Ludwig zeigt sich mit mutigem Soloritt

Swinkels feiert bei Trofeo Binda größten Karriereerfolg

Von Jens Claussen

Foto zu dem Text "Swinkels feiert bei Trofeo Binda größten Karriereerfolg"
Karlijn Swinkels (UAE - ADQ) bejubelt ihren größten Karriereerfolg | Foto: Cor Vos

15.03.2026  |  (rsn) – Es war der größte Erfolg ihrer bisherigen Profikarriere: Karlijn Swinkels vom Team UAE – ADQ hat eine taktische Meisterleistung ihres Teams im finalen Sprint einer Dreiergruppe vollendet und damit die 27. Trofeo Alfredo Binda (1.WWT) gewonnen. Die Niederländerin konnte sich zehn Kilometer vor dem Ziel entscheidend mit zwei weiteren Fahrerinnen absetzen und zeigte sich im Schlussspurt auf der leicht ansteigenden Zielgeraden in Cittiglio als die Stärkste.

Hinter Swinkels fuhren nach 146,1 Kilometern deren Landsfrau Anna van der Breggen (SD Worx – Protime) und die Norwegerin Mie Bjorndal Ottestad (Uno-X Mobility) auf den Plätzen über die Ziellinie. Bereits 44 Sekunden dahinter führte die Vorjahreszweite Kata Blanka Vas (SD Worx – Protime) als Vierte eine größere Verfolgergruppe ins Ziel, in der alle übrigen Favoritinnen saßen. Für Swinkels, die schon vor Wochenfrist mit Rang zwei bei der Trofeo Oro (1.1) ihre starke Frühform präsentierte, war es der achte Profisieg – aber mit Abstand der wertvollste, wie sie im Siegerinterview bestätigte.

“Unser war Plan war von Beginn an, dass ich in die Ausreißergruppe gehen und dann bis zum Finale auf den Sprint warten sollte“, beschrieb sie die Glanzleistung von UAE – ADQ, die durch eine horrende Tempoverschärfung von Elisa Longo Borghini 20 Kilometer vor dem Ziel eingeleitet wurde. “Als wir mit drei Fahrerinnen von uns dann vorne waren, haben die anderen beiden für mich gearbeitet, da ich mich sehr zuversichtlich für das Finale fühlte. Als wir dann im Finale nur noch zu dritt waren, bin ich aber doch etwas nervös geworden, da Anna (van der Breggen) nicht mehr so hart mit durchgezogen hat. Das ich dann mit dem Sieg die ganze Arbeit der Mannschaft erfolgreich beenden konnte, fühlt sich sehr schön an“, schloss sie unmittelbar nach dem Rennen ihre ersten Eindrücke ab.

Für die zweimalige Gewinnerin der AG Tour de la Semois (2.2) war es bereits der zweite Sieg in diesem Jahr, nachdem sie mit der Trofeo Binissalem-Andratx (1.1) den dritten Tag der Mallorca Challenge gewonnen hatte. Als beste Deutsche beendete Ricarda Bauernfeind (Lidl – Trek) auf Platz 35 (+2:20) das Rennen, Justyna Czapla (Canyon – Sram – zondacrypto) fuhr auf Platz 79 (+10:37). Hannah Ludwig (Cofidis) hatte nach einem mutigen Soloritt keine Energie mehr, nach ihrer Einholung die Spitzengruppe zu halten und stieg vorzeitig aus.

So lief die Trofeo Alfredo Binda:

Nachdem sich die 136 Starterinnen bei noch empfindlich kühlen neun Grad am Lago Maggiore in Bewegung gesetzt hatten, konnte eine der drei deutschen Starterinnen, Hannah Ludwig, dem Rennen über längere Zeit den Stempel aufdrücken. Die Cofidis-Fahrerin löste sich bei Kilometer 46 vom bis dahin noch geschlossenen Peloton und konnte rasch einen Vorsprung von 1:30 Minuten herausfahren.

Der mutige Soloritt der 26-jährigen Heidelbergerin fand jedoch 40 Kilometer später ein jähes Ende, als sie, schon auf dem finalen Rundkurs angekommen, vom jagenden Feld wieder gestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich lediglich noch 40 Fahrerinnen im Wettbewerb, 35 Kilometer vor dem Ziel waren es nur noch halb so viele. Auch diesmal war das Ausscheidungsfahren der Topographie eines extrem schweren Rundkurses mit einer Länge von 18 Kilometern geschuldet, der sechsmal zu durchfahren war.

Als Ende der vorletzten Runde Longo Borghini, Siegerin von 2013 und 2021, immer wieder attackierte, sah es kurzzeitig danach aus, als ob es der 34-jährigen Italienerin gelänge, die Gruppe vor dem unmittelbaren Finale nochmals dezimieren zu können. Doch schon wenig später sollte sich herausstellen, dass ihre Bemühungen rein taktischer Natur waren. Drei ihrer Teamkolleginnen traten aus dem Windschatten ihrer Leaderin an und konnten mit drei weiteren Fahrerinnen und einer Lücke von zwölf Sekunden die letzte Runde in Angriff nehmen.

Das Streckenprofil der Trofeo Alfredo Binda | Foto: Veranstalter

So kurbelten Swinkels, Elenora Gasparrini, Silvia Persico (alle UAE – ADQ) gemeinsam mit van der Breggen, Ottestad und Pfeiffer Georgi (Picnic – PostNL) an der Spitze, wobei aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit in dieser Gruppe die Arbeit allein bei den Frauen aus den Emiraten lag. Bis van der Breggen an der vorletzten Steigung des Tages, dem ein Kilometer langen und 6,6 Prozent steilen Casale, das Tempo forcierte und nur noch mit Pfeiffer, Ottestad und Swinkels am Rad über die Kuppe fuhr.

Das Quartett war sich einig und hatte zu Beginn des letzten Anstieges, dem 4,6% steilen Orino, einen Vorsprung von 38 Sekunden auf eine 17-köpfige Verfolgergruppe. Aus vier macht drei, und schnell auch zwei….., werden sich die offensichtlich stärksten Fahrerinnen aus diesem Quartett gedacht haben. Denn Swinkels und van der Breggen passierten des höchsten Punkt des Orino nur noch zweit, bereits 53 Sekunden vor der Gruppe weiterer Favoritinnen mit Longo Borghini, Kopecky (SD Worx – Protime) und Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM– zondacrypto). Auf den letzten fünf Kilometern hatte das Duo aber offenbar die Standfestigkeit von Ottestad unterschätzt, die urplötzlich wieder in deren Windschatten auftauchte. 

Als dann zwei Kilometer vor dem Ziel das Trio einen Abstand von einer Minute hatte, gab es keinen Zweifel mehr – die Siegerin würde aus dieser Gruppe kommen. Ottestad, wohlwissend, dass sie im Sprint keine Chance hatte, bog als erste in die letzte Rechtskurve und wurde dann aber von ihren beiden Begleiterinnen stehengelassen.

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