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11.03.2026 | (rsn) – Zum Schluss kam auch noch Nebel zu Regen, Wind und lausigen Temperaturen dazu. Das gelbe Visma-Trikot von Jonas Vingegaard war dennoch gut zu erkennen, als der Däne nach 195 Kilometern der 4. Etappe von Paris-Nizza den Zielstrich in Uchon als Solist überquerte. Daran änderte auch die schwarze, vollgesogene Hose nichts, die wie ein Bierbauch – entgegen jeder Aero- und Fashionregel – über seinem Trikot hing.
Nach einer chaotischen Etappe wird Vingegaard morgen auch im echten Gelben Trikot der Fernfahrt unterwegs sein. Denn wie zahlreiche andere Klassementfahrer war auch der bisherige Leader Juan Ayuso (Lidl – Trek) gestürzt. Für den Spanier bedeutete es das Aus, ein Großteil seiner Kollegen konnte zumindest weiterfahren, kassierte aber reichlich Zeit.
“So einen verrückten Tag hatten wir nicht erwartet! Wir rechneten zwar mit einem turbulenten Tag, aber definitiv nicht mit so einem. Wir hatten eigentlich geplant, am vorletzten Anstieg zu attackieren, aber es ging von Anfang an mit Vollgas zur Sache. Es war den ganzen Tag über hektisch und extrem hart. Ich hatte nicht einmal Zeit, Kleidung auszuziehen“, sagte Vingegaard im Ziel. “Den Etappensieg zu holen und das Gelbe Trikot zu tragen – besser hätte es nicht laufen können. Ich bin überglücklich und unglaublich stolz auf diesen Sieg. Letztes Jahr musste ich das Rennen aufgeben. Damals trug ich das Führungstrikot und bin gestürzt. Zurückzukommen und eine Etappe zu gewinnen, meiner ersten bei Paris-Nizza außerhalb der Mannschaftszeitfahren, ist wirklich ein toller Saisonstart.“
Als Zweiter erreichte Daniel Felipe Martinez (Red Bull – Bora – hansgrohe) das Tagesziel, 41 Sekunden hinter Vingegaard. Der Kolumbianer ist damit auch Zweiter der Gesamtwertung. Die weiteren Positionen gingen an die beiden Red-Bull-Helfer Tim (3.) und Mick van Dijke (3.). Das deutsche Team hatte schon früh am Tag viel richtig gemacht, als bereits kurz nach dem Start eine 40-köpfige Gruppe im Seitenwind aus dem Hauptfeld herausfuhr – mit allen GC-Favoriten bis auf Kevin Vauquelin (Ineos Grenadiers).
In der Kopfgruppe fuhr Red Bull dann die meiste Zeit von vorne. Auch rund 50 Kilometer vor dem Ziel, als sich der Sturz ereignete, der Ayuso aus dem Rennen nahm und die Kopfgruppe sprengte. Neben fünf Red-Bull-Profis hatten nur Vingegaard und Mathias Vacek (Lidl – Trek) den Cut geschafft. Der Tscheche ließ sich danach zurückfallen, der Rest machte weiter. Und fuhr sich so auf die in zahlreiche Teile zerbröckelte Spitzengruppe einen beachtlichen Vorsprung heraus.
Hinter Vingegaard und dem Red-Bull-Trio erreichte Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) als Fünfter das Tagesziel, was ihn in der Gesamtwertung auf Rang drei katapultierte, angesichts von 3:20 Minuten Rückstand allerdings mit reichlich Abstand nach vorne. Martinez liegt als neuer Gesamtzweiter 52 Sekunden hinter Vingegaard. 19 Sekunden hinter Steinhauser folgt Vauquelin, der sich nach seinem schlechten Start in den Tag noch weit nach vorn arbeiten konnte, am Ende aber trotzdem sichtbar unzufrieden am Team-Geländewagen zu sehen war.
Weil ihn Steinhauser überholt hat, ist Vauquelin auch sein Weißes Trikot des besten Nachwuchsprofis los. Die weiteren Trikots bleiben bei ihren Besitzern. Luke Lamperti (EF Education – EasyPost) ist weiterhin Führender der Punktewertung, Casper Pedersen (Soudal – Quick-Step) verteidigt das Bergtrikot.
Ungemütliche Bedingungen mit viel Seitenwind, Regen und Kälte prägten die Etappe. Und vor allem aufgrund des Windes war unmittelbar nach dem Start bereits Action drin. Auf der Kante bildete sich schnell eine knapp 40 Fahrer starke Kopfgruppe, in der bis auf Kevin Vauquelin (Ineos Grenadiers) und Aleksandr Vlasov (Red Bull – Bora – hansgrohe) alle Klassementfahrer vertreten waren. Bis auf anderthalb Minuten soll der Abstand in der Folge anwachsen.
Als die erste Bergwertung des Tages nach schon fast 130 gefahrenen Kilometern anstand, war die Lücke auf etwa eine Minute zusammengeschmolzen. Und es war Vauquelin, der mit einigen weiteren Fahrern wie Lenny Martinez (Bahrain Victorious) aus dem Feld den Sprung nach vorne schaffen wollte. Bis zur Kuppe schrumpfte die Differenz auf 40 Sekunden, in der folgenden Abfahrt wurden es aber wieder mehr.
Das Streckenprofil der 4. Etappe von Paris-Nizza | Foto: Veranstalter
Kurze Zeit später krachte es erneut, und diesmal löste es die komplette Gruppe auf. Fünf Red-Bull-Profis inklusive Martinez, Vingegaard und Mathias Vacek (Lidl – Trek) – mehr waren vorne nicht übriggeblieben. Am schlimmsten hatte es Ayuso erwischt, der zunächst nochmal aufs Rad gestiegen war, sich kurz darauf nochmal schmerzverzerrt in den Rasen legte und aufgeben musste.
In der Folge liefen mehrere Gruppen zusammen, doch Onley hatte 30 Kilometer vor dem Ziel immer noch 50 Sekunden Rückstand, für Vauquelin waren es zwei Minuten. Dort am Zwischensprint siegte Vingegaard und machte so zwei Sekunden gut auf Martinez.
An der zweiten Bergwertung (2. Kat.) wurde plötzlich Steinhauser als erster Verfolger der Spitze geführt, während Onleys Rückstand auf fast zwei Minuten angewachsen war, der von Vauquelin auf 2:30 Minuten.
14 Kilometer vor dem Ziel hatte der Franzose den Anschluss zu Onley hergestellt. Als es dann in den Schlussanstieg ging, wandelte sich das Bild bei Ineos wieder. Onley fiel zurück, Vauquelin war damit wieder Bester seines Teams. Derweil gingen Vingegaard und Martinez mit Tim van Dijke ins Finale. Steinhauser konnte die Lücke nach vorne nicht mehr schließen.
Unter dem Teufelslappen blies dann Vingegaard zur Attacke. Martinez reagierte nicht, konnte selbst auf seinen Teamkollegen nur ein Vier-Sekunden-Polster herausfahren. Auf Vingegaard kassierte er deren 41. Dahinter rettete sich noch Mick van Dijke vor Steinhauser ins Ziel. Und dann kam schon Vauquelin, der damit noch Schadensbegrenzung betreiben konnte, nachdem das Rennen schon früh gegen ihn gelaufen war.
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