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07.03.2026 | (rsn) – Ungläubig schüttelte Franziska Koch (FDJ – United Suez) den Kopf, als sie auf Platz drei über die Ziellinie an der Piazza del Campo rollte. Wenige Minuten davor hatte die Deutsche Meisterin nochmals mehrfach an ihrer Halskette gezogen, als ob sie diese beschwören wollte: “So, jetzt bring mir nochmal Glück im Finale“. Und beinahe hätte es für Koch in Siena sogar zum ganz großen Wurf gereicht.
Zwei Kurven vor dem Ziel der 12. Strade Bianche nahm die 25-Jährige allen Mut zusammen, trat ein letztes Mal kräftig an – und Elisa Longo Borghini (UAE – Team ADQ) die Tür nicht zu gemacht, wer weiß…… . So sprang aber eine andere FDJ-Fahrerin in die Bresche, um die Ehre des favorisierten Teams doch noch zu retten.
Elise Chabbey hatte bereits nach zwei Renndritteln Verantwortung übernommen, als ihre designierte Leaderin Demi Vollering am Sektor von La Tolfe in Folge eines Defekts und einer Fehlleitung durch das Begleitmotorrad alle Siegesambitionen begraben musste.
Die Titelverteidigerin beschrieb im Ziel die vorentscheidende Situation so: “Nach meinem Defekt habe ich ein neues Rad bekommen und wir haben Vollgas die Verfolgung aufgenommen. Dann ist aber ein Fahrzeug vor uns falsch nach rechts abgebogen und auch ich bin diesem in der Gruppe gefolgt. Ich konnte mich von den letzten Jahren gar nicht an diesen Schotter erinnern, schaute auf mein Garmin und dachte nur 'Sch….'. . Dann war das Rennen für mich vorbei“, sagte sie nüchtern.
Nach Vollerings Pech gemeinsam mit Dominika Wlodarczyk (UAE – ADQ) über einige Kilometer alleine an der Spitze fahrend, machte Chabbey auf den letzten Schottersektoren deutlich, welches Team das Finale der schnellsten Strade Bianche (37km/h) dominieren würde.
Als sie und die Polin gestellt wurden, übernahm UAE-Kapitänin Longo Borghini, während FDJ United – Suez mit der Schweizerin und Koch noch zu zweit in der achtköpfigen Spitzengruppe saß. “Ich war so oft am Limit und mein Kopf sagte, dass ich aufgeben möchte“, beschrieb Chabbey ihre emotionale Achterbahnfahrt während des Rennens. “Nein, hörte mich dann aber sagen. Ich muss für Demi und all meine Teamkolleginnen bis ins Finale kommen“, so Chabbey weiter.
Am Teufelslappen war dann kein Blickkontakt erkennbar, Chabbey und Koch schienen in der 16 Prozent steilen Abschlussrampe mit wechselseitigen Attacken derart eingespielt, dass der Konkurrenz schwindelig wurde. Während der späteren Gewinnerin spätestens nach dem Gewinn der Bergtrikots bei der letztjährigen Tour solch eine Performance in einem schweren Finale zuzutrauen war, überraschte Koch wie schon so oft in den vergangenen zwei Jahren.
Mit ihren gezeigten Bergaufqualitäten bei der Tour 2025 und spätestens nach einem furiosen Saisoneinstieg beim derzeit weltbesten Team, hat Koch endgültig die Metamorphose von der einstigen Edelhelferin zur potenziellen Siegfahrerin durchlaufen.
Nach der heutigen Demonstration der Stärke wird bei der Konkurrenz des FDJ – Teams vor allem eines zurückbleiben: eine Menge an Fragezeichen in den Augen, wie man dieses Team wohl zukünftig wird knacken können? Denn richtet es nicht Vollering selbst, springt halt eine andere ein, wie Chabbey eindrucksvoll verdeutlichte. “Wir arbeiten wirklich gemeinsam, wie der Teamname United es ausdrückt. Heute sollte es eigentlich für Demi ausgehen, aber nun war ich dran. Und ich denke, sie wird genau so glücklich sein, als wenn sie selbst gewonnen hätte.“
Insbesondere das einstige Klassiker- und Vorzeigeteam SD Worx – Protime dürfte die Toskana mit Sorgenfalten auf der Stirn verlassen. Keine Fahrerin landete unter den Top 15, Anna van der Breggen war mit 6:15 Minuten Rückstand auf Chabbey die Beste der Niederländerinnen.