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11.03.2026 | (rsn) – Aktuell lässt es Max Bock etwas ruhiger angehen. Das liegt weniger daran, dass der frischgebackene 21-Jährige am 10. März Geburtstag gefeiert hat, als dass noch ein wenig Restkrankheit aus dem Körper raus muss. In bereits geschwächtem Zustand konnte der Winterneuzugang der Red Bull – Bora – hansgrohe Rookies bei der Trofeo Laigueglia (1.Pro) nichts ausrichten und stieg aus. Was aber geht, wenn er fit ist, bewies er bei seinem Renneinsatz davor. Die Sardinien-Rundfahrt (2.1) beendete Bock als Neunter.
“Damit bin ich wirklich sehr zufrieden, mit dem Ergebnis und auch mit der Leistung“, sagte er RSN. “Das war für mich ein Supereinstieg ins Rookie-Team.“ Das Red-Bull-Trikot hatte Bock auch schon zuvor getragen, da allerdings als “Leihgabe“ für das WorldTeam bei zwei Rennen der Mallorca Challenge. In den zwei Jahren zuvor war er beim Devo-Team von Groupama – FDJ unter Vertrag.
Es ist ein durchaus ungewöhnlicher Weg, den Bock damals wählte. Als Junior fuhr er jeweils ein Jahr beim Team Auto Eder – und damit quasi schon mal im heutigen Red-Bull-Kosmos – und beim Team Marco Brenner. “Ich bin vom Profil her ganz klar Bergfahrer. Im U-Bereich gibt es aber kaum Rennen, die dazu passen. Und so haben die Ergebnisse einfach nicht gestimmt.“
Eine Ausnahme waren die Europameisterschaften im Bergzeitfahren, die Bock 2023 klar für sich entschied. Ein Talentscout aus Frankreich sei da auf ihn aufmerksam geworden, “gemeldet hat sich dann aber erstmal keiner bei mir.“ ___STEADY_PAYWALL___
Um dem Traum vom Berufsradfahrer aufrechtzuerhalten musste Bock also selbst aktiv werden. “Ich habe mich dann selbstständig bei mehreren Teams beworben. Unter anderem eben auch bei Groupama. Und genau dieser Talentscout aus Frankreich von den Meisterschaften hat sich dann bei mir gemeldet und gesagt, dass es dort einen freien Platz für mich gebe.“
Vielleicht war es ein wenig naiv gewesen, ein Angebot aus Frankreich anzunehmen. Und doch sah Bock darin seine beste Möglichkeit. “Ich hätte auch bei einem deutschen KT-Team unterkommen können, aber mir war wichtig, dass der Rennkalender besser zu mir passt. Und da habe ich bei einem Devo-Team einfach die besseren Möglichkeiten gesehen.“ Mit ein bisschen Schulenglisch im Gepäck ging es für den gebürtigen Mainzer, der auch heute wieder dort lebt, also ins französische Voralpenland nach Besancon, wo Groupama seine Teamzentrale betreibt.
Eingewöhnungsprobleme, die durchaus vorhandene Sprachbarriere und Grüppchenbildung sorgten für ein schweres erstes Jahr in Frankreich. Doch im zweiten Sommer in Frankreich nahm Bock dann Fahrt auf. Fünfter bei der Alpes Isère Tour (2.2), gute Ergebnisse bei den Deutschen Meisterschaften – und dann die Tour de l`Avenir. Die wichtigste Nachwuchs-Rundfahrt im U23-Bereich beendete er als Achter.
Und plötzlich war das Interesse groß. “Bisher hatte ich ja alles allein geregelt“, so Bock, der nach dem Realschulabschluss noch eine Ausbildung im elterlichen Heizungs-Sanitär-Betrieb nachgelegt hatte. “Aber jetzt war für mich klar: Ich brauche einen Manager.“ Da passte es ganz gut, dass nach der l`Avenir David van der Poel auf ihn zugekommen war und nach einer Zusammenarbeit gefragt hat. Der ältere Bruder von Mathieu – auch der Rekord-Crossweltmeister wird natürlich dort betreut – der für die belgische Agentur Sportsflow arbeitet, bekam dann auch den Zuschlag.
Video-Calls wurden organisiert, auch Tim Meeusen und John Wakefield saßen dabei am anderen Ende der Leitung. Und die beiden Nachwuchsverantwortlichen von Red Bull überzeugten Bock schließlich von einem Wechsel zu den Rookies, von einer Rückkehr in die alte sportliche Heimat, die durch den Red-Bull-Einstieg nun aber doch auch komplett neu ist. Denn als Bock 2022 für Auto Eder fuhr, gehörte der österreichische Global Player mit allen seinen Innovationen noch nicht zum Team.
Bei den Weltmeisterschaften in Ruanda im Spätsommer bestätigte Bock, dass seine Leistung bei der Tour de l`Avenir keine Eintagsfliege war. Der WM-Elfte beendete er die Europameisterschaften kurz darauf auf Rang neun. Nach diesen Wettbewerben mit der Nationalmannschaft rückte der Fokus nun auf das neue Team. “Gleich beim ersten Teamcamp im Oktober herrschte eine ganz andere Stimmung, alles war viel positiver. Und dann halt auch die Professionalität. Ich hatte ein paar Probleme mit meiner Sitzposition. Aber es gab dann direkt den richtigen Ansprechpartner für mich und es wurde sich sofort um alles gekümmert. Das habe ich vorher bei Groupama schon ein wenig vermisst. Da war vieles etwas oldschool.“
Im Regen von Mallorca fährt Max Bock sein erstes Rennen für Red Bull - Bora - hansgrohe. | Foto: Cor Vos
2017 begann Bock mit dem Radsport, 2018 fuhr er seine ersten Rennen. 2026 steht er beim besten Devo-Team der Vorsaison unter Vertrag. Und ruft dort seine Leistung ab. Wie auf Sardinien. Eigentlich war er dort, um den erst 19 Jahre alten U23-Weltmeister Lorenzo Finn zu unterstützen. “Leider hatte er auf der (entscheidenden) 4. Etappe einen schlechten Tag. Und dann habe ich übernommen, so gut es geht. Es ist dann mitunter schwierig, im Kopf umzustellen, wenn eigentlich ein anderer für das Ergebnis sorgen sollte, das ist mental nicht ganz so leicht. Aber ich denke, ich habe das Beste daraus gemacht.“
Eine richtige Bergankunft hätte dem Kletterer besser gelegen, wie er bestätigte. “Aber man kann sich das Rennen nicht aussuchen. Ich bin das Finale dann nicht ganz ideal gefahren. Aber das sind dann eben die Learnings. Es gibt immer etwas, in dem man sich noch verbessern kann.“
Will sich Bock künftig vom Bergfahrer hin zum Klassementaspiranten entwickeln, zählt dazu auch das Zeitfahren. Als Leichtgewicht wird er die absolute Power, die Zeitfahrspezialisten treten, kaum aufs Pedal bekommen. “Aber gerade bei meiner Aerodynamik gibt es noch einiges zu tun, sowohl auf dem Straßen- als auch auf dem Zeitfahrrad. Aber da bin ich hier bei Red Bull ja genau richtig. Ich war zwar noch nie im Windkanal, aber ich persönlich glaube, dass Dan Bigham (Head of Engineering im Team) der größte Experte auf diesem Gebiet ist, den es gibt.“
Im April stehen für Bock die nächsten Wettkämpfe auf dem Programm: Eintagesrennen, mit Lüttich-Bastogne-Lüttich, der U23-Ausgabe, als Ziel. Die Highlights warten dann aber wieder im Sommer. Der Giro Next Gen soll dazugehören, auch die l`Avenir. “Und wenn da die Ergebnisse stimmen, würde ich mich freuen, wenn es eine Einladung vom Bundestrainer zu den Weltmeisterschaften gibt.“
Max Bock im Trikot der Nationalmannschaft bei der WM in Ruanda 2025 | Foto: Cor Vos
Die Strecke von Montreal wird der von Ruanda nicht unähnlich sein und wieder nicht mit Höhenmetern geizen. Den “20-Minuten-Anstieg“, den sich Max Bock in seiner Idealvorstellung ausmalen würde, wird es allerdings nicht geben. Ohnehin ist das aber alles noch weit weg. Für diesen jungen Sportler, für den sich selbst die vier Jahre, die seit seinem Einstieg bei Auto Eder vergangen sind, anfühlen wie eine halbe Ewigkeit, sind auch sechs Monate noch viel Zeit. Zeit, um sich zu entwickeln, Fortschritte zu machen, besser zu werden.