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04.01.2024 | (rsn) – Stefan Küng (Groupama – FDJ) hat drei Monate und 14 Tage nach seinem schweren Sturz im Einzelzeitfahren der Europameisterschaften von Drenthe im Gespräch mit radsport-news.com angeregt, dass auch der Radsportweltverband UCI und die Rennveranstalter Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen sollten.
"Auf die Thematik könnte von Seiten der UCI schon noch eingegangen werden. Du kannst einem Fahrer nicht sagen, er muss einfach den Kopf heben. Jeder Rennfahrer wird immer das machen, was ihn am schnellsten macht", erklärte der 30-Jährige mit Blick auf seinen Unfall vom 20. September in Emmen.
___STEADY_PAYWALL___"Von Seiten der Veranstalter oder der UCI muss man auf die Thematik eingehen, dass wir im Zeitfahren heute nicht mehr 50 fahren, sondern eher 55 oder 60. Da müsste man Kurven oder solche Gitter vielleicht auch anders kennzeichnen - vielleicht mit Markierungen vorher schon auf der Straße", so Küng. "Das klingt vielleicht etwas speziell, aber in der Formel 1 sagt man auch nicht: Fahrt langsamer, weil die Auslaufzone zu kurz ist! Die Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, so dass der Sport auf dem Niveau, auf dem er inzwischen stattfindet, sicher vonstattengehen kann."
Stefan Küng (Groupama – FDJ) in typischer Zeitfahr-Haltung. Gut zu sehen: die extreme Position der Arme | Foto: Cor Vos
Küng hatte in Emmen im Fernduell mit Joshua Tarling aus Großbritannien um den EM-Titel gekämpft, bis er knapp zwei Kilometer vor Schluss auf gerader Strecke in ein schräg auf die Straße verlaufenes Absperrgitter gerauscht war und sich dabei den Helm sowie zwei Mittelhandknochen zerbrach. Anschließend sprang er sofort wieder aufs Rad, um mit blutüberströmtem Gesicht noch auf Rang elf ins Ziel zu fahren.
Die Absperrungen waren vom linken Rand der breiten Landstraße schräg in Richtung Straßenmitte geführt worden, um die Fahrer auf den rechten Streifen zu leiten, weil kurz darauf in der Mitte ein Fahrbahnteiler begann und die Strecke anschließend rechts weiterging.
Nach dem Rennen wurde viel darüber diskutiert, dass seine Betreuer Küng wegen Verdachts auf eine Gehirnerschütterung vom sofortigen Wiederaufspringen aufs Rad hätten abhalten müssen. Dafür ging in Emmen aber offenbar alles viel zu schnell. Außerdem machte der Sturz deutlich, wie gefährlich die aktuellen Sitzpositionen der Zeitfahrasse sind, die möglichst aerodynamisch versuchen, ihren Kopf tief zu halten und dabei kaum mehr nach vorne schauen können.
Nach seinem schweren Sturz in Emmen erreicht der Schweizer blutüberströmt das Ziel des EM-Zeitfahrens. | Foto: Cor Vos
"Dass man nicht vorausschaut im Zeitfahren, das ist so", bestätigte auch Küng nun noch einmal, dass er sich quasi im Blindflug befunden habe. "Die Aero-Positionen werden immer extremer. Man ist darauf sehr sensibilisiert und sagt sich: Wenn ich kann, halte ich den Kopf unten! Es ging ja dort in Emmen auf dem Rückweg nur noch geradeaus und Feuer frei", so der Schweizer. "Wir haben es mit der Nationalmannschaft und den beteiligten Personen aufgearbeitet, weil der Sturz an sich ja unnötig war. Es sieht schon komisch aus, wie ich ins Gitter fahre. Das haben wir natürlich genau analysiert und unsere Schlüsse gezogen."
Doch diese Schlüsse dürften wohl kaum bedeuten, dass Küng künftig in Zeitfahren aufrecht auf dem Rad sitzt, um die ideale Übersicht zu haben. Dann nämlich hätte er keine Chance mehr gegen seine Konkurrenz. Deshalb fände er neben möglichen Verbesserungen an den Strecken und vor allem den Streckenmarkierungen auch Regeländerungen in Sachen Sitzposition überlegenswert.
"Oder so, ja", bestätigte Küng radsport-news.com, dass er auch dem gegenüber offen wäre. "Aber auch da liegt der Ball bei der UCI. Sie haben gemerkt, dass durch die Positionsanpassungen vor ein paar Jahren kleinere Fahrer im Vorteil waren. Das haben sie jetzt angepasst, aber dadurch hat sich alles noch extremisiert. Ich gehöre zur größten Fahrergruppe und daher liegt das Delta zwischen Auflagefläche und Oberkante der Extensions für mich bei 14 Zentimetern. Da muss man sich fragen, ob man das vielleicht hätte lassen sollen, wie es war und eher die kleineren Fahrer einschränken", überlegte der 1,93 Meter Thurgauer und fügte an: "Aber das ist nicht mein Fachgebiet."
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