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09.03.2026 | (rsn) – Mit Tirreno-Adriatico (2.UWT) beginnt am Montag in Lido di Camaiore für Max Walscheid das zweite Etappenrennen in den Farben seines neuen, deutschen Teams Lidl – Trek. Und nachdem der Heidelberger bereits bei der UAE Tour als Teil des Sprintzuges von Jonathan Milan drei Tagessiege feiern durfte, will Walscheid daran in Italien nun anknüpfen. Es gilt, die Zusammenarbeit weiter zu verbessern und das Vertrauen seines 25-jährigen Teamkollegen in ihn weiter zu steigern, gleichzeitig aber auch die eigene Form in Richtung Klassiker-Kampagne zu boosten.
"Ich habe eine sehr intensive Periode vor mir: Jetzt eine Woche Tirreno, dann in der Woche danach Danilith Nokere Koerse, Grand Prix de Denain und Bredene Koksijde Classic (alle 1.Pro). Das ist schon sehr hart und dadurch kann ich mich hoffentlich in die nötige Top-Shape für die Klassiker bringen", erklärte Walscheid radsport-news.com vor dem Fernfahrt-Start am tyrrhenischen Meer.
Gleich am ersten Tag des zweiwöchigen Rennblocks steht aber auch Walscheids eigenes Ergebnis im Fokus. Das 11,5 Kilometer lange und völlig flache Auftaktzeitfahren, das lediglich eine 90-Grad-Kurve direkt nach dem Start und einen 180-Grad-Wendepunkt an der Strandpromenade beinhaltet, liegt dem 1,99 Meter großen "Powerhouse". "Wenn alles top läuft, würde ich gern in die Top Ten fahren. Da muss ich aber einfach einen super Tag für haben", sagte er. ___STEADY_PAYWALL___
Beim Saisonauftakt in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf vergleichbarem Parcours mit lediglich etwas mehr Kurven gelang das nicht. Dort wurde Walscheid, nach Platz fünf im Vorjahr, diesmal 18. und litt dabei einerseits etwas unter den sich schon früh nach der ersten Startgruppe verändernden Windbedingungen, erwischte andererseits aber auch selbst "einen soliden, aber keinen Traumtag".
Max Walscheid im Ziel des Einzelzeitfahrens auf Hudayriyat Island bei der UAE Tour. | Foto: Cor Vos
Allzu riesige Erwartungen will Walscheid aber auch in Italien noch nicht schüren. "In meinem Formaufbau sind noch ein paar Prozent Luft, was auch normal und richtig ist, weil ich hier natürlich gut fahren soll, die Klassiker-Saison bis Roubaix aber eben auch noch lang ist", erklärte er. Und der wahre Formhöhepunkt soll eben genau dort erreicht werden, in Roubaix, wenn er dem bis dahin hoffentlich wieder einsatzbereiten Mads Pedersen zur Erfüllung des Traums vom Pflasterstein verhelfen will.
Denn auch wenn der Däne seit seinem Sturz auf der 1. Etappe der Valencia-Rundfahrt am 4. Februar an einem Schlüsselbein- und einem Handgelenksbruch laboriert, ist die Aussicht, mit ihm bei den großen Klassikern zusammenzuarbeiten, für Walscheid in diesem Frühjahr der große Antrieb.
"Wenn man einen von den drei bis fünf Fahrern – mehr sind es ja nicht – im Team hat, die bei den schweren Klassikern gewinnen können, dann ist das natürlich eine Wahnsinns-Motivation", erklärte er. "Ich habe Michael Matthews in Flandern stark unterstützt, als er Dritter wurde. Das war schon geil – auch wenn der Platz letztendlich aberkannt wurde. Mit Mads ist so etwas ja jetzt eher sogar die Erwartungshaltung, als die positive Ausnahme. Und nachdem ich einige Jahre Erfahrung in Belgien gesammelt habe, hätte ich extrem viel Lust, das abzurufen und einzubringen."
In Belgien, hier vor dem Start von Kuurne-Brüssel-Kuurne, fühlt sich Walscheid wohl. | Foto: Cor Vos
Bevor es aber mit Pedersen Ende März und Anfang April nach Belgien und Nordfrankreich geht, steht nun in Italien neben dem eigenen Formaufbau und dem Auftaktzeitfahren eben vor allem die Zusammenarbeit mit dem Gewinner des Grünen Trikots der Tour de France 2025 im Fokus. Als Teil eines bis dahin perfekt eingespielten Sprintzuges von Milan will Walscheid im Mai den Giro d'Italia bestreiten und dort Etappensiege und das Maglia Ciclamino jagen.
Und wie bei Pedersen ist auch Milans Klasse für Walscheid Motivationshilfe. "Man weiß, dass es sich definitiv lohnt, wenn man sein Bestes gibt. Denn wenn man ihn gut ins Finale bringt und er im besten Fall auch den Sprint direkt von uns angezogen bekommt, dann gewinnt er. Das ist etwas, was ich so in meiner Karriere noch nicht hatte. Ich habe schon mit guten Fahrern zusammengearbeitet, keine Frage. Aber er hat die gewisse Extraklasse", so Walscheid.
Geplant ist, dass der Deutsche mit seiner Klassikererfahrung Milan bei den technisch kniffligen Rennen in Belgien, von denen auch der Italiener einige bestreiten wird, durch die Schlüsselstellen pilotiert. In der direkten Sprintvorbereitung soll er den Zug auf Tempo sowie an die Spitze des Feldes bringen, bevor auf dem Schlusskilometer Edward Theuns und Simone Consonni die letzten Anfahrer des Italieners sind. Dabei ist die Kooperation mit diesen beiden auch nicht neu für ihn: Mit Consonni arbeitete Walscheid bereits bei Cofidis zusammen, mit Theuns bei Sunweb. Nur Milan ist ganz neu für den Heidelberger.
Walscheid feiert Milans dritten UAE-Etappensieg mit den Teamkollegen in Abu Dhabi. | Foto: Cor Vos
"Natürlich will man sofort richtig reinstarten, auf der anderen Seite braucht so ein Vertrauensverhältnis aber auch Zeit. Ich denke, dass die UAE Tour da schon ein guter Kickstart war", meinte Walscheid zu RSN in Lido di Camaiore. Beim ersten gemeinsamen Auftritt in Belgien, Kuurne-Brüssel-Kuurne, lief es nicht ganz so perfekt wie bei den drei Etappensiegen in den Emiraten. Doch genau dort sieht Walscheid auch noch viel Potential in der Zusammenarbeit.
"Ich denke, dass ich renntechnisch gut bin und das versuche ich ihm auch zu zeigen – ohne es ihm auf die Nase zu binden. Denn letztlich muss die Motivation, das anzunehmen, auch von ihm kommen. Aber genau auf dem Stand sind wir gerade – heute im Training haben wir Kuurne gemeinsam etwas gedebrieft. Er ist zu mir gekommen und hat das Thema angesprochen und da bin ich natürlich super motiviert, ihm meinen Take zu geben und anzubieten, was ich anzubieten habe", so Walscheid.
In der Woche bei Tirreno-Adriatico nun dürfte auch noch eine weitere Dimension hinzukommen: Es gilt, sich sechs Tage lang durch schwere, hügelige bis mittelgebirgige Etappen zu kämpfen, bevor am Schlusstag in San Benedetto del Tronto die einzige waschechte Sprinter-Etappe wartet – und selbst bei der wird es auf den ersten 50 Kilometern sehr hart für Schwergewichte.
Jonathan Milan auf der Pressekonferenz vor dem Start von Tirreno-Adriatico neben einem seiner schärfsten Gegner in dieser Woche, Paul Magnier (hinten). | Foto: Cor Vos
Vorher könnte auch Etappe 3 in Magliano de' Marsi nach 221 Kilometern und 1.850 Höhenmetern trotz eines recht profilierten letzten Rennviertels etwas für eine Sprintankunft sein. Sich nach den topfebenen Sprintertagen in den Emiraten nun auch auf diesem Terrain gemeinsam gegen Jasper Philipsen (Alpecin – Premier Tech), Paul Magnier (Soudal – Quick-Step), Tobias Lund Andresen (Decathlon – CMA CGM) und Co. zu behaupten, dürfte nicht nur der eigenen physischen Verfassung den erhofften weiteren Schub geben, sondern auch die Zusammenarbeit weiter stärken.