equipe ist Uno-X Mobility (+5:25).

So lief die 6. Etappe der UAE Tour

Nach 25 Kilometern führte der Italiener Mattia Gaffuri (Picnic – PostNL) die erste erfolgreiche Attacke. Er setzte sich gemeinsam mit Stefan Bissegger (Decathlon - CMA CGM), Axel Huens, Johan Jacobs (Groupama - FDJ), Joshua Tarling, Peter Oxenberg (Ineos – Grenadiers) und Mark Stewart (Tudor) ab. Zunächst gewährte das Feld dem Septett nicht allzu viel Vorsprung – maximal 1:15 Minuten waren es, ehe die Jäger 60 Kilometer vor dem Ziel bis auf gut 20 Sekunden heranrollten.

Das Profil der 3. Etappe | Foto: Veranstalter

Doch das war den Teams der Favoriten wohl zu früh, um die Fluchtgruppe einzuholen. Anschließend war kurz die Luft raus, sodass Bissegger und Co. auf knapp über zwei Minuten wegkamen. 35 Kilometer vor dem Ziel kam es zu einem Sturz am Ende des Pelotons, bei dem sich Chris Harper (Pinarello – Q36.5) eine Schulterverletzung zuzog. Der Australier musste die Rundfahrt in der Folge aufgeben. Kurz vor Beginn des Schlussanstiegs reduzierten die Helfer von UAE und Lotto den Abstand noch bis auf 1:20 Minuten. Im Jebel Hafeet mussten die Ausreißer einer nach dem anderen abreißen lassen, bis nur noch Tarling und Oxenberg vorn waren. 8000 Meter vor dem Ziel übernahm Decathlon – CMA CGM die Tempoarbeit, woraufhin die Hauptgruppe immer weiter ausdünnte. Auch Evenepoel konnte das Tempo bald nicht mehr mitgehen, kam in einem flacheren Abschnitt aber wieder zurück und probierte es sogar mit einer Attacke, die aber keine Wirkung zeigte.

Sechs Kilometer vor dem Ziel setzte sich Gall zunächst mit Tejada ab. Der Kolumbianer verrichtete allerdings kein Führungsarbeit. Und hinten machte kein Geringerer als Adam Yates für Del Toro die Pace. Ilan Van Wilder (Soudal – Quick Step) hängte sich am Hinterrad von Halland Johannessen auf und kam zu Fall. In dieser Phase musste Evenepoel die Favoritengruppe, in der sich Tiberi und Del Toro gegenseitig bewachten, ziehen lassen.

Del Toro war es dann, der den Kampf um den Gesamtsieg 4000 Meter vor dem Ziel eröffnete. Tiberi konnte ihm im steilsten Teil des Schlussanstiegs aber scheinbar mühelos folgen. Gall und Tejada wurden schnell ein- und überholt. Plapp konnte sich noch einmal kurz an die beiden Spitzenreiter heransaugen, doch dann griff Del Toro abermals an. Und diesmal brachte der Mexikaner auch Tiberi in Schwierigkeiten. Auch Plapp zog am Gesamtführenden vorbei, anderthalb Kilometer vor dem Ziel kam sogar Gall noch zurück, um Tiberi hinter sich zu lassen.

Del Toro erreichte das Ziel 12 Sekunden vor Plapp und 21 Sekunden vor Gall. Tiberi kämpfte sich als Vierter ins Ziel – doch 30 Sekunden waren deutlich zu viel Rückstand.

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