Lidl-Kapitän verliert Sekunden in San Gimignano

Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel & Co.

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Ciccone: Positionierung kostete Anschluss an van der Poel & Co."
Giulio Ciccone (Lidl - Trek) vor dem Start der 2. Etappe in Camaiore. | Foto: Cor Vos

10.03.2026  |  (rsn) – Nach dem fulminanten Auftakt mit einem dritten und einem fünften Platz durch Max Walscheid und Jonathan Milan im topfebenen Auftakt-Einzelzeitfahren von Lido di Camaiore hat der deutsche WorldTour-Rennstall Lidl – Trek am zweiten Tage bei Tirreno-Adriatico (2.UWT) etwas an Boden eingebüßt, immerhin aber die nächste Top-Ten-Platzierung eingefahren.

Während das ansteigende Finale von San Gimignano mit einem schweren Schottersektor in der Anfahrt zum Bergaufsprint ins Zentrum des malerischen, toskanischen Bergstädtchens, für Walscheid und Milan von vorneherein eine Nummer zu schwer zu sein schien, lagen die Hoffnungen bei den Neckarsulmern vor allem auf den Schultern ihres italienischen Kletterers Giulio Ciccone.

Dem 31-Jährigen liegen steile, punchy Ankünfte wie die auf der 2. Etappe sehr, trotzdem aber konnte er in San Gimignano nicht ganz mit den Besten mithalten: Er wurde Siebter und kam 17 Sekunden hinter Etappensieger Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) sowie Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) und Giulio Pellizzari (Red Bull – Bora – hansgrohe) im Ziel an.

"Es war eine wirklich nervöse Etappe, besonders im Finale. Das war nicht einfach zu managen", fasste Ciccone den Tag zusammen und gab sich trotz des Zeitverlusts zufrieden. Schließlich sei das Rennen zwischen den zwei Meeren sein erster Einsatz in dieser Saison.

Vor Schlüsselstelle zu schlecht positioniert

"Ich bin lange Zeit, fast sechs Monate, kein Rennen gefahren. Deshalb war alles recht schwer einzuschätzen. Ich habe mein Bestes gegeben und kann sagen, dass die Form recht okay ist. Sicher fehlen mir noch ein bisschen die Rennen, aber ich bin zuversichtlich für die nächsten Etappen", so der Italiener, der den Grund für seinen Zeitverlust vor allem in der Anfahrt zum Schottersektor ausmachte.

Im Kampf um die Positionen vor einer engen Spitzkehre, die in den Sektor hineinführte, hatte Ciccone das Hinterrad von Sprint-Ass Milan verloren und war daher etwas zu weit ins Hintertreffen geraten.

"Ich habe dann versucht, im Anstieg aufzurücken. Aber wenn van der Poel als Erster um die Kurve kommt und dann sofort attackiert, dann ist es unmöglich, die Lücke von hinten wieder zu schließen", erklärte er. "Es war wirklich wichtig, schon in guter Position dort anzukommen und das habe ich nicht ganz hinbekommen. Aber ich denke das ist auch normal nach einer langen Zeit ohne Rennen. Das wird in den nächsten Rennen schon kommen."

Krankheit sorgte für späteren Saisoneinstieg als geplant

Eigentlich hatte Ciccone seine Saison bereits bei der UAE Tour im Februar beginnen wollen. Dann aber wurde er im Höhentrainingslager krank und musste für die Emirate absagen. Stattdessen blieb er nochmal einige Wochen länger auf Teneriffa und bereitete dort sein Frühjahr weiter vor. So ist sein letztes Rennen, die Straßen-WM in Ruanda, bei der er Sechster wurde, bereits fast ein halbes Jahr her.

"Ich fühle mich immer in guter Verfassung, wenn ich lange in der Höhe war. Aber natürlich fehlt Dir dann etwas das Rennfahren. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass ich in dieser Woche zu einer guten Form finden werde", versprach Ciccone, der eine Woche nach Tirreno-Adriatico auch bei Mailand-Sanremo am Start stehen wird und seinen großen Saisonhöhepunkt einmal mehr beim Giro d'Italia anvisiert – dort wohl mit dem Ziel Etappensieg neben Gesamtwertungs-Leader Derek Gee-West.

Nächste Chance für Lidl – Trek: Sprintsieg mit Milan auf Etappe 3?

Zunächst aber stehen nun die kommenden fünf Tage für Ciccone und das  WorldTour-Team im Fokus. "Sicher könnte ich sagen, es hätte heute besser laufen können. Aber ich bin happy mit diesem Auftakt nach so langer Zeit. Das Ziel diese Woche ist, ein so gutes Ergebnis wie möglich zu erzielen, aber auch die Form aufzubauen", erklärte er.

Die nächste Chance für ein Spitzenergebnis aus Sicht der seit 1. Januar unter deutscher Lizenz fahrenden Mannschaft, die künftig in Bad Wimpfen bei Neckarsulm auch ihre Zentrale hat, bietet sich bereits am Mittwoch auf Etappe 3. Dann sind in Magliano de' Marsi nach einer mittelschweren Etappe in die Provinz L'Aquila voraussichtlich die hügelfesten Sprinter gefragt – und Milan hat am Dienstag gezeigt, dass er vergleichbare Anstiege bis zum Finale von San Gimignano gut wegstecken konnte.

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