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11.03.2026 | (rsn) – Es war beinahe wie ein zweites Mannschaftszeitfahren, das Red Bull – Bora – hansgrohe da über weite Strecken der 4. Etappe von Paris-Nizza absolvierte. Hatte das Team den eigentlichen Kampf gegen die Uhr noch als Fünfter beendet, spricht das Tagesergebnis der bisweilen chaotischen Etappe eine klare Sprache. Hinter Sieger Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) reihten sich in Daniel Felipe Martinez, Tim van Dijke und dessen Zwillingsbruder Mick gleich drei Red-Bull-Profis auf den Plätzen zwei bis vier ein. In der Teamwertung bedeutet das nach vier Tagen mehr als 15 Minuten Vorsprung auf Visma, schon mehr als 21 auf Ineos Grenadiers.
Fast noch beeindruckender als Teamleistung als Ganzes ist dabei der Auftritt von Tim van Dijke. Obwohl es sich beim Etappenziel in Uchon durchaus um eine veritable Bergankunft handelte, fuhr der 25-Jährige nur vier Sekunden hinter dem ausgemachten Kletterer Daniel Felipe Martinez, seinem Kapitän, Giro-Zweiter von 2024, ins Ziel. Und auch wenn die Formziele anders definiert sind – die Höhepunkte des Kolumbianers liegen später in der Saison, während van Dijke nahe an der Topform ist, das schon als Omloop-Zweiter bewies und den Rest der Klassikerkampagne als absolutes Highlight hat – müssen die mutmaßlich mindestens zehn Kilogramm, die der Niederländer aufgrund seines differenten Fahrerprofils den Berg hinauf schleppen muss, erstmal kompensiert werden. Dazu fuhr van Dijke weite Strecken des Tages im Wind.
Denn die Etappe hatte bereits früh am Tag für Hektik gesorgt, nachdem schon nach wenigen Kilometern auf der Windkante eine 40 Fahrer starke Gruppe ging, in der neben sechs Red-Bull-Profis bis auf Kevin Vauquelin (Ineos Grenadiers) nahezu alle Favoriten für vordere Platzierungen in der Gesamtwertung saßen. Red Bull verlor lediglich Co-Kapitän Aleksandr Vlasov, was einerseits aufgrund des letztlichen Ausgangs der Etappe zwar ärgerlich war. Andererseits konnte sich de Russe früh im Rennen schonen, während das Gros der Kletterer reichlich Körner opfern musste, um halbwegs in Schlagdistanz zu bleiben.
Angesichts von aber auch schon zweieinhalb Minuten Rückstand von Vauquelin – trotz seines Fehlstarts nach Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) größter Verfolger – auf Martinez, der seinerseits eine knappe Minute auf Vingegaard hat, war das nur mittelmäßig erfolgreich. Und so könnte ein frischer Vlasov am Ende noch zum Zünglein an der Waage werden, oder aber sogar über eine Gruppe noch um einen Tagessieg fahren.
War dieser Umstand so eher nicht geplant, erklärte Sven Vanthourenhout, dass ansonsten ziemlich viel so lief, wie es sich das Team erhofft hatte. "Wir haben heute einen harten Kampf erwartet, und ja, wir haben einen geliefert. Das war auch das, was wir heute Morgen im Bus besprochen hatten: 'Zögert nicht. Geht schon früh in die Offensive“, so der Sportliche Leiter von Red Bull. Aufwand und Ergebnis stehen sich für den Belgier dabei ausgeglichen gegenüber. “Am Ende haben wir zwar nicht gewonnen, aber wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, genau wie mit der Gesamtwertung. Wir können also auf einen wirklich sehr guten Tag zurückblicken."
Das sagte so auch Tim van Dijke, der aber weniger auf sein eigenes Resultat blickte, als auf die geschlossene Teamleistung. "Wir waren den ganzen Tag vorne in der Gruppe und haben kontrolliert. Und dann sind wir so tief gegangen wie möglich, um den Abstand für die Gesamtwertung so groß wie möglich zu machen. Das war sehr schmerzhaft, aber auch sehr wichtig. Ich glaube, das war perfektes Teamwork."
Dass Red Bull aber überhaupt in die Situation kam, um derart vielzählig in den Top 5 zu landen, war auch zu einem guten Teil der offensiven Fahrweise im Vorfeld geschuldet, mit der das Team sein Glück sozusagen erzwang. Als bei noch knapp 50 zu fahrenden Kilometern mehrere Stürze die Spitzengruppe durchzogen und komplett sprengten, war Red Bull geschlossen auf den ersten Positionen unterwegs und entging so dem Übel, das etwa Juan Ayuso (Lidl – Trek) ereilte, der das Rennen als Gesamtführender aufgeben musste. Auch Brandon McNulty (UAE -Emirates – XRG) erwischte es direkt – er musste ebenfalls aufgeben. Oscar Onley (Ineos Grenadiers) war bereits in einer Szene zuvor gestürzt, konnte aber immerhin durchfahren. David Gaudu (Groupama – FDJ) wurde aufgehalten.
Insgesamt wurde so aus mehr als 30 Fahrern an der Spitze ein Septett, zu dem fünf Red-Bull-Profis zählten – plus Vingegaard und Mathias Vacek (Lidl – Trek), der aber relativ schnell zurückfiel. In der Folge arbeiteten die Profis aus dem deutschen Team aufopferungsvoll dafür, dass der Vorsprung zwischen ihnen und den Verfolgern so groß wie möglich wurde, um Martinez ein gutes Abschneiden in der Gesamtwertung zu ermöglichen. Jede Sekunde des auf den ersten Blick komfortablen Vorsprungs auf Rang drei dürfte zählen, denn die Bergbeine des 29-Jährigen scheinen, vielleicht auch nur bedingt durch das ungastliche Wetter, noch nicht zwingend podiumsreif zu sein. “Am Ende hatte ich wirklich keine Kraft mehr“, sagte er am Eurosport-Mikrofon und untermauerte damit auch die TV-Bilder, auf denen er recht gequält wirkte.
Und so war es auch Martinez, der wie Vanthourenhout und van Dijke ein Loblieb auf die starke Teamleistung sang: “Ich bin wirklich unglaublich stolz auf das Team heute, sie haben so einen fantastischen Job gemacht. Wirklich unglaublich.“ Auch hier zeigte sich wieder die Mentalität, die bei Team-Verantwortlichen als der große Unterschied zum alles in allem wenig erfolgreichen Vorjahr ins Feld geführt wird.
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