Zwei Tour-Etappen an einem Tag

Das machen die Fahrerinnen zwischen der 2. und 3. Etappe

Von Felix Mattis aus Rotterdam Sebastian Lindner

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Für Maggie Coles-Lyster (Roland) ist die Pause zwischen den beiden Etappen an einem Tag am kürzestesten. Sie geht als erste Fahrerin des Zeitfahrens von der Rampe. | Foto: Cor Vos

13.08.2024  |  (rsn) – Das prestigeträchtigste Rennen im Frauen-Radsport um eine Etappe zu verkürzen kam nicht infrage. Ebenso wenig wie ein Start am Schlusstag der Olympischen Spiele, weshalb der Auftakt der Tour de France Femmes auf den Montag verlegt wurde. Da sich die ASO als Veranstalter aber nicht auch noch den zweiten Sonntag als großes Finale nehmen lassen wollte, gab es nur eine Möglichkeit: An einem Tag müssen zwei Etappen ausgetragen werden.

Was im Nachwuchs und auch bei semi-professionellen Rundfahrten in niedrigeren UCI-Kategorien keine Seltenheit ist, gab es in diesem Jahrtausend auf höchstem Niveau nicht mehr. Zwar wurden auch bei der Tour de France noch bis Anfang der 1990er mitunter zwei Teilstücke an einem Tag ausgefahren, doch optimale Bedingungen zur Erbringung von Höchstleistungen sehen anders aus.

Aus organisatorischer Sicht hingegen macht das Sinn. Das Ziel der Vormittagsetappe entspricht dabei genau dem Start- und Zielbereich des Zeitfahrens am Nachmittag. Allein der Aufwand zur Absperrung der sensiblen Bereiche wird dadurch geringer und entsprechend kostengünstiger gehalten. Andersherum wiegt der Eingriff in den öffentlichen Verkehr weniger schwer. Und auch für Fans und Zuschauer ist die Situation günstig, denn die können zwei Rennen an einem Tag verfolgen.

Hotelwahl entscheidend, Streckenbesichtigung nach Maß

Für die Teams bedeutet die Doppeletappe jedoch Schwierigkeiten diverser Art. "Nach dem Zieleinlauf des ersten Abschnitts werden wir uns rund 20 Minuten ausfahren, weil auch die Busse noch nicht da sein werden“, sagte etwa Juliette Labous (dsm-firmenich - PostNL) gegenüber RSN. Aufgrund der Kürze des ersten Teils, der keine 70 Kilometer lang war, schafften es die Teamfahrzeuge, die nach den Fahrerinnen starten, über die Umleitungsstrecke nicht rechtzeitig nach Rotterdam. Von “Essen am Auto“ und ein wenig Entspannung, bevor es dann zum Duschen in die Busse geht, sobald die da sind, sprach Liane Lippert (Movistar).

Für die 26-Jährige und ihr Team ist die Kürze der Zeit zwischen den Etappen – mit Maggie Coles-Lyster (Roland) geht die erste Starterin 15:15 Uhr von der Rampe – aber nicht ganz so wild, was allerdings nur an den Ambitionen der Mannschaft liegt. “Wir werden nicht alle voll fahren. GC ist nicht unser Ziel und von daher werde ich auch nicht die ganze angesetzte Stunde für die Besichtigung des Kurses nutzen, sondern eher einmal herumfahren.“

Anders sieht das bei denen aus, die entweder auf den Etappensieg schielen, oder mit Hinblick auf das Gesamtklassement nicht allzu viel Zeit verlieren wollen. Im Zwiespalt ist die frischgebackene Zeitfahr-Olympiasiegerin Grace Brown (FDJ-Suez). "Ich denke, ich werde ein paar Mal herumfahren – je nachdem was ich so entdecke. Aber man muss sich auch erholen von der Vormittagsetappe. Deshalb sollte man es auch nicht übertreiben mit dem Recon." Günstig für sie: "Unser Team hat großzügigerweise ein Hotel für uns besorgt für zwischen den Etappen. So müssen wir nicht draußen rumhängen. Das hilft sicher."

Markus: “Sechs bis zehn Fahrerinnen“ kämpfen um den Sieg

Vor allem die Mannschaften, die von Montag auf Dienstag nicht in Rotterdam untergebracht waren, kämen ohne eine Zwischenlösung in die Bredouille. Human Powered Health und Romy Kasper haben bereits eine Nacht in der Hafenmetropole verbracht. "Wir gehen nochmal zurück ins Hotel. Wir haben dort Essen und noch zwei Zimmer zum Duschen und Ausruhen. Wir rollen uns mit dem Rad zehn Minuten aus und dann sind wir dort."

Auch Visma – Lease a Bike nächtigte bereits in Rotterdam. “Es sind mit dem Rad nur fünf Minuten zu unserem Hotel, also werden wir dort die Zeit verbringen - so viel wie möglich auf dem Bett liegen und etwas essen. Das war’s“, so Riejanne Markus, die ebenfalls zu den Kandidatinnen auf einen Sieg im Zeitfahren gehört. Entsprechend will auch sie die Besichtigungszeit für den 6,3 Kilometer langen Kurs gut ausnutzen.

Ihre Favoritinnen-Liste umfasst dabei sechs bis zehn Frauen, die nah aneinander sind und unter denen es um Sekunden geht. Da habe ich vor allem die Teamverfolgungs-Olympiasiegerinnen im Blick, denen das hier wirklich liegen sollte." Von denen sind Chloe Dygert (Canyon – SRAM) und Kristen Faulkner (EF – Oatly – Cannondale) dabei.

Zum Kreis der Anwärterinnen auf den Tagessieg dürften aber auch die Sprinterinnen zählen. Lorena Wiebes (SD Worx – Protime) dürfte mit ordentlich Wut im Bauch unterwegs sein, Vormittags- und Vortagessiegerin Charlotte Kool (dsm-firmenich – PostNL) wirkt ohnehin wie beflügelt. Die Olympia-Zweite Anna Henderson (Visma – Lease a Bike) und Ellen van Dijk (Lidl-Trek), für die sich der Medaillentraum nicht erfüllte, haben ebenso ihre Chancen wie auch Titelverteidigerin Demi Vollering (SD Worx – Protime).

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